Das nördliche Grab. wahrscheinlich von Artaxerxes III. (359/58 - 338/37 v. Chr.) (Nr. 4.19 im Grundriß)
Vom "Unvollendeten Tor" aus kann man einen kleinen Fußpfad zum ersten Grab im Norden hinaufsteigen. Von dort hat man einen großartigen Überblick über die gesamte Terrasse mit all ihren Gebäuden. Blickt man hinab, so zieht sich zur Rechten die nördliche Festungsmauer den Hang hinauf. Sie umschließt auch die Spitze des Hügels. Dort oben gibt es noch Reste verschiedener Gebäude, doch sind sie äußerst schlecht erhalten und daher noch nicht näher untersucht worden.
Das Grab ist eine Kopie desjenigen des Dareios in Naqsh-e Rostam. Drei seiner Nachfolger kopierten den Entwurf für ihre eigenen Gräber in den dortigen Felsen. Wie bei den Bauten und Reliefs in Persepolis hielt man sich also auch hier an das einmal geschaffene Vorbild. Der Grund hierfür wird indessen weniger ín einem Mangel an Einfallsreichtum zu suchen sein als vielmehr in einer gewissen Pietät oder noch eher soillte durch die ständige Wiederholung die enge Verbundenheit der achämenidischen Herrscher, die Einheit ihrer Dynastie zum Ausdruck gebracht werden. Doch tragen die weiteren Gräber keine Inschriften. Daher kann man sie nicht mit Sicherheit einzelnen Herrschern zuweisen. Die spät-achämenidischen Könige verlegten dann dieselbe Art von Felsreliefs an die Wände des Kuh-e Rahmat im Hintergrund der Terrasse von Persepolis. Von ihnen zeigt nur das südliche Grab Inschriften.
Für das Aussehen des Grabes gilt stellvertretend die Beschreibung des Dareios-Grabes in Naqsh-e Rostam. Doch fehlt ihm hier der untere glatte Kreuzesarm, da der Felsen nicht so hoch aufragt wie in Naqsh- e Rostam. Dafür kann der Besucher näher herantreten und unmittelbar vor den Reliefs stehen. Im unteren Teil ist - wie dort - die Fassade des Dareios-Palastes wiedergegeben mit der mittleren Eingangstür und den Säulen der Portikus, die beim Original-Gebäude verloren sind, allerdings nur als Relief. Doch ist die Fassade hier 1,6 m breiter geraten als beim Palast, während die Höhe ihm recht genau entspricht. Die Kapitelle sind von Stieren gebildet, deren vornliegenden Hörner gesondert eingesetzt waren.
GRABFASSADE
Die Gräber-fassaden geben die Konstruktion der Portikus des Dareios-Palastes wieder. Mit ihrer Hilfe kann man das einstige Aussehen des Palastes rekonstruieren. Während die hinteren Hörner der Stiekapitelle im Relief angegeben sind, waren die nach vorn ragenden gesondert eingesetzt. Neu ist hier der Löwenfries auf dem Gesims, der von dem königlichen Baldachin auf den Reliefs der Bauten auf der Terrasse übernommen worden ist.
Neu in de Ausgestaltung ist ein Relieffries mit schreitenden Löwen über dem Gebälk. Unterschiedlich zum Dareios-Grab sind auch die drei Reihen mit Wachsoldaten auf den Seitenwänden. Andererseits zeigt das obere Gesims über dem Türsturz 24 Kanneluren, das Original des Dareios-Palastes 26, während die früheren Gräber dort stark abweichen und mehr als 35 Kanneluren haben. Die Proportionen der Figuren auf dem Relief sind viel gedrungener als auf dem Original und deuten darauf hin, daß es viel später entstanden ist.
Das Innere des Grabes besteht aus einem Vorraum, der parallel zur Fassade verläuft und zur linken Seite hin schhmaler wird. Davon gehen drei Gewölbe mit je zwei in den Felsen getieften Grabstellen ab. Ihre Deckel haben einen flachen Boden und sind oben halb-elliptisch gerundet.
Die Fassade des Grabes ist zwar reich und sorgfältig ausgearbeitet, es ist aber unwahrscheinlich, daß man sie überhaupt von der Terrasse aus sehen konnte. Denn vor dem Grab haben sich Reste eines Gebäudes erhalten; es liegt auf niedrigerem Niveau, wird aber in einige Höhe aufgeragt haben. In seiner Aussrichtung entspricht es nicht dem Grab, sondern den Bauten auf der Terrasse (21° Unterschied). Seinen Zweck kennen wir nicht. Es könnte Wachen gedient haben, die das Grab schützen sollten; denkbar wäre aber auch, daß es das Grab, die Stätte des Todes, vor der Sicht von der Palast-Terrasse, der Stätte des Lebens, verbergen sollte.
Zwischen dem Grab und der Terrasse verlief eine Festungsmauer. Doch lag der Boden vor dem Grab etwa 7 m höher als der obere Abschluß der Mauer. Durch ein Tor in der Mitte der Mauer, das durch zwei Türme verstärkt war (mindestens 11,5 m hoch), konnte man hinauf zum Grab und zur Zisterne gelangen. Ein Graben auf der Ostseite der Mauer, am Boden 6 m bis 9,5 m breit, diente zwei Zwecken gleichzeitig: Zum einen schützte er die Terrasse vor eventuellen eindringenden Feinden, zum zweiten aber auch vor Überschwemmung während der sehr heftigen Regenfälle im Winter.
Vom Grab aus sollte man dem Fußpfad, der sich den Hang entllangzieht, weiter nach Süden folgen.
DAS GRAB VON ARTAXERXES III.
Die Fels-Zisterne (Nr. 4.20 im Grundriß)
Eine eindrucksvolle Zisterne (4,15 m im Quadrat) ist am Bergabhang oberhalb der Terrasse tief in den Fels geschlagen. Sie ist bis zu 24 m Tiefe ausgegraben worden, ohne daß man auf den Boden gestoßen ist. Er muß also noch unter der Basis der Terrassen-Fundamente liegen. Regenwasser, das von den Hängen herabfließt, wird in mehreren Kanälen gesammelt und in die Zisterne geleitet. Sie war vermutlich mit Planken abgedeckt. Einschnitte für drei mächtige tragende Balken sind noch zu sehen. An der Ostseite ist eine ebene Fläche von 2,6 m mal 6,15 m in den Hang gearbeitet. An ihrer Süd-Ost-Ecke beginnt ein Wasserkanal, der einst mit Steinplatten abgedeckt war.
Der Weg führt weiter zum nächsten Grab im Süden.
Die sogenannten Garnison-Quartiere (Nr. 4.20 im Grundriß)
Während man den Fußpfad weiter Richtung Süden folgt, blickt man auf die verschiedenen Hallen des Schatzhauses, und weiter rechts liegen die Gebäude, die an den "Hundert-Säulen-Saal anschließen. Sie mögen als Unterkünfte von Soldaten oder als Magazine für Vorräte gedient haben. Sehr schlecht erhaltenes Lehmziegelmauerwerk findet sich zwischen den Resten der Befestigungsmauer und der erwähnten Straße. Scherben von sehr einfacher Gebrauchskeramik und einige Pfeilspitzen sind in diesen Räumen gefunden worden. Ihretwegen und wegen der Lage direkt an der Verteidigungsmauer hat man diese Anlagen als "Garnison-Quartiere" bezeichnet.
Das südliche Grab, wahrscheinlich von Artaxerxes II. (405/04 - 359/58 v. Chr.) (Nr. 4.22 im Grundriß)
Dieses Grab liegt etwa 250 m Ost-Südost der südöstlichen Ecke der Terrasse am Abhang des Berges Rahmat.
DAS GRAB ARTAXERXES II.
Das südliche Grab am Abhang des Berges Kuh-e Rahmat. Da sich nur hier Beischriften finden, die die einzelnen Vetreter der Völker benennen, könnte es sich um das erste Grab handeln, das an diesen Ort verlegt worden ist. Denn in Naqsh-e Rostam ist auch nur das früheste Grab, das des Dareios d. Gr. mit Inschriften versehen
Als Vorbild diente - dasjenige des Dareios an den Felsen von Naqsh-e Rostam. So wie das dortige Grab das einzige ist, das Inschriften trägt, so ist das hier betrachtete das einzige in Persepolis mit Inschriften. Genannt werden die Namen der Vertreter aller Völker, die das Podest (dais) stützen. Daß man die Notwendigkeit verspürt hat, zumindest die Völker zu identifizieren, mag ein Hinweis darauf sein, daß dieses Garb das erste gewesen ist, das für diese neue Stelle kopiert worden ist. Wenn diese Annahme zutrifft, könnte Artaxerxes II. der Auftraggeber gewesen sein. Als weiterer Anhaltspunkt kann dienen, daß er der letzte Achämenidenkönig war, der seine Inschriften in Altpersisch, Elamisch und Babylonisch abgefaßt hat. Von seinem Nachfolger Artaxerxes III. sind nur altpersische Inschriften erhalten.
Auch in diesem Grab ist ein Vorraum angelegt; von ihm geht aber nur eine Grabkammer mit zwei Grablegen aus, von denen die vordere größer ist als die hintere. Bedeckt waren sie mit unten glatten und oben gerundeten Deckeln.
Auch vor diesem Grab befand sich ein Gebäude mit mehreren Zimmern.
Das "unvollendete Grab"
Etwa 500 m südöstlich der Terrasse war auf einem niedrigen Ausläufer des Berges mit der Ausarbeitung eines weiteren königlichen Grabes begonnen worden (nicht auf dem Plan, da zu weit entfernt), das aber nicht fertiggestellt ist. Seine Fassade zeigt nicht in Richtung auf die Terrasse. Nur der obeste Teil mit dem König, der vor dem Ahuramazda-Symbol und dem Altar steht, ist ausgeführt worden, während alles übrige wie ein Steinbruch wirkt. Zwei halbvollendete Wachsoldaten auf der linken Seitenwand gewähren einen interessanten Einblick in die Technik der Steinmet
Dieses Grab mag für den letzten Achämenidenkönig, Darius III. (336/35 - 330 v. Chr.) vorbereitet worden sein, der dann von Alexander d. Gr. besiegt und auf der Flucht von seinen eigenen Satrapen im Nordosten des Reiches umgebracht worden ist.
Der Steinbruch nördlich der Terrasse
Geht man zurück zum Eingang, so sollte man, ehe man die Terrasse verläßt, vom "Tor aller Länder" noch ein paar Schritte weiter nach Norden auf die dort nach Osten umbiegende Mauer gehen. Von diesem Punkt aus kann man in einen Steinbruch blicken, in dem Blöcke für die Bauten auf der Terrasse geschnitten worden sind. Während der Bauarbeiten hatte man vermutlich eine Rampe hinauf zur Terrasse angelegt, auf der die Steine transportiert werden konnten. Oben auf der Terrasse findet sich nahe der Mauer eine unfertige Türschwelle und, einige Schritte von ihr entfernt, eine nur grob gerundete Säulentrommel. Heraus ragen noch die stehengebliebenen Bossen, um die für den Transport Seile gelegt werden konnten.
PERSEPOLIS
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