IX. Die Kappadokier
Die Kleidung der Kappadokier, aus dem zentralen Gebiet des heutigen Anatolien kommend, gleicht der der Armenier, die ihre Nachbarn waren. Zusätzlich tragen sie einen cape-artigen Umhang, der unterhalb der rechten Schulter mit einer phrygischen Fibel befestigt ist. Auch sie bringen ein Pferd und ein weiteres iranisches Reiterkostüm.
XII. Die Ioner
Die Gewänder der Ionier, von der Westküste Kleinasiens, gleichen denen der Lyder, deren südliche Nachbarn sie waren. Auch diese Kleider scheinen aus Wolle hergestellt zu sein, und Wollknäuel und fein gefaltete Stoffe gehören zu den Geschenken, die sie herbeibringen. Außerdem tragen sie kostbare Becher und Schalen.
WOLLKNÄUEL
Die Gesandtschaft der Ionier aus Kleinasien trägt Wollgewänder, deren schwer herabfallende Falten besonders beim Untergewand deutlich charakterisiert sind. Wolle bringen sie dem König auch als Geschenk. Man erkennt, wie das Material der Wollknäuel durch die eigene Schwere nach unten sinkt und somit eine unregelmäßige Rundung bildet.
XV. Die Drangianer und Arachosier
Da diese beiden Völker aus dem östlichenTeil des Reiches dieselbe Art Kleidung tragen, sind sie wiederum zusammen abgebildet. Die Pluderhosen sind sehr weit und hängen in schweren Falten herab. Die Becher und Schalen, die zwei Teilnehmer der Gesandtschaft tragen, sind von feinster Ausführung - ebenso wie ihre Ohrringe. Auch sie bringen ein baktrisches Kamel herbei.
DIE DRANGIANER UND ARACHOSIER
Bis in das kleinste Detail sind die Schalen und Becher ausgeführt, die die Drangianer und Arachosier herbeibringen. Besonders fein sind auch die Haare wiedergegeben sowie der Ohrschmuck, den die Männer tragen.
XVIII. Die Inder
Da sie aus den warmen Regionen im Industalkommen, gehen die Mitglieder dieser Gesandtschaft barfuß und haben nur einen Lendenschurz umgebunden. Lediglich der Anführer trägt Sandalen und hat ein Tuch umgehängt, wohl, um angemessen bekleidet vor den König zu treten. Der erste Gabenbringer hat einen Stab über seine Schulter gelegt, an dem zwei Körbchen hängen. In ihnen stecken jeweils zwei Beutelchen. Sie enthalten vielleicht den berühmten Goldstaub des Indus. Weiterhin werden ein Esel und doppelseitige Streitäxte gebracht.
DIE INDER
Dieser Teil, auf dem die meisten Reliefs mit den Völkern des Reiches angebracht sind, wird links von einem großen Feld mit einer Inschrift abgeschlossen. Sie ist von Xerxes verfasst. An dieser Stelle findet sich die altpersische Version, die nochmals auf der rechten Seite der Ost-Treppe angebracht, entsprechend zu der linken Inschrifttafel. Auf der Nordseite sind sie gar nicht zu finden. Der Anfang der Inschrift entspricht derjenigen aus dem Tor aller Länder; weiter heißt es dann:
Es kündet Xerxes, der Großkönig: Das, was von mir hier gebaut worden ist, und das, was von mir weiter entfernt gebaut worden ist, all das habe ich nach dem Willen Ahuramazdas gemacht. Mich möge Ahuramazda beschützen, zusammen mit den Göttern, und mein Reich und mein Werk!
Es fällt auf, daß Xexes in dieser Inschrift seinen Vater nicht als Erbauer des Apadana erwähnt, wohl aber auf den Fliesen, die die Ecktürme schmückten. Andererseits kann man ihn auch nicht der Lüge bezichtigen, da er sich ja gar nicht auf das Gebäude bezieht, an dem sich die Inschrift befindet. Er hat vielmehr eine sehr diplomatische Ausdrucksweise gewählt. Diese Tatsache könnte darauf hinweisen, daß die Inschrift erst angebracht worden ist, nachdem er die zentralen Mittel-Reliefs entfernt hatte, also zu einer Zeit, wo ihm nicht mehr besonders viel daran lag, die Taten seines Vaters so stark herauszustellen.
Hinter der Inschrift folgt wiederum eine Gruppe von Löwe und Stier. Über ihr und anschließend, dem Abfall der Treppen bis nach unten folgend, sind die restlichen Völker - in kleinerem Maßstab als die vorhergehenden - wiedergegeben.
XIX.Die Thraker
Die Thraker aus dem nördlichen Griechenland tragen leicht zugespitzte Baschliks mit Wangenklappen und bringen die für dieses Volk charakteristischen Schilde aus Weidengeflecht und ein Paar Lanzen zusammen mit einem gezäumten Pferd.
XX.Die Araber
Die Araber, von der arabischen Halbinsel kommend, haben nur leichte Tücher um ihre Körper geschlungen und tragen dazu Sandalen. Der untere Rand vom Gewand des Anführers ist bestickt. Es hat den Anschein, daß sie dem König ein schönes Beispiel ihrer Kleidung bringen und ein Dromedar.
XXI. Die Karer
Bei dem nächsten Volk handelt es sich um die Karer aus Kleinasien, denn ihre Mäntel sind denen der Lyder und Ioner vergleichbar. Allerdings tragen sie dazu Hosen. Sie bringen einen Rundschild mit Speer und ein Rind mit schön geschwungenen Hörnern.
XXII. Die Libyer
Typisch sind ihre Fransengewänder, die aussehen, als seien sie aus Fell gemacht. Die Libyer bringen eine Lanze, eine Ziege (oder Antilope?) mit herrlichen Hörnern und außerdem zwei Pferde, die einen Wagen ziehen.
XXIII: Die Äthiopier
Den Abschluß bilden die Äthiopier. Da sich hier die Treppe dem Boden zuneigt, sind die Figuren schon recht klein geraten. Deutlich sind das krause Haar und die negroiden Züge wiedergegeben. Sie bringen eine Schale mit Deckel, einen Elefantenzahn und ein Okapi.
DIE ÄTHIOPIER
DIE ÄTHIOPIER
Die Reliefs geben also die Völker des riesigen persischen Großreichs wieder, die zu ihrem König kommen, um ihm ihre Aufwartung zu machen und ihm ihre besten Gaben zu bringen. Im Gegensatz zu den Reliefs in assyrischen Palästen sind hier keine Schlachten oder Gefangene abgebildet, die gefesselt vor dem König auf den Boden gesunken sind. Hier wird vielmehr der Eindruck vermittelt, daß alle diese Völker freiwillig herbeikommen; einige von ihnen tragen sogar in Gegenwart des Königs ihre Waffen.
ÜBERBRINGUNG DER GABEN
PERSEPOLIS RECREATED
Die Reliefs auf der rechten Seite, im Rücken des Königs, bilden das Gegenstück zu diesen Darstellungen. Dort sind die Personen wiedergegeben, die die Macht des Königs stützen und ihm sozusagen "den Rücken freihalten". Auch dort sind die Reliefs auf drei Register verteilt. Fast die Hälfte von allen dreien wird im linken Teil, also dem Mittel-Relief mit dem thronenden König am nächsten, von den Wachen des Königs eingenommen. Es sind die berühmten "Apfel-Träger", so genannt, da ihre Lanzen in einem goldenen oder silbernen Granatapfel endeten.
DIE LEIBGARDE
Die Leibgarde steht auf den Reliefs im Rücken des Königs. Die Wachen tragen das lange Faltengewand, um den Kopf aber nur ein gedrehtes Band. Die Lanzen stellen sie vorsichtig auf ihren vorangestellten Fuß, damit der kleine Granatapfel am Ende, der aus Gold oder Silber gefertigt ist, keinen Schaden nimmt.
Um diesen kostbaren, kleinen Apfel nicht zu beschädigen, setzen sie die Lanzen auf ihren vorangestellten Fuß und nicht auf den Boden. Man hat angenommen, daß diese Wachen Elamer gewesen seien, da sie ebenso wie die elamische Delegation bekleidet sind und um ihren Kopf ein Band geschlungen haben. Doch im Unterschied zu dem der Elamer ist dieses Band gedreht und zeigt keinen Knoten am Hinterkopf. Einen noch deutlicheren Hinweis geben die Schuhe der Wachen, die denen der Perser mit nur drei Schnallen entsprechen, während die Elamer kleine Stiefelchen tragen. Wir kömnen also mit Sicherheit sagen, daß die Leibgarde aus Persern bestand. Der König hatte wohl kaum seine Sicherheit in die Hände von Elamern gegeben! Da die Wachen sich hier nicht im Kampf befinden, sondern den Herrscher bei einem friedlichen und festlichen Anlaß umgeben, tragen sie das Hofgewand.
Im rechten Teil des obersten Registers sind diejenigen wiedergegeben, die Sorge dafür tragen, daß der König sich angemessen frotbewegen kann, sei es zu Pferde oder mit dem Wagen. Sie sind alle mit dem iranischen Reiterkostüm bekleidet. Der vorderste Bedienstete trägt einen Stab, der sein Dienstabzeichen sein mag. Er wäre somit dem Hofmarschall untergeordnet, der ja auch einen entsprechenden Stab trägt. Ihm folgen vier Männer, die Peitschen und einen teppichartigen Gegenstand aufgerollt unter dem Arm tragen. Deutlich erkennt man die zackenartig abgestuften Borten, und diese sind charakteristisch für Satteldecken. Der letzte trägt noch zusätzlich einen Hocker, der dem König das Aufsitzen erleichtern sollte.
Anschließend ist ein weiterer Mann mit einem Stab wiedergegeben, vermutlich der Hofstallmeister. Er führt drei Diener an, von denen jeder ein Pferd am Zügel hält.
DIENER MIT PFERD
Ein Diener in iranischer Reitertracht bringt für den König ein Pferd herbei
Noch zur Zeit der Safaviden, also im 16./17. Jh., war es in Persien üblich, dem König immer drei Pferde vorzuführen, so daß er wählen konnte.
Auch die nachfolgende dritte Gruppe wird von einem Mann mit Stab angeführt, der sogar im langen Hofkleid auftritt. Ihm folgen zwei Pferdegespanne mit Wagen und Wagenlenkern. Der erste Wagen ist reich geschmückt, seine Wangen zeigen ein rautenförmiges Muster, das von Reihen schreitender Löwen gerahmt wird. Da dieses Löwen-Motiv stets mit dem König verbunden ist, wird es sich also auch hier um seinen Wagen handeln. Der zweite Wagen könnte dann für den Kronprinzen bestimmt gewesen sein. Bei beiden hängt an der Seite ein länglicher Gegenstand herab, wohl ein Köcher. Die Wagenräder sind rundherum mit Nägeln mit runden Köpfen beschlagen und haben zwölf spindelförmige Speichen. Der Achsnagel ist mit einer kleinen menschlichen Figur geschmückt.
Die beiden unteren Register sind in ihrem rechten Teil mit persischen Würdenträgern und Beamten gefüllt, die abwechselnd in das lange Hofgewand und das iranische Reiterkostüm mit den jeweils passenden Waffen gekleidet sind.
WÜRDENTRÄGER UND BEAMTE
Die langen Reihen der Würdenträger sind abwechselnd in das persische Hofgewand und das iranische Reiterkostüm gekleidet. Auch die zu der jeweiligen Bekleidung gehörigen Waffen sind in allen Details wiedergegeben. Die lange Reihung wird durch kleine Bewegungen belebt und variiert, iindem ein Adliger die Hand auf die Schulter des Vordermannes legt oder ein anderer sich umwendet.
WÜRDENTRÄGER
Durch die künstlerische Bearbeitung eines hochgestellten Persers von den Reliefs der Apadana-Treppen durch E. Khezree werden die Waffen, Gorytos (Bogenkasten) und Dolch, besonders deutlich. Die Rekonstruktion erinnnert daran, daß einstmals alle Reliefs in kräftigen Farben bemalt waren.
DER KÖNIG EMPFÄNGT DIE GABENBRINGER
Zudem sind sie reich geschmückt mit glatten oder gedrehten Halsketten, Ohrringen und Armreifen. Einige halten eine Blüte in der Hand, die manchmal noch eine nicht aufgeblühte runde Knospe ist. Hin und wieder blickt einer zurück und scheint mit seinem Nachbarn zu sprechen, oder es legt einer die Hand auf die Schulter des Vordermannes. Diese Gesten bringen etwas Leben in das Bild. Doch andererseits gewinnt man den Eindruck, daß diese statische Reihung durchaus gewollt ist. Die Sodaten, Würdenträger und Beamten sind gleichsam die festen Pfeiler, auf denen das Reich ruht; wie Säulen stützen sie das Staatsgebäude. Alle, die auf den Treppenreliefs wiedergegeben sind - die Völker auf der einen Seite, die Autoritäten, die für die Ordnung und das Recht zuständig sind, auf der anderen Seite und der König in der Mitte -, sind das Fundament des Achämenidenreichs, und dieses wird durch den Apadana repräsentiert, der somit ein "Staatsgebäude" im wahrsten Sinne des Wortes ist.
Die Reliefs auf der Nordseite des Apadana ließ Xerxes seitenverkehrt kopieren, als er den Eingang zu der Terrasse in den Nordwesten verlegte. Da sie nur geringe Abweichungen gegenüber ihren Vorbildern auf der Ostseite bringen, brauchen sie nicht gesondert beschrieben zu werden. Sie sind weniger sorgfältig ausgeführt und auch sehr viel schlechter erhalten.
Steht man vor der ehemaligen Hauptfassade des Dareios im Osten des Apadana, so sieht man zur Linken das sog. Tripylon liegen, das später beschrieben werden soll.
Wir setzen unseren Weg fort indem wir die Stufen des Apadana hinaufsteigen. Dabei werden wir an beiden Seiten von persischen Wachsoldaten begleitet, die auf den Treppengeländern abgebildet sind; den oberen Abschluß bilden vierfach gestufte Zinnen. Oben angekommen, befinden wir uns in der Ost-Portikus, die sich zwischen den beiden Ecktürmen erstreckt. Einstmals trugen 2 mal 6 Säulen ihr Dach. Sie waren die schönsten des gesamten Gebäudes.
DIE SÄULEN DES APADANA
Die schönsten Säulen in Persepolis finden sich in der Ost-Portikus des Apadana. Sie sind etwa 20 m hoch, aus nur wenigen Säulentrommeln zusammengefügt, und haben die schönsten Basen, die mit hängenden Lotusblüten und Palmetten geschmückt sind.
DAS APADANA
Persepolis Recreated
Die glockenförmigen Basen sind mit herabhängenden Lotosblüten geschmückt, zwischen denen Palmetten aufragen. Die Säulen waren fast 20 m hoch, sehr schlank und aus großen Trommeln zusammengesetzt, die bis zu 8 m hoch sind und nach oben hin kleiner werden. Die Säulen des Apadana zeigen die meisten Kanneluren, nämlich 48 und eine Säule sogar 52, während die anderen Gebäude auf der Terrasse mit sehr viel weniger auskommen müssen.
Die Kapitelle bestehen aus zwei Löwengreifen-Vorderkörpern, die in entgegengesetzter Richtung blicken, einstmals nach Süden und Norden.
LÖWENFGREIFEN-VORDERKÖRPER
Reste des am besten erhaltenen Löwengreifen-Kapitells aus der östlichen Vorhalle des Apadana sind wieder zusammengefügt worden. Da die Arbeiten bisher nicht beendet wurden, scheint der Löwengreif in einem Käfig zu sitzen. Deutlich erkannbar sind die fein geglätteten Partien mit Dübelloch, dei denen noch Hörner und Ohren angesetzt werden solten.
LÖWENGREIFEN-KAPITELLE
Persepolis Recreated
LÖWENGREIFEN-KAPITELL
Persepolis Recreated
Die Kapitelle bestehen aus zwei Löwengreifen-Vorderkörpern, die in entgegengesetzter Richtung blicken, einstmals nach Süden und Norden. Diese Art von Kapitellen findet sich nur in der Ost-Portikus des Apadana. Eindrucksvolle Teile von ihnen haben sich noch erhalten. Ihre Hörner waren gesondert eingesetzt, wie man noch an den sauber geschnittenen dreireckigen Löchern erkennen kann.
Die großen Balken der Decke dieser Vorhalle ruhten an der Innenseite auf den breiten Wänden des Gebäudes und führten dann über die Rücken der Tiere hinweg. Daraufgelegt wurde ein zweiter, noch dickerer Balken. Diese Konstruktion ist noch deutlich bei den Reliefs der Grabfassaden zu erkennen. Die nach außen sichtbaren Balkenköpfe werden wohl noch geschmückt gewesen sein, bemalt oder sogar mit Metallplatten bedeckt. Der Abstand zwischen den Säulen betrug 8,65 m, so daß die Balken über 20 m lange gewesen sein müssen. Vermutlich hatte Dareios diese Zedern aus dem Libanon-Gebirge bestellt, wie er es auch in seiner Bauinschrift aus Susa berichtet. Tatsächlich hat man auch bei den Ausgrabungen in Persepolis verbranntes Zedernholz gefunden. Auf diese großen tragenden Balken wurden dann im rechten Winkel kleinere gelegt, die über die Köpfe der Löwengreifen hinwegführten. Auf ihnen ruhte dann die Dachabdeckung. Die Decke, die Kapitelle und die Säulenbasen waren mit leuchtenden Farben bemalt. Die Löwengreifen ebenso wie die Stiere von den anderen Kapitellen, ein gut erhaltenes Beispiel liegt zwischen Apadana und "Unvollendetem Tor", ein anderes befindet sich heute im Hof des Museums in Persepolis hatten rote Augen, Zungen und Nasenlöcher, die Haarlocken waren blau bemalt und sollten wohl Lapislazuli imitieren, das bei besonders kostbaren Reliefs und Statuen für Haar und Bärte verwendet wurde. Fragmente von solchen Lapislazuli-Bärten und auch -Locken sind in Persepolis gefunden worden. Die Hufe der Tiere waren vermutlich vergoldet.
LOCKEN AUS LAPISLAZULI
Locken aus Lapislazuli, die einst an Skulpturen eingestzt waren. Oft wurden sie auch in der preiswerteren Fritte ("Ägyptisch Blau") nachgeahmt
STIER-KAPITELLE
Persepolis Recreated
Die Wände der großen Empfangshalle waren aus luftgetrockneten Ziegeln hergestellt und sind daher nicht mehr erhalten. Doch zeigen niedrige, wiederhergerichtete Lehmziegelmauern ihre einstige Stärke an: Sie waren 5,32 m dick und verputzt. Die Ecktürme und die Südseite waren mit glasierten Ziegeln geschmückt. Einige Ziegeln zeigen Reste einer Inschrift des Xerxes, die folgendermaßen rekonstruiert worden ist:
Es kündet Xerxes, der Großkönig: Nach dem Willen Ahuramazdas, baute und befahl König Dareios, mein Vater, viel Gutes. Nach dem Willen Ahuramazdas fügte ich zu dem Bau hinzu und baute weiteres. Mich möge Ahuramazda beschützen, zusammen mit den Göttern, und mein Königreich!
Die Wände der Vorhallen und die der Empfangshalle im Inneren werden mit Wandmalereien bedeckt gewesen sein, die in der elamischen und assyrischen Kunst schon eine lange Tradition besaßen. Von ihnen ist am Apadana - und auch sonst auf der Terrasse - leider nichts erhalten geblieben, da er durch ein heftiges Feuer zerstört worden ist. Dabei wird es sich um dasjenige handeln, das die Soldaten Alexanders d. Gr. im Jahre 331 v. Chr. angezündet hatten. Doch hat man kleine Fragmente von Wandmalereien beispielsweise in Pasargadae gefunden.
Ein Vergleich mit den anderen Gebäuden in Persepolis zeigt, daß die Wände von großen Fenstern durchbrochen waren, die Licht ins Innere fallen ließen. Im Südteil des Ost-Portikus sind Reste einer aus Lehmziegeln aufgemauerten Bank gefunden worden, die an den Wänden entlanglief und wohl für die gesamte Vorhalle zu ergänzen ist.
Der Eingang in die Empfangshalle war an der östlichen Seite 5,25 m weit, als fast so breit wie die Wände dick waren. Das bedeutet, daß der Durchgang zwischen Vorhalle und dem Säulensaal eine Fläche von 28 qm bildete. Sie war bedeckt mit dicken, quadratischen Platten aus dunklem Stein, die durch eine Lage Bitumen befestigt waren. Sie trugen ein Muster mit flachen Rosetten und Kreisen, so daß sie insgesamt wie ein Teppich wirkten. An der Innenseite konnte der Durchgang durch eine zweiflügelige Tür geschlossen werden. Die Türangelsteine, deren Vertiefungen von einem Blätterkranz umgeben sind, sind noch zu sehen. Die Mulden zeigen, daß die Türangeln einen Durchmesser von 21,5 cm hatten; und sie müssen aus Metall gewesen sein, um die schweren Türen zu halten. Man kann sich vorstellen, daß die Türflügel aus Holz und reich mit ornamentierten, vergoldeten Bronzeplatten besetzt waren. Zwei Stücke eines Bronzebandes mit Rosetten sind im Apadana gefunden worden, doch ist nicht sicher, daß sie zu einer Tür gehörten.
EINGANGSTÜR
Der Empfangssaal war quadratisch mit einer Seitenlänge von 60,50 m. Sechs mal sechs Reihen von Säulen trugen das Dach.
GRUNDRISS DES APADANA
Plan des Apadana-Gebäudes mit den Portiken im Osten, Westen und Norden
Ihre Basen waren nicht wie in der Vorhalle verziert, sondern bestanden aus zwei abgetreppten, quadratischen Plinthen, auf denen der runde Torus auflag. Doch waren die Säulen mit hohen Komposit-Kapitellen versehen, die aus einem Kranz herabhängender Blätter bestanden, aus denen Lotoskelche aufwuchsen. Darauf saßen dann zwei Reihen von Doppelvoluten, zwischen denen sich eine kannelierte, rechteckige Einheit befand. Oben auf diesen reich gegliederten Säulenspitzen saßen dann Stierkapitelle.
Wenn man die Empfangshalle durchschreitet, so findet sich auf der gegenüberliegenden Seite eine entsprechende Tür wie im Osten. Durch sie gelangt man in die West-Portikus. Sie befindet sich unmittelbar über der Terrassenmauer und gewährt einen herrlichen Blick in die Marvdasht-Ebene. Zu einem unbekannten Zeitpunkt ist die Terrasse hier etwas nach Westen erweitert, und zwei kleine Pavillons sind nach Norden und Süden hinzugefügt worden, von denen aber nichts mehr zu sehen ist. Lediglich Abdrücke im Fels zeigen, daß dort einstmals etwas gestanden hat. Die Säulen der West-Portikus sind ebenfalls fein geschmückt, jedoch nicht so ungewöhnlich wie die an der Ostseite. Sie sollten mehr auf die Ferne hin wirken. Die Basen tragen einen Kranz von großen, herabhängenden Blättern, die von gerundeten Wülsten eingefaßt sind. Die Mittelrippen sind scharf geschnitten, und im oberen Teil legen sich kleine Blätter über sie, deren Spitzen nach unten zeigen. Solche kleinen Blätter füllen auch die Lücken zwischen den großen Blättern im unteren Bereich der Basen. Ein Kranz von runden Blättern oder "Zungen" bildet den oberen Abschluß. Als Kapitelle dienten Stier-Vorderkörper.
In der Nord-Portikus, die erst von Xerxes später hinzugefügt worden ist, sind die Säulen aus verschiedenen Elementen zusammengefügt. Die Basen gleichen denen der West-Portikus, doch unterscheiden sie sich in der Ausarbeitung: Die Blätter sind weniger scharf geschnitten und ihre unteren Enden stärker gerundet. Die oberen Abschlüsse der Säulen ähneln denen des Innenraumes mit Komposit- und darauf Stier-Kapitellen. Durch diese Kombination mit der geschmückten Basis sind sie also die am üppigsten verzierten Säulen des gesamten Gebäudes. Vermutlich wollte Xerxes auf diese Weise seinen neugeschaffenen Zugang im Norden hervorheben.
Zwei Türen führen von der nördlichen Vorhalle in den Empfangssaal. Sie sind die einzigen, die steinerne Türschwellen besitzen, wohl ein weiterer Versuch des Xerxes, den neuen Haupteingang zu betonen. Auf der gegenüberliegenden Seite gelangt man durch zwei weitere Türen in Lagerräume, die auf der Südseite des Gebäudes eine entsprechende Fläche einnehmen wie die Portiken an den anderen drei Seiten. In diesen Lagerräumen sind große Mengen an Holzkohle gefunden worden. Offenbar waren dort hölzerne Materialien gelagert worden. Es könnte sich dabei um Möbel handeln, die bei großen Empfängen in der Halle benötigt und sonst in den Nebenräumen abgestellt wurden. Zwei Ausgänge führen von den Lagerräumen zum Palast-Bezirk des Xerxes. Sie mögen ein Hinweis darauf sein, daß die Ausgestaltung der südlichen Räume mit zu dem Bauprogramm des Xerxes gehörte.
Der Rundgang führt weiter durch die West-Portikus zum Palast des Dareios.
Die Treppe Artaxerxes' III. (Nr. 4.4 im Grundriss)
DIE TREPPE ARTAXERXES III
An der Westseite des Dareios-Palastes ist von Artaxerxes III. eine ebenfalls mit Reliefs geschmückte Treppenanlage angebaut worden. Offenbar hatte es an dieser Stelle auch schon unter Dareios d. Gr. einen Zugang zum Palast gegeben, wie die Tür-Reliefs mit den nach außen gerichteten Wachsoldaten zeigen können.
Wenn man von der West-Portikus des Apadana herkommt, so trifft man als erstes auf den westlichen Eingang des Dareois-Palastes. Die zweiflügelige Treppenanlage, die zu ihm hinaufführt, ist von Artaxerxes III. hinzugefügt worden, wie die Inschrift besagt, Diese späte Inschrift entspricht - mit Ausnahme der Zeilenteilung - drei Inschriften am Palast H, doch liegt hier, auf dem zentralen Feld der Treppenanlage, die am besten erhaltene Version vor.
INSCHRIFT AN DER TREPPENANLAGE VON ARTAXERXES III.
Altpersische Inschrift des Königs Artaxerxes III. an der Westseite des Dareios-Palastes. Die sauber gemeißelten Keilschriftzeichen lassen sich gut erkennen und lesen. Einzelstehende, von oben links nach unten rechts schräggestellte Zeichen geben jeweils as Ende eines Wortes an.
Der Große Gott ist Ahuramzda, der diese Erde geschaffen hat, der jenen Himmel geschaffen hat, der die Freude geschaffen hat für den Menschen, der mich, Artaxerxes, zum König gemacht hat, einen von vielen zum König, einen von vielen zum Herrscher.
Es kündet Artaxerxes, der Großkönig, König der Könige, König der Länder auf dieser Erde: Ich bin König Artaxerxes' Sohn, Artaxerxes (war) König Dareios' Sohn, Dareios (war) König Artaxerxes' Sohn, Artaxerxes (war) König Xerxes' Sohn, Xerxes (war) König Dareios' Sohn, Dareios war der Sohn eines Hystapses mit Namen , Hystapses (war) der Sohn eines Arsames mit Namen, ein Achämenide.
Es kündet Artaxerxes, der König: Diese steinere Treppenanlage wurde unter meiner Regierung gebaut.
Es kündet Artaxerxes, der König: Mich mögen Ahuramazda und Gott Mithra beschützen und dieses Land und was von mit getan wurde!
Durch die genaue Angabe seiner Genealogie können wir also sicher sein, um welchen der Könige mit dem Namen Artaxerxes es sich handelte. Auffallend ist, daß neben Ahuramazda auch der Gott Mithra genannt wird. Auch das deutetauf eine späte Entstehung der Inschrift hin, da dieser Gott, der für die Krieger zuständig war, sich im Laufe der Zeit aber auch zum Sonnengott und Herrn der Unterwelt entwickelte, von demPropheten Zarathustra heftig bekämpft worden ist. Die frühen Achämeniden-Könige hielten sich noch sehr eng an die vom Propheten verlündete Religion, die sich gegen Mithra richtete, erst soäter wurde dieser wieder offiziell anerkannt.
GRUNDRISS DER TREPPENANLAGE ARTAXERXES
Artaxerxes benutzte als Vorlage Motive der Reliefs mit den Gabenbringern von den Apadana-Treppen. Doch ist seine Treppenanlage sehr viel kleiner, entsprechend der Ausmaße des Dareios-Palastes, so daß er nur eine Auswahl dort anbringen konnte. Diese Reliefs sind auch ganz anders angeordnet: Sechs von ihnen finden sich in drei Registern zu beiden Seiten der mittleren Inschrift. Von der obersten Reihe haben sich nur die Füße und zwischen ihnen der Schwanz des geflügelten Ahuramazda-Symbols erhalten. Rechts und links des Mittelteils findet sich auch hier die vom Apadana her bekannte Stier-Löwe-Kampfgruppe. Über diesen steigen weitere Gabenbringer die Treppen empor.
GABENBRINGER
An der Treppe Artaxerxes III. sieht man deutlich, daß das Motiv der Gabenbringer nur noch als Versatzstück verwendet wird. Die einzelnen Abgeordneten kommen von allen Seiten herbei, und ihnen fehlt das zentrale Kernstück, nämlich der auf dem Thron sitzende und sie empfangende König. Auch ist die Wiedergabe der einzelnen Vertreter der Völker schon recht verschieden von der Apadana-Ost-Treppe, sowohl was die Sorgfalt der Ausführung betrifft wie auch das Aussehen der Kleidung und der Gaben. Hier könnte es sich um einen Sogder handeln, der kostbare Schalen herbeibringt.
Auf der Innenseite der Treppengeländer sind Diener wiedergegeben, die Speisen die Treppen hinauftragen. Ihre Vorbilder finden sich an der südlichen Treppenanlage des Dareios-Palastes.
Der Palast Dareios' d. Gr. (522 - 486 v. Chr.) (Nr. 4.5 im Grundriss)
EIN DIENER BRINGT SPEISEN
Ein Diener bringt auf der Innenseite der Treppe Artaxerxes III. Schalen mit Speisen herbei. Damit sie unterwegs nicht kalt werden und auch nichts Unreines mit ihnen in Berührung kommt, sind sie mit Deckeln versehen. Außerdem trägt der Diener einen Baschlik, mit dessen unteren Teilen er seinen Mund bedecken kann, so daß auf keinen Fall sein Atem auf die Speisen des Königs fällt.
GRUNDRISS DES DAREIOS-PALASTES
Plan des Grundrisses des König Dareios
DER PALAST DES DAREIOS
Die Südseite des Dareios-Palastes ist seine Hauptansichtsseite, die mit einer Portikus und Reliefs geschmückt ist. Von Süden her kamen ursprünglich auch alle Besucher auf die Terrasse, so daß ihr Blick von dieser Seite auf den Palast fiel. Die Lehmziegelwände und die Säulen sind verschwunden.
Um einen besseren Eindruck von diesem Palast zu erhalten, sollte man zunächst an der Treppe Artaxerxes III. vorbei auf den freien Platz vor dem Gebäude gehen und sich dann zu seiner Fassade hin umdrehen. Diese zeigt nach Süden, ist also auf den ursprünglichen Eingang zur Terrasse hin ausgerichtet. Alle umliegenden Gebäude, die jetzt den Dareios-Palast geradezu in einer Ecke der Terrasse verstecken, müssen wir uns wegdenken. Als Dareios seinen Palast errichten ließ, hatte der von Süden auf die Terrasse hinaufsteigende Besucher einen freien Blick auf die Fassade, die genau auf ihn hin ausgerichtet war. Um den Eindruck noch zu verstärken, wurde das Gebäude wie der Apadana auf einen Sockel gesetzt (2,5 m hoch). Im Vergleich zum Apadana erscheint der Palast zwar recht klein, doch hat er immerhin eine Grundfläche von 1160 qm. Wie die Fassade einstmals ausgesehen hat, kann man am Grab des König Dareios in Naqsh-e Rostam sehen. Der mittlere Teil des dortigen Reliefs gibt sie mit genau demselben Maßen wieder.
Die Frontseite des Sockels des Palastes zeigt Reihen von Wachsoldaten, auf jeder Seite des zentralen Feldes neun, die zur Mitte hin blicken. Sie alle tragen das Faltengewand mit den langen Ärmeln und auf den Köpfen Federkappen. Jeder hält mit beiden Händen eine Lanze fest, deren apfelförmige Knöpfe wiederum auf den vorangestellten Fuß gesetzt sind. Zusätzlich tragen sie einen Bogen über der linken Schulter und einen Köcher auf dem Rücken. Im Zentrum findet sich eine altpersische Inschrift, deren elamische Version auf einem Feld rechts, die babylonische links, jeweils im Rücken der Wachen wiedergegeben ist. Dieselben Inschriften wiederholen sich auf dem östlichen wie auch auf dem westlichen Pfeiler der Vorhalle. Sie lautet:
Der Große Gott ist Ahuramazda der diese Erde geschaffen hat, der jenen Hiommel geschaffen hat, der den Menschen geschaffen hat, der die Freude geschaffen hat für den Menschen, der Xerxes zum König gemacht hat, einen von vielen zum König, einen von vielen zum Herrscher.
Ich bin Xerxes, der Großkönig, König der Könige, König der Länder mit allen Arten von Menschen, König auf dieser großen Erde auch fernhin, König Dareios' Sohn, ein Achämenide.
Es kündet Xerxes. der Großkönig: Nach dem Willen Ahuramazdas wurde dieser Palast von König Dareios gebaut, der mein Vater war. Mich möge Ahuramazda beschützen zusammen mit den Göttern! Und was von mir gemacht wurde und was von meinem Vater Dareios, dem König, gemacht wurde, das auch möge Ahuramazda beschützen, zusammmen mit den Göttern!
Xerxes hat also die Inschriften hinzugefügt; er betont aber, daß sein Vater das Gebäude errichtet habe. Diese Formulierung unterscheidet sich von der auf den Ziegeln des Apadana, in der er berichtet, daß er das Werk seines Vaters weitergeführt habe, und auch von der Inschrift auf den Apadana-Treppen, in der er seinen Vater überhaupt nicht erwähnt. Aus der Inschrift am Palast geht in keiner Weise hervor, daß Xerxes etwas anderes als die Inschriften hinzugefügt hat.
Reste einer geflügelten Sonnenscheibe, die von männlichen Sphingenflankiert wurde, sind über der zentralen Inschrift erhalten (weiter große Blöcke befinden sich im National-Museum in Teheran). Diese Darstellung entspricht derjenigen über dem ursprünglichen Mittelrelief auf der Ostseite des Apadana. Die freihen Felder sind mit Reihen von Lotosblüten gefüllt. Zu beiden Seiten ist die übliche Stier-Löwe-Kampfgruppe wiedergegeben, die von Rosettenbändern gerahmt wird. Das obere abschließende Band führt schräg nach unten. Über ihm sind Treppenstufen angegeben, die mit der hinter dem Gelände liegenden realen Stufen übereinstimmen. An den Außen- und beiden Innenseiten der Treppen, die von rechts und links zur Vorhalle hinaufführen, zeigen die Reliefs Dienerfiguren, die zur Plattform hinaufsteigen.
DIENER AUF DER TREPPE
Ein Diener mit einem Weinschlauch auf der Schulter steigt zur Vorhalle des Dareios-Palastes hinauf. Auch er trägt den Baschlik, der den Kopf vollständig bedeckt und den man auch vor dem Mund ziehen kann. Der nachfolgende Diener trägt ein kleines Tier unter dem Arm, das recht lebendig aussieht. Es soll aber wohl deutlich machen, welche Art von Braten dem König aufgetischt wird.
Sie tragen immer abwechselnd das höfische Faltengewand und das iranische Reiterkostüm. Doch sind hier beide Arten der Bekleidung mit einem Baschlik kombiniert. Mit ihm konnten die bediensteten ihren Mund bedecken, so daß ihr Atem nicht das Essen berührte, das sie herbeibrachten. Sie tragen Deckelschalen, mit Wein gefüllte Tierbälge und Tiere, die noch ganz lebendig aussehen. Diese Art der Wiedergabe soll offenbar zeigen, welche verschiedene Arten von Braten dem König und seinen Gästen aufgetischt wurden. Ein Besucher, der zu der Vorhalle des Palastes hinaufsteigt, wird also an beiden Seiten von den Dienern begleitet und kann sich schon auf das bevorstehende Festmahl freuen.
Zwei Reihen mit je vier Säulen trugen das Dach der Portikus (Nr.1 im Grundriss). Die Steinpfeiler an beiden Seiten, die einstmals den Abschluß der an den Seiten vorgezogenen Wänden bildeten, tragen eine lange Inschrift, die mit derjenigen an der Treppenfront identisch ist. Die altpersische Version ist als oberste angebracht, die elamische in der Mitte und die babylonische zuunterst. Die Wände bestanden aus Lehmziegeln und sind vollständig veschwunden. An ihrer Basis hatten sie jedoch eine Steinreihe, von der noch Reste zu sehen sind. Gut erhalten sind dagegen die riesigen Steinblöcke der Tür- und Fensterrahmen mit ihren mit einem Blättergesims versehenen Türstürzen. Mitunter ist ein ganzes Fenster aus einem einzigen Steinblock gefertigt, und das bei einer Höhe wie auch Breite von 2,65 m und einer Tiefe von 1,70m; es wiegt etwa 18 Tonnen. Die Türrahmen sind aus drei Monolithen zusammengesetzt, eine vollständige Rahmung ist zusammen etwa 75 Tonnen schwer. Die Oberflächen dieser dunklen Steine sind sorgfältig poliert worden, so daß sie glänzten und fast schwarz erschienen. König Dareios muß sehr stolz auf diese Arbeiten gewesen sein, denn er ordnete an, daß Inschriften auf allen Nischen und Fenstern angebracht wurden. Insgesamt 18mal steht dort:
Rhamen aus Stein, gemacht für den Palast des Königs Dareios.
DER PALAST VON KÖNIG DAREIOS
Die alt-persische Version steht jeweils auf dem Sturz, die elamische läuft auf der linken Seite von unten nach oben und die babylonische auf der rechten nach unten. Die Innenseiten der Türgewände sind mit Reliefs geschmückt, die auf beiden Seiten einer Tür dieselbe Darstellung zeigen, aber spiegelbildlich wiedergegeben sind. Die Türen rechts und links in der Portikus müssen wohl zu Wachräumen geführt haben (Nr. 3 und 4 im Grundriss), denn dort sind jeweils zwei Wachsoldaten mit Lanzen dargestellt. Der vordere von ihnen hält einen hohen rechteckigen Schild, aus Schilfstangen zusammengefügt. Sie alle blicken in Richtung Vorhalle, so daß man den Eindruck gewinnt, daß sie den Haupteingang zum zentralen Saal des Palastes bewachen (Nr. 2 im Grundriss).
Tritt man in diesen Eingang, so kommt einem in den Türlaibungen zu beiden Seiten der König entgegen, der gerade im Begriff ist, das Gebäude zu verlassen. Er trägt eine hohe Zinnenkrone. Seitliche Schlitze, winzige, rechteckige Löcher und die rauhe Oberfläche zeigen deutlich, daß sie einst mit Metall, vermutlich einer Goldfolie, bedeckt war. Kleine Löcher im Nacken des Herrschers und auf seiner Brust sowie zu beiden Seiten der Handgelenke dienten zur Befestigung eines Halsbandes und von Armreifen. Zwei Bedienstete - in sehr viel kleinerem Format - folgten ihrem Herrn. Der eine ist bärtig und hält einen Sonnenschirm über den Kopf des Königs, damit er beim Verlassen des Gebäudes vor der Sonne geschützt ist. Der zweite, bartlos, schwingt einen Fliegenwedel und trägt ein Handtuch über dem Arm.
Über diesen Reliefs in der Haupttür finden sich auf beiden Seiten Inschriften. Die altpersische Version ist der Portikus am nächsten, so daß ein Eintretender sie zuerst lesen konnte. Dann folgen die elamische und als letzte die babylonische Fassung. Die Inschriften besagen:
Dareios, der Großkönig, König der Könige, König der Länder, des Hystaspes Sohn, ein Achämenide, der diesen Palast gebaut hat.
Es handelt sich also offenbar um das Bild des Königs Dareios. Übrigens war es diese Inschrift, mit deren Hilfe es G.F. Grotefend gelang, die ersten Zeichen der altpersischen Keilschrift zu entziffern.
Eine zweite dreisprachige Inschrift war in die Falten des königlichen Gewandes auf dem westlichen Türgewände gemeißelt:
Dareios, der Großkönig, des Hystaspes Sohn, ein Achämenide.
Leider ist sie bei einem Versuch, sie zu entfernen, stark beschädigt worden. Auf den entsprechenden Falten des östlichen Türgewände hat der Ausgräber E. Herzfeld Spuren einer anderen Inschrift in Alt-persisch und Elamisch gefunden, bei denen er erstaunlicherweise den Namen des Xerxes gelesen hat:
Xerxes, Sohn des Königs Dareios, ein Achämenide.
Wenn diese Ergänzung richtig ist, müßte die Inschrift zu einer Zeit verfaßt sein, als Xerxes noch Kronprinz war, denn er trägt keinen königlichen Titel. Das könnte bedeuten, daß die Reliefs im Dareios-Palast bereits vollendet waren, ehe Xerxes zum Nachfoger ernannt wurde. Nach seiner Erwähnung wurde eines der beiden Bilder des Königs Dareios mit dem Namen des Kronprinzen versehen. das zentrale Apadana-Relief müßte dann erst später geschaffen worden sein, denn dort steht Xerxes bereits als Kronprinz hinter seinem Vater.
Im zentralen Raum des Palastes (Nr. 2 im Grundriss) standen einst 3 mal 4 Säulen, die jetzt verschwunden sind. Zwei Türen führten nach Norden in zwei Räume mit jeweils 4 Säulen (Nr. 5 und 6 im Grundriss). Die Dekoration der beiden Türlaibungen ist gleich. Wiederum tritt einem der König entgegen.
DER KÖNIG TRITT EINEM ENTGEGEN IN DER TÜRLAIBUNG
Duie beiden von Norden in den zentralen Raum des Dareios-Palastes führenden Türen zeigen in den Gewänden den König mit zwei Dienern. Hier kann man deutlich die Einlaßspuren für die Verkleidung der Krone und zum Befestigen von Hals- und Armreifen erkennnen. Das tief eingeschnittene Dreieck am Kinn wird mit einem Bart in Lapislazuli gefüllt gewesen sein.
Auch hier waren Goldblech auf den Kronen sowie Halsbänder und Armreifen befestigt. Eine dreieckige Eintiefung unter dem Kinn zeigt, daß der Bart des Königs in anderem Material eingelegt war, vermutlich in Lapislazuli. Dieses ist oft für Bärte verwendet worden, und viele Stücke von Bartlocken sind auch auf der Terrasse von Persepolis gefunden worden.
Betrachtet man das Gewand des Königs in der westlichen Tür genauer, so entdeckt man eingravierte konzentrische Kreise mit Blüten und Borten mit schreitenden Löwen. Diese waren Vorzeichnungen für die Maler. Sie geben uns einen Eindruck von den reich bestickten Gewändern des Königs.
GEWAND DES KÖNIGS
Aufgrund der Vorzeichnungen, die sich auf mehreren Reliefs, auch im Palast von Xerxes und im sog. Harem finden, konnte das königliche Gewand rekonstruiert werden. Es bestand aus zwei verschiedenen Stoffen mit Mustern für den oberen Teil, während der untere einfarbig war. Alle werden von Löwen-Borten eingefaßt (Teichnung G. Tilia)
Dieselben beiden Diener wie im Haupteingang folgen auch hier dem König. Doch da er sich hier noch im Gebäude befindet, benötigt er keinen Sonnenschirm. Deshalb legt der bärtige Diener einfach eine Hand über die andere. Diese Haltung nehmen alle Bediensteten in Gegenwart des Königs ein, wenn sie die Hände frei haben.
Der nord-östliche Raum hat fünf Nebengelasse (Nr. 7 bis 11 im Grundriss). von denen drei direkt von diesem Raum aus zugänglich waren. Eine Tür im Westen und eine im Osten liegen auf derselben Achse. Ihre Reliefs entsprechen nicht, wie sonst immer, dem gegenüberliegenden Gewände derselben Tür, sondern dem entsprechenden der gegenüberliegenden Tür. Die südlichen Türgewände bei beiden, der westlichen wie der östlichen Tür, zeigen einen Diener mit einer Parfümflasche (alabastron)und einem Handtuch, der aus dem kleinen Seitenraum herauszukommen scheint. Auf beiden nördlichen Türgewänden - parallel zu ihm - erscheint ein Diener mit Weihrauchgefäß (thymiaterion) und einem Eimerchen, in dem sich vermutlich Holzkohle befand.
DIENER MIT EIMERCHEN
Diener mit Weihrauchständer und Eimerchen aus dem Nordteil des Dareios-Palastes
Die beiden Türgewände einer dritten Tür, die von einem kleinen Raum im Süden (Nr. 7 im Grundriss) in dasselbe Zimmer führt, vereinen die beiden Diener mit denselben Attributen. Dieselben beiden Bediensteten sind auch auf einer Nebentür im nord-westlichen Raum (Nr. 5 im Grundriss) wiedergegeben, der nur zwei kleine Nebengelasse besitzt. Alle diese Räume im nördlichen Teil des Gebäudes sind sehr schlecht erhalten und in der Regel heutzutage vom Besucher nicht zu betreten; denn dort sind noch Reste des Originalfußbodens bewahrt, die geschont werden müssen. Der typische achämenidische Bodenbelag besteht aus einem roten Putz, der aus Kalksteinkörnern und Kalk zusammengesetzt und mit einer roten Ocker-Oberfläche versehen ist. Wenn diese poliert wurde, erhielt der Boden eine glänzende, dunkelrote Oberfläche. Wie solch ein Fußboden einstmals ausgesehen haben wird, kann man an der Rekonstruktion im Museum sehen.
Von der zentralen Halle aus führen je eine Tür nach Westen und Osten in weitere Nebenräume (Nr. 12 und 13 im Grundriss). Ihre Gewände sind mit Reliefs geschmückt, die jeweils einen köglichen Helden im Kampf mit einem wilden Tier zeigen. Vielleicht sollte man darin den symbolischen Sieg des Guten über das Böse erkennen. Der Kämpfer trägt ein achämenidisches Hofgewand, doch um sich freier bewegen zu können, hat er die weiten Ärmel aufgefaltet und über die Schulter gelegt. Den langen Rock hat er aufgenommen und in den Gürtel geklemmt. Er packt das Tier an der Stirnlocke oder den Hörnern uns stößt einen Dolch in seinen Körper. Auch hier sind die beiden Türgewände einer Tür spiegelbildlich wiedergegeben, so daß der Held auf einer Seite immer als Linkshänder erscheint. Die östliche Tür zeigt einen sich aufrichteneden Löwen, die westliche einen Löwengreifen mit Skorpionschwanz. Die Türen führen sowohl im Westen wie im Osten in zwei Nebenräume, die durch eine weitere steinerne Tür miteinander verbunden sind. Die Reliefs dieser Türen sind auf beiden Seiten gleich: ein Held, der mit einem Arm einen jungen Löwen würgt und in der anderen einen Dolch hält befindet sich in Teheran im Museum.
HELD MIT JUNGEM LÖWEN
Ein königlicher Held würgt einen jungen Löwen. Relief aus der Tür eines Seitenraumes im Dareios-Palast
Auf der westlichen Seite des Hauptraumes gibt es noch eine weitere Tür, die zu dem Seitenausgang führt (Nr. 14 im Grundriss). Auf ihren Reliefs kämpft ein Held mit einem Stier. Doch in diesem Fall blickt er nach außen, zu dem westlichen Zugang hin, der seinerseits von zwei Soldaten auf jeder Seite bewacht wird. Sie gleichen denjenigen in den Seitentüren der Portikus. Die Ausrichtung dieser Türreliefs belegt, daß es an dieser Stelle schon zu Zeiten des Dareios einen Zugang gegeben haben muß, obwohl die dort erhaltene Treppe erst von Artaxerxes III. stammt.
Mit diesen Reliefs in seinem Palast, den Friesen der Apadana-Treppen und den Reliefs an seinem Grab hat Dareios d. Gr. ein Bildprogramm geschaffen, das dann von seinen Nachfolgern wieder und wieder kopiert worden ist. Bei allen anderen Gebäuden auf der Terrasse finden sich dieselben Motive wieder, und zwar mit nur sehr wenigen Veränderungen.
Die Reliefs im Dareios-Palast zeigen, daß das Gebäude nicht in eine private und intime Sphäre gehört; in diesem Palast wird Dareios nicht ständig gewohnt haben. Die Reliefs sind vielmehr auf Besucher ausgerichtet, die das Gebäude durch den Haupteingang betraten und sich dann im Hauptraum aufhielten. Das Bildprogramm ist nur dann sinnvoll, wenn es tatsächlich Besuchern erlaubt war, das Innere zu betreten. Man gewinnt somit den Eindruck, daß es sich bei dem Palast um ein öffentliches Gebäude handelte, vielleicht den Dienstsitz des Königs, von dem er das ganze Reich regierte. Die beiden Gruppen von kleinen Räumen im nördlichen Teil werden allerdings mehr privaten Charakter gehabt haben; möglicherweise konnte sich der König hierher zurückziehen, und nur wenige Personen werden Zutritt gehabt haben.
Nach dem Plan des Dareios war die Terrasse von Persepolis das Verwaltungszentrum des Reiches und nur mit offiziellen Gebäuden versehen. Seinen eigenen Wohnpalast und den Aufenthaltsort seiner Familie müssen wir wohl eher am Fuße der Terrasse in der Ebene suchen.
Im Dareios-Palast findet sich eine ganze Reihe an weiteren Inschriften aus späterer Zeit, von denen mehrere historische Bedeutung haben. Beispielsweise erinnert eine Inschrift aus dem Jahre 311 n. Chr., in Pahlavi (Mittel-Persisch) auf das Gewände der zum Hauptraum führenden Tür geschrieben (Nr. 2 im Grundriss), an den Besuch eines Skythen-Königs, der dort ein Picknick veranstaltet hat. In ihr wird ganz Persepolis als satstmny, die "Hundert-Säulige" bezeichnet, und der Skythen-König segnet den Erbauer dieses Palastes. Genau gegenüber der Haupteingangstür ist in einer Nische eine Inschrift in neupersischer Sprache und sehr schöner Ausführung (in "Nasta'liq") angebracht; sie stammt aus der Kadjarenzeit (19. Jh.) und berichtet von einem Besuch Nasirad-Din Shahszusammen mit einem Prinzen. Sie seien mehrere Nächte dort geblieben und der Herrscher habe befohlen, die Wände um die Nische herum freizulegen, woran sich der Prinz eigenhändig beteiligt habe. In gleicher Weise habe Nasir ad-Din Shah im ganzen Lande Ordnung geschaffen. Amüsant ist, daß der Shah das Attribut erhält "einer, der viel Geld hat".
Der Palast Artaxerxes I. (465 - 425/24 v. Chr.) (Nr. 4.6 im Grundriss)
Einige sehr geringe Reste eines weiteren Palastes finden sich südlich genau gegenüber dem Dareios-Palast. Er war offensichtlich als Gegenstück zu diesem gebaut und stand ebenfalls auf einem hohen Sockel. Ein Hügel mit einigen Relief-Fragmenten gibt die Stelle an, an der sich das Gebäude einst erhob. Im westlichen Teil sind noch Reste einer nach Norden führenden Treppe sichtbar. Die ebenfalls nach Norden gerichtete Fassade, die dem Dareios-Palast zugekehrt ist, zeigt dreimal dieselbe Inschrift, aber nur auf Alt-Persisch.
GRUNDRISS DES PALASTES VON ARTAXERXES I.
FRAGMENTE EINER GROSSEN TREPPENANLAGE
Im Palast Artaxerxes I. wiederverwendete Fragmemnte einer großen Treppenanlage. Im Hintergrund die unteren Teile der Fassade des Dareios-Palastes
Sie entspricht derjenigen an der westlichen Treppenanlage des Dareios-Palastes. In ihr sagt Artaxerxes III. (359/58 - 338/37 v. Chr.) ausdrücklich, daß sie von ihm errichet worden sei. Geschmückt ist sie mit ungewöhnlich langen Reihen von Wachsoldaten, 16 auf jeder Seite; im Unterschied zu allen übrigen Treppenanlagen führen die Stufen nicht hinter der Fassade und parallel zu ihr hinauf, sondern sie laufen unsymmetrisch nur an der westlichen Seite von Norden gerade auf das Podium hinauf. Sie werden begleitet von Reliefs mit gabenbringenden Völkern und Dienern, die denen an der Treppenanlage von Artaxerxes III,. auf der Westseite des Dareios-Palastes vergleichbar sind.
Doch sind hier die Motive miteinander vermischt, und die Blöcke stehen in keiner festen Verbindung mit der Fassade. Sie befinden sich offenbar nicht mehr in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung. Andere Teile liegen vor und hinter der Fassade des Palastes Artaxerxes III. Bei einer gründlichen Untersuchung konnte das Ehepaar Tilia feststellen, daß für dieses Gebäude Teile von zwei verschiedenen Treppenanlagen wiederverwendet worden sind. Etwa 90 Stücke gehören zu einer Treppe aus schwarzem Stein, deren ursprüngliches Aussehen sich noch rekonstruieren ließ.
TEILE EINER TREPPENANLAGE
Gabenbringende Völker von der Treppenanalge Artaxerxes I. Hier sind die spitzmützigen Saken (Skythen) zu sehen, die sogar zwei Sätze des iranischen Reiterkostüms und ein Pferd herbeibringen. Ihre Mützen sind allerdings schon weit niedriger als auf den Apadana-Reliefs. Auch die Syrer gehören zu der Treppe Artaxerxes I. Die Proportionen der Figuren und insbesondere die Ausführung der Widder läßt jedoch einen großen Unterschied zu den ursprünglichen Reliefs am Apadana erkennen.
Einige geringe Reste an Inschriften belegen, daß diese Treppe von Artaxerxes I. (465 - 425/24 BC) stammte. A. B. Tilia nimmt daher an, daß an dieser Stelle ursprünglich der Palast Artaxerxes I. gestanden hat. Bei Ausgrabungen ließ sich feststellen, daß dieses Gebäude durch ein heftiges Feuer zerstört worden ist; in nach-achämenidischer Zeit wurde es an derselben Stelle notdürftig repariert und wieder bewohnt. Dazu wurden offenbar die besser erhaltenen Blöcke der Treppenanlage des früheren Palastes wiederverwendet. Um jedoch das Aussehen der Fassade noch zu verbessern, brachten die späteren Bewohner außerdem die zentralen Teile einer weiteren Treppenanlage herbei, nämlich die vom Palast Artaxerxes III.
Wenn diese Annahme zutreffend ist, dürfte auch die in besonderer Weise ausgeführte Süd-West-Ecke der Terrasse zu dem Palast Artaxerxes I. gehört haben. Dort konnte aus über 100 Stücken, die herabgefallen waren und sich unten am Fuße der Terrassenmauer fanden, ein Geländer in einmaliger Form rekonstruiert werden.
GELÄNDER IN EINMALIGER FORM
Auf der Süd-West-Ecke der Terrassenmauer findet sich eine eigenartige Abgrenzung aus Blöcken, die wie große Hörner gestaltet sind. Zudem ist die Seite, die von der Terrasse weg nach außen zeigt, mit eingetieften Mustern verziert. Bisher ist nicht geklärt, was diese besondere Abschrankung zu bedeuten hat und wann sie angebracht worden ist.
Höhere und niedrigere Elemente, die zur Ebene hin mit eingetieften Mustern verziert sind, wechseln sich ab und sind durch noch niedrigere Teile miteinander verbunden. Bekrönt werden sie von halbkegeligen Gebilden, die wie Hörner wirken.
Der Palast des Xerxes (486 - 465 v. Chr.) (Nr. 4.7 im Grundriss)
PALAST DES XERXES
PALAST DES XERXES
Blick von Nord-Osten auf den Xerxes-Palast. Im Hintergrund sieht man hinab in die Marvdasht-Ebene
Südöstlich vom Dareios-Palast, im rechten Winkel an ihn anschließend, liegt der Palast des Xerxes. Er ist aus mehreren Gebäuden zusammengesetzt, die sich auf unterschiedlichem Niveau befinden. Für diese große Anlage benötigtze der Erbauer so viel Platz, daß er gewaltige Veränderungen auf der gesamten Terrasse vornehmen ließ. Der Haupteingang von Süden, der zur Planung des Dareios gehört hatte, wurde vollständig zugesetzt; dafür wurde der neue Eingang mit der großen Treppenanlage im Nordwesten geschaffen, auf dem die Besucher noch heute die Terrasse betreten. Wahrscheinlich ist im Zuge dieser Maßnahmen auch das prunkvolle und monumentale "Tor aller Länder" von seinem ursprünglichen Platz im Süden an die heutige Stelle versetzt worden.
Von dem Hof südlich des Dareios-Palastes führt eine doppelläufige Treppe zum Palastbezirk des Xerxes empor, und zwar zu dem im Norden liegenden Hof.
DOPPELLÄUFIGE TREPPE
Mittelteil der Treppenanlage, die vom Hof vor dem Dareios-Palast nach Osten hin zum Xerxes-Palast hinaufführt. Auch hier rahmten Wachsoldaten eine Inschrift. Darüber schwebt das Symbol des Gottes Ahuramazda, der den "Ring der Herrschaft" hält. Flankiert wird er von männlichen Sphingen und Lotusblüten
Sie ist derjenigen des Dareios-Palastes vergleichbar und ebenfalls mit Inschriften des Xerxes in entsprechender Anordnung versehen. Der Wortlaut ist gleich, doch hier betont er:
Diesen Palast habe ich gebaut.
Die Anzahl der Wachen ist auf fünf auf jeder Seite reduziert. Über dem zentralen Inschriftfeld ist das Symbol des Gottes Auhuramzda, der den "Ring der Herrschaft"hält, wiedergegeben.
An der Nord-West-Ecke des eigentlichen Xerxes-Palastes führt eine zusätzlich kleine Treppe hinauf, die aus wiederverwendeten, mit Reliefs versehenenen Blöcken zusammengestellt ist. Sie wird im Zusammenmhang stehen mit dem nach-achämenidischen Gebäude an der Stelle von Palast Artaxerxes I., also nicht zur ursprünglichen Planung gehören.
Die Haupttreppe führte oben zu einem Tor, durch das man in einen offenen Hof trat. Dieses war offensichtlich rechts und links von Tierskulpturen flankiert, wie eingetiefte rechteckige Felder an den Ecken der steinernen Türschwelle vermuten lassen. Zu beiden Seiten des Hofes befanden sich Gebäude, und auf der gegenüberliegenden Seite erhob sich ein monumentales Eingangstor. Das nördliche Gebäude war Palast G. Dasjenige im Süden öffnet sich mit einer weiten Portikus mit zwei Reihen von je sechs Säulen zum Hof hin. Die Anten der seitlich vorgezogenen Mauern tragen dieselbe Inschrift wie die Treppen. Zudem finden sich weitere gleichlautende dreisprachige Inschriften :Xerxes, der Großkönig, König der Könige, König Dareios' Sohn, ein Achämenide an vielen Stellen des Gebäudes. Sie sind auf Tür- und Fensterrahmen über den Reliefs zu sehen, die den König mit seinen Dienern zeigen, und sogar auf den Falten des königlichen Gewandes. Steinbänke liefen an den Wänden der Portikus entlang. 36 Säulen trugen das Dach der Haupthalle. Sie alle sind verschwunden, lediglicxh die Auflager für ihre Basen, die in den anstehenden Fels getieft sind, sind noch zu sehen. Doch sind auf dem niedrigeren Niveau südlich des Palastes, den des sog. Harems-Gebäudes nahezu 100 Fragmente von steinernen Säulenbasen (Tori) gefunden worden, die einstmals zu diesem Gebäude gehört haben müssen. Die meisten von ihnen sind mit Inschriften versehen, oben Altpersisch, in der Mitte Elamisch und unten Babylonisch. Einige wenige tragen nur die alt-persische Version:
Ich, Xerxes, der Großkönig, König der Könige, König der Länder, König dieser Erde, König Dareios' Sohn, ein Achämenide.
Es kündet Xerxes, der König: Diesen Palast habe ich gebaut.
Auch Reste von Säulenschäften und Stierkapitellen die ebenfalls zu diesem Bau gehört haben werden, wurden auf dem niedrigeren Niveau des sog. Harems-Gebäudes gefunden.
Rechts und links der Haupthalle sind zwei Räume, die einstmals je vier Säulem hatten. Sie hatten vielleicht eine vergleichbare Funktion wie die Gemächer im nördlichen Teil des Dareios-Palastes. Auch sie haben zu beiden Seiten noch schmalere Zimmer. Die Gewände der vier Türen der zentralen Halle sind mit dem Bild des Königs und seinen zwei Dienern geschmückt. Die Darstellungen sind von denjenigen des Dareios-Palastes kopiert. Kleine Löcher zeigen, daß auch hier Schmuck befestigt war. Seltsam ist, daß im Xerxes-Palast der König in den beiden Seitentüren mit Sonnenschirm wiedergegeben ist, obwohl er doch nur die innere, gedeckte Halle des Palastes betritt und ihn nicht verläßt und ins Freie geht. Im Eifer der großangelegten Bautätigkeiten und des Kopierens ist auf diese Feinheiten, die bei den Vorbildern berücksichtigt worden sind, nicht mehr geachtet worden. Daß die Reliefs sogar ohne genauere Überlegungen aus dem Zusammenhang mit dem Bau und seinen Funktionen gerissen worden sind, zeigen die Fenster. Sie sind alle mit Reliefs von Dienern versehen, die auf Türgewänden, nicht jedoch in Fenstern sinnvoll sind.- Diese Diener tragen sowohl die aus dem Dareios-Palast bekannten Parfumflaschen und Weihrauchgefäße, sie bringen aber, wie auf den Darstellungen der Treppen, auch Weinschläuche und Tiere herbei.
DIENER MIT WEINSCHLÄUCHEN UND TIEREN
Beim Xerxes-Palast finden sich Reliefs mit Dienerfiguren, die Essen herbeibringen, sogar in den Fensterrahmen. Hier sind sie also nur als Schmuckelemente verwendet worden und stehen in keinerlei funktionellen Zusammenhang mit dem Gebäude mehr.
Kleine Löcher in den Fensterbänken und-stürzen zeigen, daß die Fenster einst mit Klappen zu verschließen waren.
Die zentreale Tür der südlichen Wand ist gänzlich verschwunden. Durch sie gelangte man auf einen Balkon, der sich 9,35 m über dem Nieveau der sog. Haremsbauten befand. An seinem östlichen und westlichen Ende führten Treppen hinunter. Steht man auf diesem Balkon, so hat man einen guten Überblick über die 19 mehr oder weniger gleichgroßen Räume mit je vier Säulen; nur zwei sind hervorgehoben, indem sie sechs Säulen hatten. Drei zusätzliche Räume liegen im Süden auf einer vorgezogenen Bastion der Terrassenmauer. Es ist vorgeschlagen worden, daß in diesen so gleichmäßig gestalteten Gemächern die Frauen des Königs Xerxes untegebracht gewesen seien, der Bau also zum Harem gehört habe. Nach anderen Überlegungen soll es sich um Dienstzimmer von Beamten gahandelt haben. Der Gebäudekomplex setzt sich noch um die Ecke herum nach Norden fort mit einem weiteren monumentalen Gebäude, in dem sich heute das M useum befindet. Inschriften, irgendwelche Funde oder andere Hinweise fehlen; die ursprüngliche Funktion aller dieser Räume die man heutzutage in der Regel als "Harem" bezeichnet, ist also vorläufig nicht zu klären.
PALAST DES XERXES - HEUTE
Persepolis recreated
PALAST DES XERXES - DAMALS
Persepolis Recreated
Wir kehren zurück in den offenen Hof nördlich der zentralen Halle des Xerxes-Palastes. An seiner östlichen Seite liegen die Reste eines Eingangstores mit einstmals vier Säulen (ihre aus großen Steinblöcken besteheneden Fundamente sind freigelkegt) und einer doppelläufigen Treppe davor, alles jetzt stark zerstört. Die Treppe muß etwa so ausgesehen haben wie die des Tripylons, die vielleicht sogar nach diesem Vorbild gestaltet worden ist. Während dort allerdings vornehme Perser die Treppen hinaufsteigen, sind es hier Diener mit Speisen. Auf dem südlichen Flügel ist der babylonische Text der bereits bekannten Inschrift erhalten, während die elamische Entsprechung, die sich auf dem nördlichen Flügel befunden hat, verloren ist. Zwei Wachsoldaten flankieren die alt-persische Fassung in der Mitte. Diese Treppe war offenbar der Hauptzugang zum Palast für Besucher. Dabei muß daran erinnert werden, daß zu der Zeit, als Xerxes dieses Gebäude errichtete, das Tripylon noch nicht vorhanden war. Somit bildeten Treppe und Tor den monumentalen Eingang zu einem Palastbezirk.
Ein weiterer offener Hof liegt östlich vor dieser Treppenanlage. An seiner Südseite sind sehr geringe Reste einer großen Säulenhalle erhalten.
