Sana'a - Hudäidah/Jemen
08:00 Uhr Abfahrt zur Altstadt von Sana'a
Spaziergang durch die Altstadt und den Suks mit einer Dauer von ca. 3 Stunden
Sana'a
Sana'a ist mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Jemen. Die Hauptstadt des vereinigten Jemen liegt auf 2300 m Höhe inmitten des jemenitischen Hochlandes. Trotz der exponierten Lage sollten Reisende sich Sana'a nicht als Gebirgsstadt vorstellen. Auf einer Hochebene gelegen ist Sana'a eine Stadt ohne nennenswerte Höhenunterschiede. Der Berg Nukum, der die Stadt überragt, ist 2892 m hoch.
Das Sana'a-Becken befindet sich im Regenschatten der Küstengebirge und erhält nur wenig Regenfälle. Landwirtschaft wird zumeist nur am Rande der Hochebene betrieben, wo Niederschlagswasser aus den Bergen heraustritt. Einen Fluß, der ganzjährig Wasser führt, gibt es nicht.
Die Fluten der Regenzeit entwässern Sana'a und die 20 x 80 km große Hochebene nach Nordosten zum Wadi Dschauf. Landwirtschaftlich genutzte Flächen liegen am Gebrigsrand entlang der Ausfallstraße nach Amran/Saada, Hier sind auch die Tiefbrunnen, die Sana'a mit Trinkwasser versorgen.
Mit Hotels aller Preiskategorien, einer guten touristischen Infrastruktur und einer Altstadt aus "1001 Nacht" gilt Sana'a als ein Touristenmagnet. Die Altstadt wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Geschichte
Die Gründung Sana'as reicht weit zurück. Ohne konkrete Beweise wird die Stadt von der jemenitischen Tourismusbehörde als eine Gründung des (biblischen) Sem, Sohn des Noah, bezeichnet. Die Legende besagt: daß Sem sein Haus im westlichen Teil der Hochebene, am Berg Ailan, bauen wollte (dort liegt heute der Ort Hadda). Während des Hausbaus kam ein Vogel, nahm einen Zweig in den Schnabel und flog davon. Sem deutete das als göttliches Zeichen und folgte dem Vogel, der den Zweig am Fuß des Dschebbel Nukum fallen ließ. Dort baute Sem sein Haus, dort wuchs eine Stadt, die sich zuerst "Stadt des Sem", dann Azal und schließlich Sana'a ("die Befestigte") nannte.
Neben Marib war Sana'a die bedeutendste Stadtdes sabäischen Reiches.
Schriftliche Belege zu Sana'a in vorislamischer Zeit sind spärlich. Sie berichten, daß Sana'a (wie Mekka,Medina, Jerusalem und Natschraan) ein unter Gottes besonderem Schutz stehender Ort ist (arabisch haram, hawtah oder hijrah), an dem nicht gekämpft werden darf und wo Flüchtlinge Asyl finden (auch Mörder und andere Verbrecher).
Der Geschichtsschreiber Hamdani(geboren in Sana'a, gestorben 945) schreibt, daß der sabäische König Schar'irum Antar die erste Stadtmauer Sana'as im 3 Jh. bauen ließ. Während dessen Regentschaft wurde auch der sagenumwobene Ghumdan-Palast errichtet. Das Gebäude soll zwanzig Stockwerke gemessen haben und einer der prachtvollsten Paläste Arabiens gewesen sein. Hamdani schreibt, daß im 10. Jh. die Grundmauern des Palastes noch zu sehen waren.
Um das Jahr 520 n. Chr. wurde Sana'a anstelle von Thafar Hauptstadt des himjaritischen Reiches. Der letzte Himjarenkönig Dhu Nawas (er war im Jahre 517 zum Judentum übergetreten) residierte in Sana'a, und hier ging das hijaritische Reich 525 n. Chr. in der Schlacht gegen Aksum unter.
Mit den Abessiniernkam der christliche Glaube in den Jemen. In Aden, Thafar, Natschraan und Sana'a wurden Kirchen errichtet. Die Lage dieses Monumentalbaues ist im Straßenverlauf westlich der Stadtburg Al Kaser zu erkennen.
Sana'a war von jeher ein Zentrum des Handels und des Handwerks. Zu Zeiten ausländischer Herrschaft und unter der Regentschaft jemenitischer Könige(Imame) wechselte Sana'a als Hauptstadt häufig mit anderen Orten wie Taiz, Zabied, Dschibbla, Schibam, Thulla und Saada
Sana'a lag über viele Jahrhunderte an der Nahtstelle des zaiditischen Herrschaftsbereiches im Norden (Hauptorte Saada, Hadscha, Thulla) und dem von ausländischen Mächten (Omaijaden, Abbasiden, Sassaniden, Osmanen) besetzten Territorium im Süden, war daher erstes Ziel, wenn eine Seite ihren Einflußbereich auszudehnen begann. Eroberungen und Rückeroberungen waren mit Plünderungen und Brandschatzungen verbunden. Sana'a wurde im Laufe der Geschichte wiederholt zerstört: 803 durch das Heer Harun al Raschids. 901, als zaiditische Truppen Sana'a erstmals für ihren Imam al Hadi ila al Haqq eroberten, vier Jahre später als der fatimidische Missionar und Herrführer al Fadi Sana'a erobern und plündern ließ, im Jahr 1187 durch innere Machtkämpfe und 1871 im Verlauf der Kämpfe zwischen Osmanen und Zaiditen. 1948 wurde die Stadt bei der Rückeroberung durch Krieger Imam Ahmads geplündert, und 1962 - 1969 nahm die Bausubstanz im Bürgerkrieg schwere Schäden.
Burg und Stadtmauer wurden bei Eroberungen und kampflosen Räumungen mehrfach zerstört. Die größten Schäden erlitt die Stadtmauer in den 60er und 70er Jahren des 20. Jh., als sie wegen der zunehmenden Motorisierung immer weiter abgerissen wurde. Die Stadttore Bab asch Schaub und Bab al Assah wurden 1962 bzw. 1967 abgetragen.
Sana'a nahm im 20. Jh. einen rasanten Aufschwung. 1963 alg die Einwohnerzahl bei 60.000, 1975 waren es 136.000 Bewohner, heute leben hier etwa 1,5 Millionen Menschen.
Erste Europäer in Sana'a
Als einer der ersten Europäer besuchte der Italiener Ludovico di Varthema im Jahr 1503 Sana'a. Er beschreibt eine riesig große Stadt mit Wiesen, Gärten und 4000 Häusern innerhalb einer wuchtigen Stadtmauer. Arthema war als Schiffspassagier über Jidda und Jizan nach Aden gelangt und reiste über Jariem nach Sana'a.
1590 wurden zwei portugiesische Jesuitenpater für fünf Jahre in Sana'a von den Osmanen festgehalten. Sie schildern Sana'a als einst große Stadt, aber während der Osmanenzeit sei die Einwohnerzahl stark zurückgegangen. Sie zählten 2500 Häuser, davon 500 jüdische.
Detailliert wird Sana'a 1762 vom deutschen Mathematiker und Vermesser Carsten Niebuhr (1733 - 1815) beschrieben. Er machte karthografische Aufzeichnungen und berichtete über die Ankunft in dem für ihn und seine Reisegruppe reservierten Gästehaus des Imam: "Als wir zu den Gärten gekommen waren, forderte uns der Schreiber zum Absteigen auf.(...) Doch der Schreiber und alle unsere mohammedanischen Diener blieben auf ihren Eseln, während wir noch einen weiten Weg zu Fuß zurücklegen mussten, bis wir zu dem Haus kamen das für uns als Wohnung bestimmt war. Das war ein arger Streich, den wir von den sonst so höflichen Arabern nicht erwartet hätten". Niebuhr war entgangen, daß alle Europäer Sana'a zu Fuß zu betreten hatten. Der Brite Pringle war im Jahr 1801 der erste Europäer. der beritten in Sana'a Einzug hielt.
Im Jahre 1810 kam der in Diensten des russischen Zaren stehende Ulrich Jasper Seetzen (1767 - 1811). Er beschreibt Sana'a als schönste Stadt des Orients, selbst im Vergleich mit Europa sei sie außerordentlich reizvoll. Auf dem Rückweg von Aden - wohin er einen Abstecher unternommen hatte - wurde Seetzen in der Nähe von Taiz ermordet.
1835 gelangte der engliche Leutnant Charles Cruttenden von Mocha nach Sana'a. Er konnte vier himjaritische Inschriften abzeichnen und skizzierte Stadtansichten. Cruttenden schätzte die Bevölkerung auf 40.000, die Zahl der Juden auf 3000.
In der Reihe europäischer Besucher ist der Franzose Arnaud zu nennen, der einige Jahre als Arzt in Diensten des Imam stand und 1843 als erster Europäer der Neuzeit nach Marib kam.
1849 übergab Imam Mutawakkil Sana'a kampflos den Osmanen. Eine über deren Plünderungen erboste Stadtbevölkerung erhob sich gegen die Besatzer und warf sie in die Tihamazurück. Es folgte eine Zeit der Selbstverwaltung und der Gegenimame, es gab Perioden ohne Regierung und wiederholte Plünderungen durch Stammeskrieger. Kurz, es war eine Zeit der Anarchie, und die Sana'anis waren froh, als die Osmanen 1871 zurückkehrten. Joseph Halevy (1827 - 1917), der über 1869 in Sana'a eintraf, berichtet über die Verwüstungen. Die Hälfte der Häuser lag in Ruinen, die Gartenvoratdt Bir al Azab war unbewohnt und die Bevölkerungszahl stark gesunken. Der Schotte Charles Millingen zählte im Jahr 1873 nur 20.000 Einwohner.
Halevy, ein französischer Jude, beschrieb das Leben von Nichtmoslems in Sana'a als schwierig. Er war der erste Europäer seit dem römischen Feldzug 24 v. Chr. der den Oberlauf des Wadi Dschauf <Jauf> und Natschraan erreichte.
Zwischen 1877 und 1880 kam der Italiener Renzo Manzoni dreimal nach Sana'a, machte die errsten Fotografien und fertigte einen Stadtplan an. Manzoni erlebte Überschwemmung in dem durch die Stadt führenden Flußbett Zailer. Rund 100 Lehmziegelhäuser wurden fortgeschwemmt, nur die Steinhäuser der reichen Sana'anis blieben unbeschädigt.
Dem Österreicher Eduard Glaser (1855 - 1908. 1884 in Sana'a) gelang die Erkundung des Handelsweges nach Amram, Chamer und Thi Bin. Unter dem Schutz der Osmanen konnte Glaser intensive Studien in Marib betreiben.
Europäische Reisende dieser Zeit berichten von fünzig Moscheen und zwanzig Synagogen in Sana'a. Sie beschreiben die Wasserversorgung als oberirdische bzw. unterirdische Kanäle (z.T. 6 m unter der Erde, ghayls genannt), die ihren Anfang 10 - 20 km entfernt in den Vorgebirgen nahmen.
Als der Deutsche Hermann Burchardt (1857 - 1909) im Jahre 1909 nach Sana'a kam, gab es 50.000 Einwohner, eine wöchentlich erscheinende Zeitung und eine Telegrafieleitung über Hudaida nach Übersee. Burchardt wurde bei Ibb ermordet.
1922, nach dem Abzug der Osmanen, sah der Franzose Pierre Lamare das erste Auto durch Sana'a fahren und fand das Haus des Imams elektrifiziert.
Im Jahr 1930 kam der Deutsche Hans Helfritz (1902 - 1995)mit Geräten zur Aufzeichnung jemenitischer Musik. Er beschreibt Sana'a als eine der wenigen Städte der Welt, die auch auf dem zweiten Blick nicht enttäuschen.
Die Altstadt
Sana'as Altstadt ist eine der wenigen in Arabien mit einem mittelalterlichen Stadtbild. Mit engen, verwinkelten Gassen, die für den Autoverkehr nicht geeignet sind, und Häusern aus dem 18. und 19. Jh. ist Sana'a ein unvergleichliches Kleinod. Die Altstadt wurde von der UNESCO als Kulturerbe der Menschheit deklariert, als besonders erhaltenswert. Seit 1985 läuft eine internationale Kampagne zur Rettung Sana'as. Einige Länder haben Hauspatenschaften übernommen. Deutschland, Norwegen und Italien haben die Instandsetzung von Häusern bzw. Karawansereienbereits abgeschlossen. Bei einem Bestand von rund 6000 Häusern in der Altstadt ist der Erhalt der Bausubstanz nur im Rahmen einer breiten internationalen Kampagne möglich. Von jemenitischer Seite wurde ein "Board of Trustees for the Preservation of the Old City" eingesetzt. Die Altstadt von Sana'a ist ohne diese Hilfe zum Untergang verurteilt.
Auch Jemeniten möchten in geräumigen Wohnungen leben, einen sicheren Wasser- und Abwasseranschluß haben und mit dem Auto bis auf das Grundstück fahren. Mitte des 20. Jhs. begann eine Abwanderung der Familien, die sich ein Haus in der Neustadt leisten konnten. In der Altstadt blieb zumeist die ärmste Schicht zurück, in die leer werdenden Häuser zogen minderbemittelte Bewohner. Die Umwälzung in der Bevölkerungsstruktur brachte mit sich, daß immer weniger Geld zum Erhalt der Häuser vorhanden ist. Eine ganz neue Entwicklung ist jedoch, daß Menschen aufgrund der Bevölkerungsexplosion und der Wohraumnot in die Altstadt zurückkehren und dort die ohnehin schon hohen Häuser um weitere Etagen aufgestockt werden.
Einen wichtigen Schritt, die Altstadt attrraktiver zu machen, bedeutete der in den 1980er Jahren durchgeführte Bau einer Kanalisation. Inzwischen sind fast alle Gassen der Altstadt gepflastert. Wer die wenig ansehnliche Situation bis Ende des 20. Jhs. kannte, wird von dem gepflasterten und asphaltierten Trockental Zailer überrascht sein, das die Altstadt durchquert und außerhalb der Regenzeit zu einer wichtigen Straßenverbindung geworden ist.
Nur wenige Gebäude der Altstadt ragen aus dem Ensemble heraus und müssen gezielt aufgesucht werden. Es sind dies die Bakiriya-Moschee, die Festung Al Kaser und Karawansereien im Suk.
Viele Häuser Sana'as sind aus gebrannten Ziegelsteinen errichtet, andere aus Naturstein, und bei einer dritten Kategorie sind die unteren 5 -7 m aus behauenen Steinen gefertigt (zumeist aus schwarzem vulkanischem Basalt oder aus braunem vulkanischem Ignimbrit) und darüber Lagen aus luftgetrockneten Lehmziegeln. Seltener benutztes Baumaterial sind vulkanische Tuffe (ein weiches Material, das an der Luft aushärtet) oder Kalksteine. Die außen in rechteckige Form behauenen Steine laufen nach innen kegelig zu. Die Zwischenräume werden mit Lehm und zerstoßenen Steinsplittern ausgelegt.
Die Außenwand eines Hauses ist 40 - 50 cm dick. Der äußeren ca. 25 cm starke Steinschicht ist innen eine zweite Schale aus Bruchsteinen hinterlegt. Die ganz alte Bauweise, Steine der Außenwand nicht senkrecht zu setzen, sondern im Sägezahnmuster, kann an der Großen Moschee von Sana'a gesehen werden.
Die Häuser der Altstadt sind in der Regel vier bis sechs Stockwerke hoch. Aus Verteidigungsgründen weisen die unteren Stockwerke keine oder nur kleine Fenster auf. Da Glas in den vergangenen Jahrhunderten kaum zu erhalten war, sind die Öffnungen älterer Häuser klein und mit einem Laden zu verschließen. Gelegentlich sind dreiteilige Fensterläden zu finden, in die kleine Klappen eingearbeitet sind, mit denen Luft- und Lichteinfall reguliert werden kann.
Selten gibt es noch runde Oberlichter mit milchigen Alabasterscheiben. Typisch sind halbrunde Gipsstückoberlichter mit einegelgtem, farbigem Glas (gameija).
RUNDE OBERLICHER MIT FARBIGEM GLAS
Besonders bei Dunkelheit kommt die bunte Vielfalt dieser Fenster zur Geltung. In Höhe der Oberlichter sind oft kleine Lüftungsfenster angeordnet. Die Fensteröffnungen sind mit weißer Kalkfarbe ummalt.
Die Fensterbrüstungen liegen 40 bis 50 cm über dem Fußboden, so daß auf den Matrazen sitzende Personen hinaussehen können. Damit die Kinder nicht hinausfallen, sind die Fenster vergittert.
Vergitterte Fenster damit Kinder nichthinausfallen
Vor den Fenstern fallen Holzerker auf, die häufig oberhalb der Eingangstore angeordnet sind. So können die Frauen erkennen, wer an die Tür klopft und das Leben auf der Straße beobachten, ohne selber gesehen zu werden. Andere dieser kleinen Vorbauten sind traditionelle "Kühlschränke", in denen Trinkwasser in porösen Tontöpfen aufbewahrt wurde. Der Kühleffekt entstand durch die Verdunstungskälte des durch die Wandung des Gefäßes sickernde Wassers, unterstützt von der vorbeistreichenden Luft.
HOLZERKER
HOLZERKER
Traditionelle Haustüren haben eiserne Klöppel, mit denen sich Besucher lautstark bemerkbar machen.
HAUSTÜRE MIT EISERNEM KLÖPPEL
Die Häuser der Altstadt werden von Graßfamilien bewohnt und haben kleine, mit einer Mauer umgebene Höfe, aber keine Gärten. (Grünflächen innerhalb der Altstadt sind Moscheegärten).
INNEN HOF MIT MAUERN
Die Gebäude sind mit Stuck- und Ziegelsteinornamenten stockwerksweise umgeben (Tiermotive, religiöse Sprüche, geometrische Muster).
STOCKWERKSWEISE STUCKORNAMENTE
Von unten nach oben sind die Stockwerke wie folgt gegliedert: Vieh- oder Abstellraum, Lagerräume, Wirtschftsgeschoß, Küche, Wohnzimmer. Im schönsten Raum - der Mafratsch - im obersten Geschoß empfängt der Hausherr seine Besucher, dort werden die nachmittäglichen Katsitzungen abgehalten.
Häuser im Jemen haben traditionell keine Beheizungsmöglichkeit, obwohl die Temperaturen im Winter unter den Gefrierpunkt sinken. Die dicken Außenwände schirmen aber gegen die extremen Tages- und Nachttemperaturen ab.
Bis zur Installation öffentlicher Trinkwasserleitungen bezogen viele Haushalte ihr Wasser mit hauseigenen Ziehbrunnen aus 40 - 60 m Tiefe. Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs in Sana'a fällt der Grundwasserspiegel jährlich um 7 m und liegt derzeit bei mehr als 500 m Tiefe, was die Austrocknungen der Altstadtbrunnen zur Folge hatte.
In Sana'a sollte sich der Besucher treiben lassen, immer in die nächste schöne Gasse abbiegen. Wer sich verläuft, steigt an einer größeren Straße in ein Taxi und läßt sich zum Tachier Platz oder Bab al Jemen fahren.
BAB AL JEMEN
Die Karawansereien
In Sana'a gibt es noch 26 mehr oder weniger erhaltene Lagerhäuser, die Karawansereien (Samsarah). Sie hatten vielfältige Bedeutung als Lagerhäuser für die von Kamelkarawanen herangebrachten Waren, als Zollhäuser, als Unterkünfte für Händler und Lasttiere. Heute haben sie ihre Bedeutung verloren. Importzölle werden am Hafen oder Flughafen entrichtet, geschlafen und gegessen wird andernorts, Toyotas haben Kamele und Maultiere als Lastträger abgelöst. Nur noch wenige Karawansereien dienen als Lagerhäuser, die meisten sind verfallen.
Aufgrund einer UNESCO-Kampagne liegt ein Altstadtsanierungsprogramm vor, das die Restaurierung alter Karawansereien vorsieht. So haben europäische Länder - u.a. auch Deutschland - Intereesse gezeigt, alte lagerhäuser zu restaurieren. Wenn Karawansereien als Kulturdenkmäler erhalten werden, so sollen sie drei Funktionen erfüllen: den Markt attraktiver machen, den Tourismus fördern und traditionelles Handwerk wiederbeleben.
Mit Unterstützung der norwegischen Regierung instandgesetzt und 1989 eröffnet wurde das ehemalige Lagerhaus der Kupfer- und Messingwaren (Samsarah al Nahas). Hier entstand ein Ausbildungszentrum für Gold- und Silberschmiede, Leder- und Schmucksteinverarbeitung, Holzschnitzereien und Weberei.
Das Lagerhaus Manzur (Samsarah al Manzurah), wurde mit deutschen Geldern restauriert und im Jahr 1993 eingeweiht. In seiner Funktion als "National Art Center" werden hier Werke jemenitischer Künstler ausgestellt. Im Eingangsbereich können Kunstdrucke, handkolorierte Drucke, Grafiken, Originale, Poster und Gipshäuschen gekauft werden.
Im 1. Stock beeindruckt eine Fotodokumentation aus der Sammlung Carl Rathjens (1887 - 1966), der zusammen mit Hermann von Wissmann (1895 - 1979)in den 1920er und-30er Jahren den Jemen mehrmals bereiste. Rathjens Schwarzweißphotos aus Sana'a wurden Farbphotos gegenübergestellt, die Anfang der 1990er Jahre an den gleichen Orten aufgenommen wurden.
Das Samsarah Mohammed Ibn al Hassari, Mitte des 17. jahrhunderts erbaut, ist das größte Lagerhaus im Jemen. Mit zahlreichen Etagen und 220 Räumen ist es eines der höchsten Gebäude Sana'as. Es beherbergte einst die Bank der Markthändler. Bei der Rückeroberung Sana'as durch Truppen Imam Ahmads 1948 wurde auch dieses Gebäude geplündert und ist seitdem versperrt.
Das Rosinenlager (Smasarah al Zabieb) stammt aus der Mitte des 20. Jhs. und ist das einzige Lager, das seine Funktion als Verzollungsstation bewahrt hat. Das Rosinenlager beherbergte traditionell das Büro des Scheich al Läil (verantwortlich für die Nachtwächter des Sukgeländes). Einige Wachkabinen sind auf den Flachdächern des Suks erhalten. Das Gebäude dient als Umschlagpaltz für den Rosinengroßhandel. In Säcken werden getrocknete Weintrauben an Einzelhändler verkauft.
Die Wägestation (Samsarah al Mizan) wurde im 13. Jahrhundert errichtet und war bis zur Revolution 1962 das wichtigste Zollhaus der Stadt. Fast alle Waren, die Sana'a erreichten, mussten hierher gebracht und verzollt werden, bevor sie im Suk verkauft werden konnten.
Innerhalb des Durchgangsbereiches zum Innenhof befindet sich rechter Hand in etwa 1 m Höhe ein himjaritischer Inschriftenstein. Beim Betreten des 9 x 9 m großen Arkadenhofs sehen wir links ein altes Trinkwasserbecken. Rund um den Hof sind Lagerräume angeordnet. Rechts des Eingangs befand sich die Kabine des Aufsehers; heute überwacht er die Arbeiten von seinem Platz gegenüber dem Eingang. Im Hof stehen zwei Plattformen in der Nähe der Waagen, auf denen die Träger ihre Säcke abstellen können. Für das Wiegen werden die historischen Gewichte benutzt. Hier kann die Funktion des Warenlagerns und- umschlagens von Kaffeebohnenschalen (qischr) verfolgt werden.
Für das hohe Alter des Gebäudes sprechen Säulenkapitelle. die mit unterschiedlichen Motiven geschmückt sind. An der Nordseite des Innenhofes führt eine Treppe zum Obergeschoß.
Samsarahs gab es ursprünglich nicht nur in den Städten, sondern auch entlang der Fernhandelswege. 1762, auf seiner Reise von Mocha nach Sana'a, beschreibt Carsten Niebuhr eine solche Unterkunft: "Man findet in solch einer Simsera aber wahrhaftig nicht die Bequemlichkeit, die ein europäischer Gasthof zu bieten hat. Man muß auch hier alles mitbringen, außer Kaffee, Reis, Brot und Butter kann man nichts kaufen. Es gibt nur eine Tür, die am Abend fest verschlossen wird, und am Morgen kann jeder Reisende, bevor sie geöffnet wird, nachsuchen, ob ihm etwas fehlt."
BLICK VON EINER KARAWANSEREI AUF SANA'A
Suk >Suq<
Wenn von "dem" Suk in Sana'a gesprochen wird ,dann ist damit immer der Suk al Mälch >Suq al Milh< gemeint, was "Salzmarkt" heißt. Der Suk al Mälch hat sich von einem Salzmarkt zu einem Gemischtwarenmarkt gewandelt, er ist mit engen Gassen, unzähligen Läden, einem großen Warenangebot und nicht zuletzt wegen seiner Menschen einer der attraktivsten Märkte der arabischen Welt. Wie in allen jemenitischen Suks fehlt auch in Sana'a das Marktschreierische anderer orientalischer Märkte. Touristen werden nicht zum Kauf gebrängt, können unbelästigt bummeln und vergleichen.
Die Straßen des Sukgeländes sind nicht überdacht. Entsprechend den Bauvorschriften sind die Läden einstöckig und deutlich niedriger als Wohnhäuser. Bei einigen Verkaufsräumen ist das Erdgeschoß angehoben, um Platz für ein zur Hälfte in den Boden eingelassenes Untergeschoß zu schaffen. Auf den ersten Blick erscheint der Suk als bunt zusammengewürfeltes Ensemble verschiedenster Läden. Doch wer sich Zeit nimmt, wird noch die einstmals strenge Marktordnung erkennen. So sind Handwerksbetriebe, Lebensmittelgeschäfte, Einzelhandelsläden und Gewürzhändler in bestimmten Arealen des Suks untergebracht. Häufig sind die einzelnen Gewerbe gassenweise zusammengefaßt. In den letzen Jahrzehnten setzte sich jedoch immer mehr eine Mischbelegung durch. Geräusch- und geruchsintensive Handwerkszweige, wie z.B. Tischler und Schmiede, sind am Rande des Sukgeländes angesiefelt. Die enge, kundenfreundliche Anordnung der Läden ermöglicht Preis- und Qualitätsvergleiche ohne lange Wege.
Im Suk al Mälch gibt es rund zwanzig öffentlliche Wasserhäuschen - Sigaya genannt - aus denen der Marktbesucher kostenlos trinken kann (nicht für Touristen geeignet). Diese zumeist kuppelförmigen, quadratischen Häuschen waren eine wohltätige Stiftung vermögender Jemeniten, die sich mit dem Bau verpflichteten, die Wasserbecken ständig gefüllt zu halten. Heute sind die Trinkwasserstellen an die städtische Wasserversorgung angeschlossen, einige werden von religiösen Stiftungen unterhalten.
Beim ersten Besuch des Suk sollte man ziellos durch die Gassen laufen. Dicht an dicht drängen sich Schmiede, Schreiner, Dschambija-Hersteller und Händler, die von Öllampen aus Alabster über Schrauben, Stoffballen alles verkaufen.
IM SUK
IM SUK
SCHMIED
SCHMIED
KÖCHER UND KRUMMDOLCHE
Der Suk al Mälch ist nicht der einzige Markt in der Altstadt. Auf dem Suk as Zumar (auch Suk al Dchimal, "Kamelmarkt" genannt) nördlich des Suk al Mälch werden Genüse und Importwaren angeboten. Einmal wöchentlich fand hier der Kamelhandel statt.
Auch der Obst- und Genüsemarkt und der Fleisch- und Fischmarkt am Bab as Sabach sind interessant.
Heute sind in den Suks von Sana'a nur noch moslemische Händler anzutreffen. Das war nicht immer so. Hinduistische Händler gab es im Jemen bereits in vorislamischer Zeit, erste schriftliche Hinweise für ihre Existenz in Sana'a stammen aus dem Jahr 1655. In diesem Jahr beklagten sich moslemische Händler über die große Konkurrenz hinduistischer Händler beim Imam Mutawakkil Ismail. Der jedoch entschied, daß die Hindus- Baniyans genannt - bleiben durften. Als ihre Zahl zu groß wurde (mehrere Tausend im Jemen) erhob der Imam Mitte des 17. Jhs. eine Kopfsteuer, worauf viele nach Indien zurückkehrten. 1763 zählte Carsten Niebuhr noch 125 Baniyans in Sana'a.
EIN SPAZIERGANG DURCH DIE ALTSTADT VON SANA'A
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gegen 14:00 Uhr begann die Fahrt von Sana'a nach Hudäidah
FAHRTROUTE VON SANA'A NACH HUDÄIDAH
Kurzer Fotostopp am Wadi Darr
AM WADI DARR
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Sommerresidenz des Imam Yahyas
15 km nordwestlich von Sana'a liegt das grüne Wadi Darr, bekannt wegen der inmitten des Tals auf einem Felsen thronenden Sommerresidenz Imam Yahya (1904 - 1948). Es ist das meistfotografierte Gebäude im Jemen. Wegen es günstigen Sonnenstands sollte eine Besichtgung am Vormittag erfolgen. Um sich einen Überblick zu verschaffen, raten wir, das Auto an der Steilkante zu verlassen und die restlichen 2 km in das Wadi Darr später zu Fuß oder per Anhalter zurückzulegen. Der Blick in das Tal ist von hier oben beeindruckend. Kat-Anpflanzungen und Weingärten dominieren. Am Rande der Ortschaft Garia al Gabiel <Quaryal al Qabil> ist schon von hier oben der Felsenpalast zu sehen.
WADI DARR
DER FELSENPALAST
Dieser Aussichtspunkt hoch über dem Wadi Darr ist ein beliebter Rastplatz für jemenitische Familien. Am Freitag ist dieser Platz die beste Gelegenheit, den männlichen Part einer Hochzeitsgesellschaft zu erleben; Hunderte von Männern versammeln sich, feuern Freudenschüsse aus ihren Gewehren ab und tanzen den traditionellen Dschambija-Tanz, den Bara's, begleitet von Trommeln und Flötenmusik.
Das Dar al Hadschar (Felsenpalast) steht am Rande des Tales auf einem Sandsteinblock. Es wurde in den 1930er Jahren auf sehr viel älteren Fundamenten erbaut. Der Felsenpalast wurde im Innern renoviert, die zahlreichen Räume sind unmöbliert. Derzeit wird der ehemalige Palast als Museum genutzt. Der Besucher tritt durch eine schwere Holztür ein und folgt dem verzweigten Treppenhaus bis aufs Dach.
FELSENPALAST
BLICK VON DACH
Dort haben wir einen herrlichen Blick über das Tal und seine Kat-Anpflanzungen. In den vielen weiß gekalkten Räumen beeindrucken die farbigen, halbrunden Oberlichter (gamerijas).
HALBRUNDES OBERLICHTFENSTER MIT BUNTEM GLAS
Beachtet werden muß im 2. Stock die Küche mit den links davon in den Fels gehauenen Räumen. Die beiden hinteren Räume waren für die Wächter bestimmt.
DIE KÜCHE
Der erste Raum bietet Zugang zum Palastbrunnen. Nach oben führt eine Röhre, nach unten ein Schacht. So konnte von einer oben befindlichen Küche Wasser aus dem tiefer gelegenen Brunnen gehoben werden, und das über mehrere Stockwerke hinweg. Der Hauptbrunnen befindet sich links vom ersten Raum.
Im Museumsgeländer gibt es ein Restaurant sowie eine Verkaufsaustellung volkskundlicher Objekte.
FELSENPALAST DAR AL HADSCHAR
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UNTERWEGS NACH HUDÄIDAH/JEMEN
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Gegen 18:30 Uhr erreichten wir Hodäida wo die TS MAXIM GORKI im Hafen lag.
Hudaida<Hudaydah> ca. 400 000 Einwohner
Schriftliche Belege oder Ausgrabungsfunde für die Existenz Hudäidas in vorislamischer und frühislamischer Zeit gibt es nicht. Erstmals erwähnt wird die Stadt Mitte des 15. Jhs. In der Nachbarschaft der wichtigen Rotmeerhäfen Mocha und Luhäia konnte sich Hudäida bis in das 20. Jh. nicht entwickeln. Der Kaffeeexport im 17. und 18. Jh. wurde zum größten Teil über Mocha und Luhäia abgewickelt.
Cartsen Niebuhr, der 1762 nach Hudäida kam, schreibt: "Der Hafen von Hudäida ist besser als der Loheias, doch kommen auch hierher keine großen Schiffe. Die Stadt lebt vom Zoll für den Kaffee, der von hier ausgeführt wird. Das Haus des Dola, das Zollhaus und die Häuser der vornehmen Kaufleute sind aus Stein, sonst gibt es nur elende Hütten zu sehen."
Als mit dem Kaffeeanbau in den Kolonien die Kaffeeausfuhr des Jemen ins Stocken geriet, verfielen die Häfen von Mocha und Luhäia. Hudäida übernahm den verbleibenden jemenitischen Kaffeeexport. Rund 6500 t wurden Ende des 19. Jhs. ausgeführt, heute sind es noch 3800 t.
Um das Jahr 1900 lebten in Hodäida, das zu dieserr Zeit eine osmanische Provinzhauptstadt und Sitz eines Paschas war, 30.000 Einwohner. Mit der Verbesserung der Straßenverbindung nach Sana'a wurde der Hafen durch die Osmanen ausgebaut. 1911 begannen vorbereitende Arbeiten für den Bau einer Eisenbahn nach Sana'a, ein Unterfangen, das mit Beginn des Zweiten Weltkrieges aufgegeben wurde.
1912 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Stämmen des heutigen Saudi-Arabien und osmanischen Truppen. Die Kämpfe wurden bis vor die Tore Hudäidas getragen. Die mit den saudischen Stämmen verbündeten Italiener bombadierten osmanische Stützpunkte bei Hudäida.
Ende des Ersten Weltkrieges (1918) übernahmen die Briten - wie im Friedensvertrag vorgesehen - Hudäida und andere osmanische Stützpunkte in der Tihama. 1926 konnte ein zaiditisches Heer die wichtige Hafenstadt für den Imam zurückgewinnen. Im saudisch-jemenitischen Krieg (April/Mai 1934) eroberten saudische Truppen die Tihama bis Zabied. Auf Grundlage des Vertrages von Taif zogen sie sich bis zur heute gültigen Nordgrenze zurück.
Der neue Hafen Hudäidas wurde im Jahr 1961 eingeweiht (gebaut durch die Sowjetunion). Die Asphaltstraße nach Sana'a über das Gebrige bei Menaacha wurde im gleichen Jahr fertig (chinesische Hilfe).
Hudäida repräsentiert mit seinen Industrieanlagen und großzügigen Straßen den modernen Jemen. Die Stadt verfügt über gute Hotels und ist an das Inlandsflugnetz der Yemenia angeschlossen. Postamt, Telefonzentrale und das Olofi-Krankenhaus befinden sich im Zentrum.
AUSZUG AUS DEM TAGESPROGRAMM
Während unseres Überlandausfluges im Jemen hat die TS MAXIM GORKI eine Strecke von 265 Seemeilen zurückgelegt für die Strecke Aden/Jemen nach Hudäida/Jemen.
Montag, 05.05.2008 - Hudäida/Jemen
19:30 Uhr TS MAXIM GORKI verabschiedet sich von Hudäida/Jemenm und nimmt Kurs auf Aquba/Jordanien
Es liegt eine Strecke von 1028 Seemeilen vor uns
19:30 Uhr Abendessen
21:15 Uhr Let's go West
Country & Irische Musik
präsentiert von unserem Teufelsgeiger
Jiri Erlebach
ab 22:30 Uhr Chili Con Carne als Late-Night-Snack
Tagescocktails:
alkaholisch: APOTHEKE (Fernet Branca, Creme de Menthe White, Martini Ross) 2,30 €
alkoholfrei: PEACH SLING (Apfelsaft, Pfirsichsaft, Tropikalsaft, Lemon Mix) 1,90 €
Worte zum Tage: "Es gibt nur einen Zeitpunkt zu erwachen: dieser Zeitpunkt ist jetzt"
- Buddha -
19:30 Uhr
ca. 30°C
