Ein Gang durch die Ruinen
Der Zugang zur Terrasse: Die Treppen und das "Tor der Länder" (Nr. 4.1 im Grundriss)
TOR ALLER LÄNDER
DIE TREPPEN
PLAN DER TREPPENANLAGE MIT DEM "TOR DER LÄNDER"
Die neue Straße, die von Schiras kommend, führt genau auf den erst von Xerxes (486 - 465 v.Chr.) geschaffenen Eingang zu, eine eindrucksvolle Treppenanlage, bekrönt von einem Torbau. Noch heute muß jeder Besucher die Treppe hinaufsteigen, die zum"Tor aller Länder" führt. Die zwei aus großen Steinblöcken errichteten, 7 m breiten Treppenläufe führen zunächst zu den Seiten, dann mit einer Wendung um 180° wieder zusammen und enden auf einer zentralen Plattform vor dem Eingangstor. An den Wendestellen befindet sich rechts und links je eine Plattform, die zu den Seiten hin über die Breite der Treppen hinaus erweitert ist, so daß sie L-förmig um die Ecke herumführt. Dieser zusätzliche Platz mag für Wachsoldaten geschaffen worden sein, die dort die Ankommenden begrüßen, kontrollieren oder auch abweisen konnten. An den Außenseiten der Treppen und der Zwischenplattform haben sich noch Reste von einem zinnenförmigen, aus Steinen gefügten Geländer erhalten; derartige Zinnen kehren bei Treppen immer wieder. Die einzelnen Stufen sind sehr flach. Man hat daher vermutet, daß der König und sein Gefolge hoch zu Roß auf die Terrasse hätten reiten können.. Das ist aber ungewiß. Möglicherweise waren die Stufen auch mit Rücksicht auf die langen Gewänder der Höflinge so flach gehalten, so daß sie würdigen Schrittes hinaufsteigen konnten.
LANGE REIHE VON WÜRDENTRÄGERN
Die langen Reihen der Würdenträger sind abwechselnd in das persische Hofgewand und das iranische Reiterkostüm gekleidet. Auch die zu der jeweiligen Bekleidung gehörigen Waffen sind in allen Details wiedergegeben. Die lange Reihung wird durch kleine Bewegungen belebt und variiert, indem ein Adliger die Hand auf die Schulter des Vordermannes legt oder ein anderer sich umwendet.
HOCHGESTELLTER PERSER
Durch die künstlerische Bearbeitung eines hochsgestellten Persers von den Reliefs der Apadana-Treppen durch R.Khezree werden die Waffen, Gorytos (Bogenkasten) und Dolch, besonders deutlich. Die Rekonstruktion erinnert daran,daß einstmals alle Reliefs in kräftigen Farben bemalt waren.
Das Eingangstor ist ein quadratisches Gebäude mit 24,75 m Seitenlänge. Zwei monumentale Tore und die vier Säulen im Innern sind aus Stein gearbeitet und haben sich daher noch weitgehend erhalten. Die Wände des Bauwerkes waren aus luftgetrockneten Ziegeln errichtet und sind daher nicht mehr vorhanden. Doch konnte man an Resten erkennen, daß sie einstmals an der Außenseite mit Nischen gegliedert waren.
TREPPE UND TOR DER LÄNDER - HEUTE
TREPPE UND TOR DER LÄNDER - REKONSTRUKTION
Rekonstruktion des "Tores aller Länder" und Blick auf die Nordseite des Apadana-Gebäudes (von Persepolis Recreated). Hier kann man einen Eindruck gewinnen, wie monumental die Gebäude mit geschlossenen Wänden wirkten.
Die Steinblöcke, aus denen die großen Tore zusammengefügt sind, sind zu den Seiten hin nicht geglättet, da dort die Lehmziegelmauern ansetzten.
WESTSEITE DES TORES ALLER LÄNDER
Blick auf diie Westseite des "Tores aller Länder" und die drei erhaltenen Säulen im Innern. Die nach vorn vollplastisch hervorragenden Tierfiguren sind an der Innenseite des Durchganges nur in Relief fortgeführt
Die westliche Tür , die zu der Treppe hin gerichtet ist, ist mit zwei riesigen Stierkulpturen geschmückt.
STIERSKULPTUREN
Rieseige Stierfiguren bewachten den Zugang zum Tor und damit zur Terrasse (Rekonstruktion aus Persepolis Recreated).
Die Gegenseite im Osten zeigt Stiere mit Menschenkopf und hohem Federpolos (Federkrone) auf dem Kopf. Vorbilder dafür finden sich in der assyrischen Kunst. Wie dort sind auch hier die vorderen Teile der Skulpturen vollplastisch vor den Wänden wiedergegeben, während der größte Teil des Körpers und die Hinterbeine nur im Relief auf der Innenseite der Tore zu sehen sind. Über diesen Reliefs stehen sauber eingemeißelte Inschriften in Altpersisch, jeweils in der Mitte, Elamisch und Babylonisch zu beiden Seiten:
Der große Gott ist Ahuramazdader diese Erde erschaffen hat, der jenen Himmel geschaffen hat, der den Menschen geschaffen hat, der die Freude geschaffen hat für den Menschen, der Xerxes zum König gemacht hat, einen von vielen zum König, einen von vielen zum Herrscher.
Ich bin Xerxes, der Großkönig, König der Könige, König aller Länder mit allen Arten von Völkern, König auf dieser großen Erde auch fernhin, König Dareis' Sohn, ein Achämenide.
Es kündet Xerxes, der König: Nach dem Willen Ahuramazdas habe ich dieses "Tor aller Länder" gebaut. Viel anderes Schönes wurde in diesem Persepolis gebaut, was ich gemacht habe und was mein Vater gemacht hat. Welches Werk auch immer erscheint, all das wurde nach dem Willen Ahuramzdas gebaut.
Es kündet Xerxes, der König: Möge mich Ahuramazda beschützen und mein Königreich und was von mir gemacht worden ist und was von meinem Vater gemacht worden ist, auch das möge Ahuramazda beschützen!
Xerxes hat also selbst dieses Tor als "Tor aller Länder" bezeichnet. Die Anordnung der beiden mit Skulpturen geschmückten Türen im Westen und Osten gibt eine Richtung vor, die geradeaus durch das Gebäude hindurchführt, dann aber lediglich ins freie Gelände führt. Erstaunlicherweise ist das "Tor aller Länder" nicht auf das Hauptgebäude der Terrasse, den Apadana, ausgerichtet. Das mag ein Hinweis darauf sein, daß dieses Tor ursprünglich zu dem von Dareios geschaffenen Zugang im Süden der Terrasse gehört hat, also dort gestanden hat oder zumindest dort aufgestellt werden sollte, und erst später von Xerxes an seinen jetzigen Platz versetzt worden ist.
Eine dritte Tür war an der südlichen Seite des Gebäudes angebracht, von ihr ist aber fast nichts erhalten. Vielleicht besaß sie gar keinen steinernen Türrahmen. Sie führte zur Nordseite des Apadana. Diese Tür war mit 5,15 m deutlich breiter als die beiden anderen Durchgänge im Westen und Osten, die je 3,80 m messen. An ihrer Innenseite sind Reste einer mit Rosetten geschmückten Steinplatte erhalten, in der die Türangel gesessen hat.
TÜRANGELSTEIN
Nach ihrem Durchmesser kann man zwei riesige Türflügel von nahezu 12 m Höhe rekonstruieren. Sie bestanden vermutlich aus Holz und waren mit vergoldeten Bronze-Ornamenten geschmückt. Diese Tür, die in ihrem Aussehen so sehr von den beiden anderen abweicht, ist wahrscheinlich dem ursprünglichen Bau hinzugefügt worden, um Besucher direkt zu der neuen, von Xerxes geschaffenen Hauptfassade des Apadana zu leiten. Es scheint sich um eine "Notlösung" und nicht eine durchdachte Planung gehandelt zu haben. Denn Besucher, die von Westen die Treppen heraufgekommen und in das "Tor aller Länder" eingetreten waren, mußten sich dann im rechten Winkel nach Süden wenden, um den Apadana zu erreichen, trafen dann aber nicht einmal auf dessen Mitte oder einen anderen hervorgehobenen Teil. Auch das spricht dafür, daß das "Tor aller Länder" ursprünglich nicht an dieser Stelle gestanden hat, sondern erst von Xerxes dorthin versetzt worden ist.
Vergleichbare Steinplatten zur Verkleidung der Türangelsteine wurden auch auf der Innenseite der östlichen Tür gefunden. Dies gibt einen Anhaltspunkt, daß alle Tore der Gebäude verschließbar waren. Es ist daher anzunehmen, daß Torgebäude und Treppe miteinander durch eine Mauer verbunden waren, man also nicht seitlich an dem Tor vorbeigehen konnte.
Der Architrav der Osttür, der aus einem einzigen Stück bestand, konnte aus vielen Fragmenten rekonstruiert werden. Mit einer Gesamtlänge von 8,08 m und einer Höhe von 1,75 m wog er einstmals nahezu 25 Tonnen. Damit gehört er zu den größten in Persepolis verwendeten Blöcken, und man muß noch heute bewundern, wie es möglich war, Steine mit derartigem Ausmaß und Gewicht herzustellen, aus den Brüchen auf die Terrasse zu transportieren und dann mit Kränen an die vorgesehene Stelle zu bringen. Gekrönt waren die Architrave- sowohl an der Innen- wie an den Außenseiten der Türen - von mit geschwungenen und mit stilisierten Blattmustern verzierten Gesimsen. Ein Stück von einem solchen ist oben auf dem östlichen Architrav wiederhergerichtet worden.
An den Innenseiten des Torgebäudes laufen Steinbänke an den Wänden entlang. Sie mögen für Besucher bestimmt gewesen sein, die dort auf ihre Zulassung zur Audienz warten mußten. Genau gegenüber der Südtür ist ein erhöhter Sitz angebracht, vor dem eine Steinplatte als Fußstütze liegt. Es ist vorgeschlagen worden, daß dort Gerichtsverhandlungen stattgefunden haben, bei denen auch der König als Richter fungiert haben könnte. Derartige Gerichtssitzungen in Torgebäuden sind in der Literatur des alten Orients überliefert.
Die schlanken Säulen sind 16,5 m hoch und gleichen in ihrem oberen Aufbau denen im Innern des Apadana. Ihre Basen sind mit scharf geschnittenen, stilisierten Blättern bedeckt. Reiche Komposit-Kapitelle wachsen aus herabfallenden Blattkränzen und Papyrus-Stauden hervor.
WIEDERHERGESTELLTE SÄULE
Wiederhergestellte Säule im Innern des "Tores aller Länder". Der obere Teil ist reich gegliedert mit aufwachsenden Papyrusstauden, Voluten und darüber doppelten Stiekapitellen
Der quadratische Teil darüber ist geriefelt und auf allen vier Seiten oben und unten mit doppelten Voluten geschmückt. Erst darauf sind die Kapitelle mit aneinandergesetzten Stier-Vorderkörpern angebracht. Die Köpfe der Stiere blickten nach Süden und Norden, so daß ein eintretender Besucher, der von der Treppe her kam, sie in voller Größe in Seitenansicht erblicken konnte.
Das Wasserbecken (Nr. 4.2 im Grundriss)
An der Süd-West-Ecke des Tores aller Länder ist ein großes Wasserbecken aus Stein erhalten (4 mal 4 m).
GRUNDRISS MIT WASSERBECKEN
Im Inneren ist der westliche Teil 1,2 m tief, der östliche, an dem zwei schmale Rampen zu einer kleinen Plattform hinaufführen, nur 46 cm. Kleine Wasserkanäle führen von dort über die Terrasse. Das Becken könnte somit der Bewwässerung von Gartenanlagen gedient haben, die sich einstmals auf der Terrasse befanden, ehe diese mehr und mehr zugebaut wurden.
Der Apadana (Nr. 4.3 im Grundriss)
Nach den von Xerxes vorgenommenen Veränderungen war die Nordseite des Apadanas zur Hauptansichtsseite geworden. Die von Dareios geschaffenen Original-Reliefs befinden sich aber auf der Ostseite des Gebäudes. Nur dort kann man eine Vorstellung von der Konzeption des ursprünglichen Programms bekommen. Zudem sind diese Reliefs feiner ausgeführt und besser erhalten. Es ist daher ratsam, sich zunächst auf die Ostseite zu begeben. Die dort befindlichen Reliefs werden heutzutage von einem schweren Metalldach überdeckt, das leider den Gesamteindruck des Gebäudes sehr stört und zudem dadurch, daß unter ihm die Feuchtigkeit festgehalten wird, den Reliefs mehr schadet als schützt.
GRUNDRISS DER APADANA
Plan des Apadana-Gebäudes mit den Portiken im Osten, Westen und Norden
Die Paläste von Kyros d. Gr. (555 - 530 v.Chr.) in Pasargadae, nach denen Dareios auch schon seinen Palast in Susa entworfen hatte, werden die Vorbilder für diesen Empfangssaal gewesen sein. Doch zeigt der Apadana in Persepolis auch entscheidende Neuerungen. Während in Pasargadae diePortiken (Vorhallen) nur etwa zu einem Drittel der Höhe der Gebäude reichten, sind sie hier in voller Höhe hochgezogen. Im Westen wie im Osten standen 12 etwa 20 m hohe Steinsäulen in zwei Reihen in den Portiken. Die westliche Portika lag genau oberhalb der etwa 15 m hohen Stützmauern der Terrasse. So ragten die Säulen hoch empor und konnten schon von weitem gesehen werden. Diese Idee wurde dann später von griechischen Tempeln aufgenommen, wie z.B. auf der Akropolis in Athen oder in Kleinasien. Doch hier in Persepolis findet sie sich zum ersten Mal. Es muß demnach eine Idee von Dareios selbst oder seinen Architekten gewesen sein.
APADANA
(Rekonstruktion Persepolis Recreated)
Während die westliche Portikus in die Ferne wirken sollte, bildete die östliche die Hauptansichtsseite auf der Terrasse.
APADANA
Blick auf die Ostseite des Apadana, die Hauptansichtsseite mit dem wohlüberlegten Programm der Reliefs (Zeichnung F. Krefter)
APADANA
(Rekonstruktion aus Persepolis Recreated)
Das wird in vielerlei Hinsicht deutlich. An allen Ecken des Gebäudes sprangen Türme vor. Sie waren - wie auch die Wände - aus Lehmziegeln errichtet und mit glasierten Ziegeln geschmückt. Reste von diesen können in den Gängen an der östlichen Außenseite des Museums gesehen werden. Die Ziegel waren mit geometrischen Ornamenten und Lotusblüten geschmückt, doch sind auch einige mit Bruchstücken einer Inschrift erhalten. Sie war von Xerxes verfaßt und besagt:
REKONSTRUIERTES MUSTER
Rekonstruiertes Muster der glasierten Kacheln, die einst die Ecktürme und die Südseite des Apadana schmückten (ein Besispiel davon ist im National-Museum inTeheran zu sehen). Eine Vorstellung von der einstigen Farbgebung kann man durch die besser erhaltenen Reliefs vom Dareios-Palast in Susa erhalten
Es kündet Xerxes, der König: Nach dem Willen Ahuramazdas - manches Gute machte und plante Dareios, der König, der mein Vater (war); ebenfalls nach dem Willen Ahuramazda fügte ich zu jenem Werk hinzu und baute mehr. Mich möge Ahuramazda beschützen, zusammen mit den Göttern, und mein Reich!
In den beiden Türmen, die die östliche Portikus rechts und links begrenzen, sind die Gründungsinschriften Dareios' d. Gr. gefunden worden. Auch diese Tatsache betont die Bedeutung der östlichen Fassade. Jeweils eine silberne und eine goldene Paltte waren sorgfältig in eine Steinkiste gelegt. Sie sind 33 cm mal 33 cm groß, haben also die selbe Größe wie alle Ziegel. aus denen das Gebäude errichtet ist. Auf ihnen stehen gleichlautende Inschriften, wiederum in Altpersisch, Elamisch und Babylonisch:
Dareios, der Großkönig, König der Könige, König der Länder, Sohn des Hystapes, ein Achämenide.
Es kündet Dareios, der König: Dieses (ist das) Königreich, das ich halte, von den Skythen, die jenseits Sogdiana wohnen, bis nach Äthiopien, von Indien bis nach Lydien, das Ahuramazda, der größte der Götter, mir zugeteilt hat. Ahuramazda möge mich beschützen und mein königliches Haus!
Das Apadana-Gebäude ist, wie dann auch andere Repräsentationsbauten, auf einem sockelartigen Unterbau errichtet, der teilweise aus dem anstehenden Felsen besteht. Es erhebt sich also über seine Umgebung. Zu der östlichen Portikus führen vier symmetrische Treppen mit je 31 Stufen hinauf, die die gesamte Fassade in drei etwa gleiche große Felder aufteilen.
BLICK AUF DIE TERRASSE
Blick vom Berge Kuh-e Rahmat auf die Terrasse von Persepolis. Über den "Hundert-Säulen-Saal" hinweg blickt man auf das zentrale Apadana-Gebäude mit den Reliefs (die Aufnahme wurde noch vor der Anbringung des Schutzdaches gemacht).
Das mittlere Drittel springt am weitesten vor. Die Flanken wie auch die Geländer der Treppen sind mit Reliefs überzogen. Das Relief im Zentrum der Anlage zeigt heutzutage je vier einander zugewandte persische Soldaten rechts und links eines leeren Feldes. Sie sind abwechselnd in das achämenidische Faltengewand mit weiten Ärmeln und einer Federkappe und das iranische Reiterkostüm mit Hosen und einer runden Fellkappe gekleidet. Von dieser hängt hinten ein Tierschwanz herab. Die Schilde zeigen die typische Form mit ovalen Öffnungen in der Mitte beider Langseiten und eine Verzierung in der Mitte. Vermutlich waren sie aus mit Leder überzogenen Holz und einem Metallbuckel als Schmuck und zu weiterem Schutz hergestellt. Dieses Relief ist von Xerxes angebracht worden, als er das originale Mittel-Relief in das Schatzhaus hat versetzen lassen, wo es noch heute zu sehen ist. Ursprünglich war hier das Zentrum des ganzen Programms: der König inmitten der zum Reich gehörigen Völker, die von der linken Seite herbeikommen, und den Wachen und Würdenträgern in seinem Rücken auf der rechten Seite.
Über der zentralen Szene ist ein geflügeltes Sonnensymbol zu sehen, das von männlichen Sphingen mit Löwenkörpern flankiert wird. Die Felder unterhalb der Flügel und im Rücken der Sphingen sind mit Lotusblüten gefüllt. Diese Reliefs sind zusammen mit dem neuen Relief mit den Wachsoldaten im Zentrum eingesetzt worden. Ursprünglioch war dort der Baldachin dargestellt, unter dem der König saß. Zwei Blöcke davon sind an der Treppe des Palastes entdeckt worden, wo sie als Baumaterial wiederverwendet worden waren (eines davon ist im National-Museum in Teheran zu sehen).
Das zenteale Relief wird an beiden Seiten von einer Tierkampfgruppe flankiert, einem Löwen, der einen Stier schlägt.
LÖWE-STIER-KAMPFGRUPPE
Die Löwe-Stier-Kampfgruppe tritt in Persepolis zum ersten Mal an den Ost-Treppen des Apadana auf und wird dann viele Male wiederholt. Zurück geht diese Darstellung auf uralte Zeiten, in denen Löwe und Stier sich im ständiegn Wechsel gegenseitig besiegten. Es ist wohl an den sich immer wiederholenden Wechsel von Tag und Nacht zu denken.
Die Bedeutung dieser symbolischen Darstellung, die auf der Terrasse von Persepolis sehr häufig begegnet, ist noch nicht gesichert. Sie ist im Iran, seit dem 4. Jt. v.Chr. bekannt und scheint die Mächte von Tag und Nacht zu repräsentieren, die sich in ständigem Wechsel gegenseitig überwinden. Begrenzt werden auch diese Darstellungen von Lotosblüten, die zum Fuß der Treppen hin immer kleiner werden.
Auf dem linken Flügel der Treppenanlage sind Vertreter der Völker des Reiches wiedergegeben, die zu ihrem König kommen und ihm ihre besten Gaben bringen.
ABGESANDTE ALLER VÖLKER
Die Abgesandten aller Völker des persischen Großreichs ziehen in drei Registern übereinander auf den König zu, der sie in der Mitte der Treppenanlage erwartet.
ABGESANDTE ALLER LÄNDER
Jeder Besucher, der von dem ursprünglichen Eingang im Süden auf die Terrasse gestiegen war, schritt parallel zu den Abgeordneten der Völker auf den König zu.
Sie treten von der Südseite heran, auf der sich - wie bereits dargestellt - der ursprüngliche Eingang zur Terrasse zur Zeit des Dareios befand. Somit nehmen sie den Weg, den auch jeder Besucher entlangschritt. Dieser seinerseits fühlte sich somit eingereiht in den Strom der Völker, die alle hin zu ihrem König zogen, der sie in der Mitte der Anlage erwartete.
Die Bilder sind in drei Registern übereinander wiedergegeben und am Anfang und am Ende der Schräge der Treppen entsprechend angeordnet. Ein blühender Baum trennt jeweils die Abgesandten der einzelnen Völker.
EIN BLÜHENDER BAUM
Jede Delegation wird von einem Perser angeführt, der immer abwechselnd in das persische Hofegewand mit hoher Kappe, oft aus Federn bestehend, oder das iranische Reiterkostüm mit Hose und runder fellkappe gekleidet ist. Zu letzterem Gewand gehört das iranische Kurzschwert, das akinakes, der mit einem besonderen Gehänge am Gürtel und um den rechten Oberschenkel befestigt ist.
EIN PERSER FÜHRT DIE DELEGATION AN
Zu dem langen Faltengewand wird immer ein Dolch getragen, der vorn im Gürtel steckt. In der älteren Literatur wird in der Regel angenommen, daß diese beiden verschiedenen Trachten Perser - mit dem langen Gewand - und Meder - mit dem Reiterkostüm - unterscheiden sollten. Und das abwechselnde Auftreten beider deutlich mache, daß im Reiche des Dareios Perser und Meder gleichermaßen geachtet waren. Doch diese Ansicht kann nicht länger aufrechterhalten werden. Es hat vielmehr den Anschein, daß es sich bei allen diesen Personen nur um Perser handelt, die lediglich verschiedene Typen von Gewand tragen. Alle diejenigen, die arbeiten mußten, wie z.B. die Pferdeknechte (auf der rechten Seite der Treppen oben rechts), und fast alle Bediensteten tragen das Reiterkostüm.
Nicht alle diese Völker auf den Reliefs können mit Sicherheit identifitiert werden, da es keine Inschriften gibt. Bei ihrer Bestimmung können indessen die Reliefs auf dem Grab des Dareios in Naqsh-e Rostam helfen. Dort sind die Vertreter mit Beischriften versehen und jeweils in der für sie charakteristischen Tracht wiedergegeben. Doch sind einige sehr ähnlich gekleidet, so daß bis heute heftig um die Bestimmung einiger der Völker gestritten wird. das Schema zeigt die für den gegenwärtigen Zeitpunkt wahrscheinlichste Identifizierung. Wo alle diese Völker zuhause sind, ist der Karte mit den Provinzen des Reiches zu entnehmen.
VÖLKER ALLER LÄNDER
Die Abgeordneten der Völker des persischen Großreichs auf der Ostseite des Apadana. Die römischen Ziffern geben die in der Literatur übliche Anordnung wieder. Doch folgen die Darstellungen in waagerechter Anordnung der "Länderliste" des Dareios.
Die wichtigsten Völker des Reiches, die Meder und Elamer, stehen am Anfang der obersten Reihe, die Babylonier in der mittleren. Bedingt durch die Schräge der Treppen ist vor diesen allerdings noch ein kürzeres Feld, in das die Armenier eingefügt worden sind, obwohl sie eigentlich zu den Völkern der unteren Reihe gehören. Dort führen die Lyder als wichtigste und reichstes Volk des Westens die Abordnungen an.
Wenn wir uns nun diese Reliefs genauer ansehen und die feine Arbeit und genaue Wiedergabe aller Details bewundern, sollten wir immer bedenken, daß sie einstmals in leuchtenden Farben bemalt waren. Sie müssen mit ihrer Farbenpracht, die noch durch Goldauflagen auf den kostbaren Gefäßen, den Schmuckstücken usw. akzentuiert wurde, den Betrachter noch stärker beeindruckt, auch verwirrt und zu Staunen und tiefster Ehrfurcht ob der Machtfülle des "Königs der Könige" veranlaßt haben.
I. Die Meder
Die Meder waren von einem Perser im Faltengewand angeführt. Er hat die Hand des Leiters der Abordnung ergriffen.
Alle Delegationen haben einen eigenen Anführer, der mitunter auch bewaffnet oder ein wenig unterschiedlich von den anderen Teilnehmern seiner Gesandtschaft gekleidet ist. Er trägt niemals ein Geschenk. Die Meder sind mit dem iranischen Reiterkostüm mit Hosen bekleidet. Die drei letzten Vertreter bringen einen ganzen Satz dieses Kostüms als Geschenk. Dabei kann man deutlich die einzelnen Teile erkennen, die zu einem derartigen Anzug gehören: ein Obergewand mit langen Ärmeln, das bis zu den Knien reicht, ein mantel, der sog. kandys, dessen Ärmel so eng siond, daß man nicht hineinschlüpfen kann, und Hosen mit angearbeitetem Strumpfteil, wie man hier deutlich erkennen kann.
IRANISCHES REITERKOSTÜM
Die Meder bringen einen vollsträndiegen Satz eines iranischen Reiterkostüms herbei. Hier sieht man deutlich, daß dazu auch Strumpfhosen gehörten
Diese Gewandung wird von mehreren Völkerschaften (III, IV, IX, XI, XVI) getragen, während weitere ganz ähnlich bekleidet sind. Doch alle unterscheiden sich in ihrer Kopfbedeckung, auch wenn sie von selben Typ ist, der üblicherweise mit dem türkischen Wort baschlik bezeichnet wird. Möglicherweise war dieses die Kopfbedeckung, die die Griechen tiara nannten. Sie bedeckt den gesamten Kopf, reicht im Nacken weit herunter, und ihre Enden konnten über Mund und Nase gezogen werden. Diejenige der Meder bildet auf dem Kopf drei Buckel. Hinten fällt eine Spitze herab, die das schulterlange Haar bedeckt. Nur der Anführer der Delegation trägt die runde Kappe, die auch sonst auf den Reliefs von Persepolis mit dem Reiterkostüm verbunden ist; zudem hat er sein Kurzschwert (akinakes) umgegürtet. Ein solches bringen die Meder auch als Geschenk herbei, zusammen mit einem Henkelkrug, zwei Bechern und zwei Paar Armreifen. Bei dem Paar sind die Enden der Reifen nur in Konturlinien angegeben, während ihre Oberfläche aufgerauht ist. Dort waren vermutlich Tierköpfe in einem anderen Material, vermutlich Gold oder Silber oder auch Lapislazuli, befestigt. Die Formen aller Geschenke, die in Wirklichkeit wohl aus kostbarem Edelmetall bestanden, sind typisch achämenidisch. In der Bauinschrift von Susa spricht Dareios ja auch davon, daß die Goldschmiede, die an dem Palastbau mitwirkten, Meder gewesen seien.
II. Die Elamer
Die Elamer tragen das lange Faltengewand.
DIE ELAMER
Dieses war ursprünglich ein typisch elamisches Kleidungsstück, das dann von den Persern übernommen worden und zu ihrem Hofgewand gemacht worden ist. Der zweite Gabenbringer trägt deutlich zwei Dolche in der Form vor sich her, wie sie stets im Gürtel des Faltengewandes stecken. Um den Kopf tragen die Elamer ein Band, dessen Enden zu einem Knoten geschlungen sind und dann lose herabhängen. Darunter kommt das kurze lockige Haar hervor. Die Schuhe der Elamer mit den von kleinen Knöpfen zusammengehaltenen Spangen sehen den persischen Schuhen sehr ähnlich.
DIE ELAMER
Die Abordnung der Elamer briingt eine Löwin mitsamt zwei Jungen, die für den Jagdpark (Paradeisos) des Königs bestimmt waren
Doch sind es bei den Elamern immer kleine Stiefel, die bis zu den Knöcheln reichen. Daher sind es auch immer sechs Laschen statt drei bei den Persern. Außer den Dolchen in ihren Scheiden bringen sie noch Bogen, die in Entenköpfen enden. Auch diese benutzten die Perser sehr gern, wie man bei den Wachen auf den Reliefs sehen kann.
WACHSOLDAT
Wachsoldat vom Sockel des Dareios-Palastes. Während er mit beiden Händen die Lanze vor sich festhält, hat er noch einen Bogen mit Entenkopfenden über die linken Schulter gehängt und trägt auf dem Rücken einen Köcher. Bei diesem sind die überfallende Lasche mit dem Verschluß und das schöne Gehänge der Befestigung vom Schulterriemen genau wiedergegeben.
Die Löwin, die zu ihren beiden von zwei Männern getragenen Jungen zurückblickt, war wohl für den Jagdpark des Königs bestimmt. Einen solchen nannten die Perser "paradaisa" was einen eingezäunten Bezirk bezeichnet. Dieses Wort wurde von den Griechen als paradeisos übernommen, und dieses wiederum ist der Ursprung unseres Wortes "Paradies".
DIE LÖWIN BLICKT ZU IHREM JUNGEN ZURÜCK
IV. Die Parther
Sie lebten in der Gegend südöstlich des Kaspischen Meeres. Heute gehört das Gebiet teils zum Iran, teils zu Turkmenistan. Auch sie tragen das iranische Reiterkostüm, jedoch zusammen mit Stiefeln. Ihr Anführer hat seine Kandys (Mantel) um die Schultern gelegt. Die Köpfe der Parther sind ganz von dem Baschlik eingehüllt, wobei ein Ende auf den Rücken herabhängt. Sie bringen kostbare Becher, ein baktrisches Kamelmit zwei Höckern und ein Raubkatzenfell.
VII. Die Areier
Die Areier aus dem Osten des Großreiches, dem Gebiet um die heutige Stadt Herat in Afghanistan, tragen wiederum anders geformte Baschliks. Sie sind in drei lagen um ihren Kopf gefaltet und enden oben nahezu gerade mit nur einem kleinen, konischen Vorsprung. Die weiten Hosen sind seitlich gerafft und unter den Knien zusammengebunden. Dadurch bauschen sie sich über die kniehohen Stiefel, die leicht nach oben gebogene Spitzen haben. Ihre Geschenke entsprechen denen der Parther, doch zeigen die Becher eine andere Form.
X. Die Ägypter
Das auf die Abordnung der Areier folgende Feld ist stark zerstört, nur die Füße haben sich erhalten. Die Leute sind barfuß, und ihre Kleider enden unten in Fransen. Ein vergleichbares Gewand trägt der Ägypter auf dem Grab des Dareios, so daß damit diese Gesandtschaft als Ägypter bestimmt werden kann. Von ihren Geschenken erkennt man nur noch ein zusammengelegtes Tuch (eines ihrer Gewänder?) und die Füße eines Rindes.
XIII.Die Baktrier
Wie ihre Nachbarn, die Parther und Areier, bringen auch die Baktrier (aus dem heutigen Afghanistan) ein baktrisches Kamel und kostbare Schalen.
EIN BAKTRIER MIT SCHALEN
Persepolis Recreated
SCHALE DER BAKTRIER
Ihre Gewänder sind denen der Meder ähnlich, doch sind die Hosen weiter. Sie tragen keine Kopfbedeckung, sondern haben ihre Lockenbäusche mit einem feinen Tuch bedeckt und hochgebunden. Dies ist charakteristisch für die Baktrier und hilft, diese Abordnung zu bestimmen.
XVI. Die Sagartier
Ein weiteres Volk im iranischen Reiterkostüm folgt am Ende des obersten Registers. Einige Gabenträger sind wie die Meder gekleidet, andere wie die Armenier. Auch sie bringen ein vollständiges Reiterkostüm als Geschenk herbei und ein Pferd, dessen Mähne zwischen den Ohren zu einem Büschel zusammengebunden ist.
GESCHENK DER SAGARTIER
Auch der Schwanz ist nach oben gebunden. Beides ist charakteristisch für achämenidische Pferde. Dieses Volk repräsentiert möglicherweise die Sagartier, die im westlichen Teil Mediens lebten (heute im westlichen Iran an der Grenze zum Irak) und berühmt waren für ihre Spezialtruppen, die besonders gut mit dem Lasso umgehen konnten.
III. Die Armenier
Die mittlere Reihe beginnt in einem kleinen Feld mit den Armeniern. Sie sind wie die Meder gekleidet und tragen auch eine vergleichbare Kopfbedeckung. Doch haben sie ihre Wangenklappen hinter dem Kopf zusammengebunden. Sie bringen ein Pferd und eine sehr schöne Amphora mit Greifenhenkeln.
DIE ARMENIER
Sie bringen ein Pferd und eine sehr schöne Amphora
Der Ausguß führt durch den Körper des Fabeltieres zur Rechten. Es ist dies eine typische Form für achämenidische Gefäße.
In diesem Fall zeigt das entsprechende Relief an der nördlichen Trepppe ein unterschiedliches Bild: Dort ist kein Pferd abgebildet, sondern stattdessen sind vier Geschenkebringer wiedergegeben. Drei von ihnen tragen die Teile eines iranischen Reiterkostüms vor sich her, der vierte hält zwei Becher (der obere ist mit einem Steinflicken eingefügt) - eine recht nichtssagende Darstellung.
V. Die Babylonier
Das erste große Feld im mittleren Register wird von den Babyloniern eingenommen. Sie tragen konische Kappen, von denen ein langer Zipfel herabhängt. Als Mantel dient ihnen ein langes Tuch, das um ihre Körper gewickelt ist und dessen mit einer Quaste versehenes Ende über die rechte Schulter nach vorn hängt. Zwei von ihnen tragen in jeder Hand eine Schale, ein dritter bringt ein Tuch mit Netzwerk und Quasten an den Enden (ob es sich dabei um einen ihrer Umhänge handelt?.). Als weiteres Geschenk bringen sie ein Buckelrind herbei.
EIN BABYLONIER MIT GESCHENK
VIII. Die Syrer
Die Syrier tragen ein glattes Gewand, das mit einem um die Taille geschlungenen Tuch zusammengehalten wird. Ihre niedrigen Stiefelchen sind vorn vierfach mit einer doppelten Schleife verschlossen. Auch sie bringen kostbare Schalen. Der dritte Geschenketräger hält Tierfelle, die auffalllend platt und steif aussehen. Es wird sich um Bronze-Barren in Form von Tierhäuten handeln. Die syrischen Kupfer-Minen im Hauran waren berühmt. Offenbar bringen auch die Syrer eines ihrer heimischen Gewänder herbei. An den Ecken sind kleine Bleigewichte angenäht, die den korrekten Fall des Gewandes sichern sollten. Zwei prachtvolle Widder bilden den Abschluß.
DIE WIDDER DER SYRIER
Die Syrer bringen - neben anderen Geschenken - zwei prachtvolle Widder herbei. An ihnen kann man wieder einmal die exzellente Ausführung der Reliefs an der Ostseite des Apadana sehen.
XI. Die Skythen
Die folgende Abordnung fällt durch ihre ungewöhnlich hohen und spitzen Baschliks auf. Dieses Volk wurde deshalb von den Persern auch die "Saken mit den spitzen Mützen" genannt; saka war die persische Bezeichnung für die Skythen.
DIE SKYTHEN
Die "spitzmützigen Saken", die durch ihre auffallende Kopfbedeckung besonder smalerisch sind, wurden als Vertreter aller Skythenvölker abgebildet.Sie bringen, wie auch die Meder, Sagartier und Kappadokier, einen vollständigen Satz eines iranischen Reiterkostüms herbei. Hier sieht man deutlich, daß dazu auch Strumpfhosen gehörten.
Hier treten sie offenbar als Stellvertreter aller skythischen Völker auf, die weit verteilt in den Gebieten nördlich des Schwarzen Meeres bis hin nach Zentral-Asien wohnten. Dazu gehörten auch die "hauma-verzehrenden Sakas". Woraus der berauschende Haumatrunk gewonnen wurde, ist bis heute nicht sicher, vielleicht aus Fliegenpilzen; er spielte zu gewissen Zeiten eine bedeutende Rolle in der iranischen Religion. Die Mitglieder der skythischen Gesandtschaft tragen alle ihre Waffen: das typische kurze Schwert, den Akinakes, und der Anführer hat zudem den Gorytos, einen Köcher, der den Bogen mitsamt den Pfeilen enthielt, umgehängt. Sein oberes Ende wird von einem stilisierten Vogelkopf gebildet. Die Skythen bringen ein achämenidisch aufgeputztes Pferd, das um den Hals eine Glocke trägt, ein Paar Armreifen und ebenfalls ein vollständiges Reiterkostüm herbei.
XIV. Die Sattagydier und Gandarer
Diese beiden Völker sind hier vermutlich in einem Feld vereint, da sie sich in ihrem Äußeren nicht unterscheiden und auch benachbart wohnen, nämlich ganz im Osten, am Übergang des Berglandes hinunter in das Industal, im heutigen Pandjab. Sattagydien bedeutet "das Land der 100 Rinder". Sie traghen knielange, kurzärmelige Gewänder mit einem breiten, wulstigen Gürtel. Ein cape-artiger Umhang fällt weit im Rücken herab. Ihre Beine sind unbekleidet, doch tragen sie Sandalen. Als Geschenke bringen sie ein Buckelrind (was gut zu ihrem Landesnamen paßt), Speere und einen Rundschild.
XVII. Die Sogdierund Chorasmier
Auch hier sind zwei Völker die eng verwandt sind, im letzten Feld des mittleren Registers zusammengefaßt. Sie kommen von weit her, aus dem Nordosten des Reiches, der Gegend südlich vom Aral-Seeund zwischen den Flüssen Oxos (heute Amu-Darya) und Jaxartes (heute Syr-Darya), dem heutigen Usbekistanund Tadschikistan. Typisch für sie ist ein Baschlik, der über der Stirn einen runden Buckel aufweist. Das Obergewand führt in Kniehöhe schräg nach hinten. Die schmalen Gürtel werden vorn von einem Knebel zusammengehalten, der aus zwei aneinadergefügten Hirschfüßchen besteht. Sie bringen ein Kurzschwert (Akinakes) herbei, in derselben Form, wie sie selbst und die Skythen es tragen und wie es auch von den Medern überreicht wird. Weitere Geschenke sind ein Paar Armreifen, Streitäxte und wiederum ein Pferd.
VI. Die Lyder
Die untere Reihe beginnt rechts mit dem bedeutendsten Volk des Westens, den sagenhaft reichen Lydern, deren einstigerKönig Kroisos (bei uns meist Krösus) bis heute als Sinnbild eines unglaublich reichen Mannes gilt.
DIE LYDER
Die Lyder repräsentieren das reichste Volk des Westens. Sie kommen aus dem Land des sagenhaft reichen Königs Kroisos (Kösus). Zu ihren Geschenken gehören kostbare Gefäße aus Edelmetall
Ihre Hauptstadt war Sardes im westlichen Kleinasien. Sie tragen eigenartig gedrehte konische Kappen und haben einen kleinen Zopf hinter dem Ohr, der hilft, sie als Lyder zu identifizieren. Das kurzärmelige Gewand zeigt eine wellige Struktur, was darauf hinweisen mag, daß es aus Wolle gearbeitet ist. Darüber ist ein langes Tuch um den Körper geschlungen und sein Ende über die linke Schulter geworfen. Die Spitzen der niedrigen Stiefelchen sind leicht nach oben gebogen. Die kostbaren Amphoren, die sie als Geschenk herbeibringen, sind denjenigen der Armenier zu vergleichen, doch sind sie im unteren Teil mit Riefeln versehen. Derartige Stücke haben sich auch noch im Original erhalten. Zudem bringen die Lydier Schalen und ein besonders schönes Paar Armreifen, die in Greifen enden.
ARMREIFEN
Die oben offenen Armreifen, die die Lydier dem Großkönig als Geschenke bringen, enden in Greifen-Vorderteilen. Auffällig ist, daß die Armreifen ganz flach gehalten sind, während diejenigen anderer Abordnungen auf den Reliefs deutlich runder sind. Die flachen Armreifen waren offenbar eine lydische Eigenart. Sie zeigen im Schnitt ein C-Form. Der Hohlraum war mit Glaspaste gefüllt, die an der Oberseite einen farbigen Akzent setzte. Leider sind diese Einlagen nur in seltenen Fällen in Bruchstücken erhalten.
Es fällt auf, daß diese Armreifen ganz flach gehalten sind. Dies ist offenbar eine lydische Eigenart, denn man hat in der Nähe von Sardes in Gräbern vergleichbare Armreifen gefunden.
ARMREIFEN
Armreifen, die in Gräbern in der Satrapie Sardas gefunden worden sind. Sie zeigen sehr schön die farbige Wirkung des Zusammenspiels von Gold und Glas
Ein Paar Hengste mit schönem Zaumzeug zieht einen Wagen. Der Achsnagel ist sogar mit einer kleinen Figur geschmückt und gibt uns einen Eindruck wie reich der Wagen des Königs gewesen sein mag.
Achsnagel mit einer schwangeren Frau
Allein schon diese Geschenke zeigen, für wie reich dieses Volk gehalten wurde.
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