TS MAXIM GORKI IM HAFEN VON AQABA
FLAGGE VON JORDANIEN
AQABA/PETRA - JORDANIEN
07:00 Uhr Ankunft der TS MAXIM GORKI in Aqaba/Jordanien [2 KB]
Jordanien
Wir wollen unseren Streifzug mit den frühesten Zeugnissen menschlicher Siedlungsaktivität beginnen, die in Jericho im unteren Jordantal ab dem 9. Jahrtausend v. CHr. belegt ist. Sicher strahlten ihre Errungenschaften auch über den Jordan nach Osten aus. In Ain Ghazal, einem Vorort von Amman, konnte eine komplette Siedlung aus dem 8 Jahrtausend v. Chr. ausgegraben werden. Ab 7000 v. Chr. lässt sich in El Beidha bei Petra Siedlungstätigkeit nachweisen. Ab 3000 v. Chr tauchen in der Geschichte Palästinas die Kanaaniterauf, die bis etwa 1200 v.Chr. das Land besiedeln. Sie werden im Laufe der Jahrhunderte von den vielen Neuankömmlingen verdrängt, vernichtet oder assimiliert. Etwas später lassen sich östlich des Jordantals die Ammoniter, südlich von ihnen – zwischen Wadi Hase und Wadi Mujib – die Moabiterund, wiederum südlich angrenzend bis zum Golf von Acaba, die Edomiter nieder. Eine erste Invasion und Landnahme findet durch die Amoriterstatt, die von Osten kommend Jordanien bedrängen. Aber auch Abraham mit seinem Gefolge sorgt für Unruhe. Er bricht etwa im 18. Jh v. Chr. in Urin Mesopotamienauf, um sich schließlich im Westjordanlandfestzusetzen. Zwei Generationen später ziehen seine Nachkommen nach Ägypten, vermutlich als eine Art frühe Gastarbeiter unter den Hyksos. Aber, wie das so geht bei Gastarbeitern, irgendwann wird der Aufenthalt zur Fron, undMosesführt im 13. Jh v. Chr. seine Glaubensbrüder zurück nach Palästina; vom jordanischen Mount Nebo erblickt er das Gelobte Land.
Lange Zeit beherrschten die Ägypter Palästina, aber sie wurden mehr und mehr von den erstarkenden Hethiternbedrängt, die sich aus der heutigen Türkei heraus ausdehnten. Diese Situation lässt sich von den Israeliten gut für eine Landnahme nutzen, die sich bis etwa zur Jahrtausendwende hinzieht. Dabei sind die Stämme nur locker unter den Richtern organisiert, müssen sich aber unter anderen den Philistern — von Westen eindringenden indogermanischen Seevölkern— im Kampf stellen, wobei sie deren Eisenwaffen technisch unterlegen sind. Um 1000 v. Chr. gründet Davidden ersten jüdischen Staat.
Bald kommen die Kleinstaaten im heutigen Jordanien zunächst unter die tributpflichtige Oberhoheit der Assyrer, dann der Babylonier. Die Babylonier werden 537 v. Chr. von dem Perserkönig Kyros II. besiegt. 333 v. Chr. erobert Alexander der Große unter anderem auch Palästina, das nach seinem Tod an die Ptolemäer fällt, damit beginnt die hellenistische Epoche.
Unbemerkt von den Weltmächten haben sich die Nabatäer vor allem in Edom festgesetzt. Sie sind ein arabisches Nomadenvolk, das lernte, die Weihrauchstraßeauf ihrem westlichen Abschnitt äußerst gewinnbringend zu kontrollieren. 198 v. Chr. verlieren die (griechischen) Ptolemäer Palästina an die (ebenfalls hellenistischen)Seleukiden. Die Nabatäer, die inzwischen ein weitläufiges Reich aufgebaut und die früheren Kleinstaaten absorbiert haben, kooperieren mit den Griechen. Ihre Hauptstadt Petra verstecken sie geschickt zwischen Felsen im Edomiter Gebirge. 63 v. Chr. erobern die Römer Palästina und beenden die hellenistische Epoche. 37 v. Chr. setzen sie den Halbjuden Herodes den Großenals König (Statthalter) von Judäa ein, der seinen Machtbereich bis weit nach Syrien und über den Jordan hinaus erweitert; die Palastruine Machäruskündet noch heute davon. Nach seinem Tod 4 v. Chr. wird sein Reich unter seinen Söhnen dreigeteilt.
Nach dem Machtwechsel in Palästina hatten sich auch die Nabatäer auf die Seite der Römer geschlagen. Doch diese entwickeln bald andere Vorstellungen einer Kooperation. 106 n. Chr. integrieren sie den Nabatäerstaat ganz einfach als eine Provinz in ihr Reich.
Das Christentum breitet sich rasant aus, 324 erklärt es der römische Kaiser Konstantin zur Staatsreligion. Als schließlich das Römische Reich in West- und Ostrom zerfällt, kommt Palästina mit Jordanien lagegemäß an Ostrom, d.h. Byzanz. Die byzantinische Epoche hält bis 614, als die erstarkten Perser einfallen, Jerusalem erobern und den Patriarchen nebst 37 000 Christen und dem Heiligen Kreuz nach Persien verschleppen. 628 kann Byzanz die Verschleppten und das Kreuz wieder heimholen. Doch nur wenige Jahre später brechen wie ein Feuersturm die Araber unter Mohammeds Flagge in Palästina und östlich des Jordans ein, 636 wird das byzantinische Heer geschlagen, 638 Jerusalem an den (muslimischen) Kalifen Omar übergeben.Der Umayade Abd el Malik lässt den Felsendom auf dem Jerusalemer Tempelberg bauen, seine Nachfolger halten Palästina an der langen -Leine und vergnügen sich in den Wüstenschlössern Jordaniens; Christen können noch für längere Zeit ihrem Bekenntnis nachgehen. Erst der fanatische Fatimide El Hakim aus Kairo verfolgt die Andersgläubigen. Dem wollen die Kreuzfahrer abhelfen, die beim Ersten Kreuzzug 1099 Jerusalem erobern und über den Jordan nach Osten vordringen können. Dort werden die Kreuzfahrerburg Shaubak in der Nähe von Petra und weitere kleinere Befestigungen sowie die Burg Kerakgebaut. Aber alle Mühe hilft nicht. Gegen Ende desselben Jahrhunderts sind alle Stützpunkte östlich des Jordans wieder verloren, 1291 werden die Kreuzritter — mit dem Fall Akkos — endgültig aus Palästina vertrieben.
Die ägyptischen Mamluken nehmen nun auch Jordanien unter ihre Fittiche. 1516 kämpfen sich die türkischen Osmanen an die Macht. Unter ihrem Sultan Suleiman II. blüht zwar die gesamte Region auf, Jordanien gerät aber mehr und mehr in Vergessenheit. Erwähnung findet das Land hauptsächlich während der jährlichen Pilgerreise, weil die Hauptpilgerroute von Damaskus aus am Wüstensaum entlang nach Süden verläuft. 1805 kommt in Ägypten der geschickte Politiker Mohammed Ali an die Macht, der auch Einfluss auf Palästina nimmt, stärker jedoch sein Sohn Ibrahim, den allerdings 1840 die Türken wieder in Palästina ablösen.
Während des Ersten Weltkrieges beginnen 1916 die Araber unter Führung des Hashemiten Hussein (dem Ururgroßvater des derzeitigen jordanischen Königs) gegen die Türkei zu putschen. Die Engländer versprechen Hus sein dafür ein arabisches Großreich. Nach Kriegsende und dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches erhält England das Völkerbund-Mandat über Palästina und Transjordanien. 1922 übergeben die Engländer Husseins zweitem Sohn Abdullah schließlich Transjordanien als selbständiges Emirat, allerdings unter britischem Mandat. Das britische Mandat erlischt 1946, gleichzeitig wird das unabhängige Königreich Transjordanien unter König Abdullah proklamiert. Nach Ende des israelischen Unabhängigkeitskriege wird 1948 die von den Arabern eroberte Westbank Transjordanien zugeschlagen, das sich jetzt Hashemitisches KönigreichJordanien nennt. 1951 fällt König Abdullah einem Mord- anschlag zum Opfer, sein Sohn Talal muss nach kurzer Regierung zugunsten seines noch minderjährigen Sohns Hussein abdanken. Gerade 18jährig, wird dieser 1953 zum König gekrönt. Dem jungen König Hussein gelingt es, sein Land durch alle innen- und außenpolitischen Fährnisse zu steuern. Er übersteht Putschversuche und einen Anschlag der Syrer auf sein Flugzeug. Als im Sechstagekrieg 1967 die gesamte Westbank verloren geht, muss Jordanien mit einem zusätzlichen Flüchtlingsstrom und dem Verlust eines großen Teils seiner landwirtschaftlichen Produktion fertig werden. 1970 zerschlägt Hussein die selbstherrlichen militärischen Organisationen der Palestine Liberation Organisation (PLO) in einer blutigen Auseinandersetzung, 1988 gibt er die Ansprüche auf die Westbank zugunsten der PLO endgültig auf.
1991 unterläuft dem geschickten Taktiker Hussein ein schwerer Fehler, als er im Golfkrieg auf Saddam Hussein setzt. Doch spätestens 1994 kann er in den Augen des Westens die Schlappe dadurch wettmachen, dass er in ein Friedensabkommen mit den Israelis einwilligt, das 1995 endgültig von ihm und dem israelischen Ministerpräsidenten Rabin unterzeichnet wird. König Hussein profiliert sich in den Folgejahren immer mehr als Vermittler und ausgleichende Persönlichkeit im Friedensprozess zwischen Palästinensern und Israelis. 1998 muss er viele Monate in den USA verbringen, um gegen sein Krebsleiden anzugehen. Doch vergeblich, im Februar 1999 stirbt er. Zu seiner Beerdigung versammelt sich die politische Führungsschicht der Welt, ein eindrucksvoller Beweis für die Wertschätzung des Monarchen. Noch wenige Tage vor seinem Tod bestimmt Hussein seinen Sohn Abdullah zum Nachfolger auf dem Thron.
Aqaba
Mit Aqabaist das Rote Meer, genauer der Golf von .Agaba, erreicht. Die einzige Hafenstadt Jordaniens (etwa 65 000 Einwohner) verdient ihr Geld sowohl mit Transitgüterverkehr in den Irak als auch mit Phosphatausfuhr, dem Haupt-Exportprodukt Jordaniens.
Aqaba liegt insofern sehr günstig, weil es praktisch auf Süßwasser gebaut ist: Sickerwasser von weit her wird über eine wasserdichte Gesteinsschicht und auf einer schiefen Ebene in den Golf geleitet. Schon ein 1 m tiefer Brunnen kann Süßwasser liefern. Ab Januar 2001 verwandelte sich Aqaba zur Freihandelszone Aqaba Special Economie Zone (ASEZ). Reisende von außerhalb stellen dies kurz vor der Stadt an den Zollstationen fest, die aber Touristen meist mit freundlichem Gruß durchwinken. Im Prinzip müssten daher alle Waren, auch Souvenirs, in Aqaba billiger zu erstehen sein, da der Steuersatz innerhalb der Zone nur 7 Prozent beträgt Tatsächlich ist davon nicht viel zu spüren.
fAHRTROUTE NACH PETRA
DEFEKTER BUS
| Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen. |
UNTERWEGS NACH PETRA
| Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen. |
12:00 Uhr Ankunft in Wadi Musa
12:15 Uhr Beginn der Besichtigung von Petra
Die nachfolgenden Texte und Fotos sind teilweise aus dem Buch Archäologischer Reiseführer "Petra - die geheimnisvolle Felsenstadt" von Fabio Bourbon
EINTRITTSKARTE
Geschichtlicher Abriss
Wir befinden uns auf einer Höhe von ungefähr 1000 Metern am Rand der großen Landsenke, dessen tiefster Punkt (ungefähr 400 Meter unter dem Wasserspiegel und damit insgesamt der tiefste Punkt der Erdoberfläche) vom Toten Meerbedeckt wird. Am Horizont, verdeckt durch eine Reihe eindrucksvoller, vom Wind geformter Türme, eröffnet sich die große als Wadi al-Araba bekannte Klamm, an der einmal der Jordan entlang floß und in den Golf von Aqaba mündete. In der Ferne, eben noch mit dem bloßen Auge zu erkennen, erstreckt sich eine gespenstische Abfolge von Sandsteinfelsen, die durch die Erosion glattgeschliffen wurden. Einige sind rötlich und von unzähligen Höhlen unterschiedlicher Tiefe übersät, andere sind rund, glatt und weiß, wie immense surrealistisch anmutende Totenschädel. Zwischen den Felsen öffnen sich tiefe, in Schatten getauchte Überhänge, deren Dunkel in einzigartiger Weise in Kontrast zu dem grellen Sonnenlicht steht, das von den Felsgipfeln aus Kalkstein reflektiert wird.
Dieses Schauspiel ist so gewaltig, daß es einem den Atem raubt.
Vor uns öffnet sich das weite Tal, in dem sich die moderne Siedlung Wadi Musa mit seinen gastlichen Hotels und Unterkünften befindet. Nichts deutet darauf hin, daß sich in nur wenigen Kilometern Entfernung die Talklamm versteckt, in dem einmal das legendäre Petra blühte. Aber es war gerade diese Verborgenheit und die abschreckende Trockenheit des Umlandes, die der "rosaroten Stadt" Jahrhunderte lang Sicherheit und Blüte garantierten.
Die im südlichen Jordanien gelegene Stadt Petra, ungefährt 300 Kilometer südlich von Amman, wird mehrmals in der Bibel mit dem namen Sela (hebräisch "Stein") erwähnt, während sie von den Arabern Wadi Musa, "Mosestal" genannt wird. Der älteste heimische Name der Stadt ist jedoch immer noch unbekannt und der heutige Name Petra nichts anderes als die griechische Übersetzung des bilblischen Ortsnamens.
Obwohl die Nabatäer unauflösbar mit dem Namen Petra verbunden sind, waren sie nicht die ersten Bewohner des Ortes. Während der Altsteinzeit wurde die gesamte Region von Jagd- und Sammelvölkern bewohnt. Archäologen haben Funde entdeckt, die bestätigen, daß sich ungefähr 9000 v. Chr., bzw. in der Jungsteinzeit, kleine Kommunen gebildet hatten, die sich dem Anbau von Getreide und der Aufzucht von Haustieren widmeten.
Ein in diese geschichtliche Phase einzuordnende Ansiedlung wurde in der Nähe von El-Beidha ausgemacht, ein Ort wenig nördlich von Petra. Im Chalkolithikum und während des darauf folgenden Bronzezeitalters (zwischen 4000 und 2500 v. Chr.) bestanden in der Region nebeneinander sowohl Siedlungen, die sich auf die rein landwirtschaftliche Bewirtschaftung des Landes spezialisiert hatten und somit von niedergelassenen Völkern bewohnt wurden, als auch Nomadensiedlungen deren Bewohner sich hauptsächlich der Weidewirtschaft widmeten.
Später wurden die Siedlungen des südlichen Jordaniens wahrscheinlich aufgrund der eintretenden Verschlechterung des Klimas aufgegeben, während die Zeltansiedelungen der Nomadenvölker nachweislich bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. bestehen blieben. Berichten der Bibel zufolge ließen sich in der Epoche, die heute um 1500 v.Chr. datiert wird, das Volk der Horiter im Tal von Petra nieder und bewohnte dort zahlreiche Grotten, die sich seitlich in den Felswänden auftaten. Die Horiter wurden anschließend von den Edomitern verjagt, die semitischer Abstammung waren und die ungefähr im 13. Jahrhundert v. Chr. das Gebiet zwischen dem Golf von Aqaba und dem Toten Meer besetzten. Die Edomiter nannten sich direkte Nachkommen von Esau und bezeichneten sich damit zur Dynastie des Moses gehörend; trotzdem wird es Moses, als er mit dem Volk Israel an die Grenzen des Reiches Edom gelangt, verwehrt, das Gebiet zu überschreiten um in das Gelobte Land zu gelangen. Dieser Bericht findet sich nach den Erzählungen der Nachkommen Moses im Alten Testament. Obwohl die Bibel eine historisch sehr relevante Bedeutung hat, ist sicher, daß die Beziehungen zwischen den Israeliten und den Edomitern nicht die besten waren, vor allem nach dem Fall von Jerusalem durch die Babylonier im Jahr 587 v. Chr. überfielen und beraubten die Einwohner Edoms mehrere Male das Reich Judas. Es muss aber hervorgehoben werden, daß die Edomiter dem immer stärker werdenden Druck eines Nomadenvolkes Stand halten mussten, das sprachlich aramäischer Abstammung war, von der Arabischen Halbinsel kam und daß sie innerhalb von kurzer Zeit vollständig verdrängt haben sollte.
Die Nabatäer werden zum ersten Mal in einem historischen Dokument aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. genannt, aber es liegt auf der Hand, daß der Prozeß ihres Eindringens, bedingt durch die Ausbreitung der Babylonier, die sie in den Norden verdrängten, bereits viel früher stattgefunden hätte. Als Bewohner der Wüste beschrieben, die sich der Weidewirtschaft widmeten und der Landwirtschaft unkundig waren, "bauen sie weder Häuser noch tranken sie Wein". Hart, bestimmt und einfallsreich überlebten sie in einem so ungastlichen Gebiet wie der arabischen Wüste dank ihres Brauches, große Zisternen in den Fels zu graben, in die das seltene Regenwasser geleitet und für die Dürremonate aufbewahrt wurde. Ihre Blüte gründete sich auf der Kontrolle der Karawanenstraße zwischen Arabien und den Ufern des Mittelmeeres sowie zwischen Ägypten und Mesopotamien, die sie auch nach der Besiedelung von Petra noch auszuüben wußten.
Wenigstens in den ersten Jahrhunderten der nabatäischen Besiedlung gab Petra sich ganz anders als es dann später als stolze Hauptstadt werden sollte. Grundsätzlich bestand sie aus einer weiten und ungeordneten Ansammlung von Zelten, ähnlich denen der heutigen Beduinen. Ein Teil der Bevölkerung, die noch Halbnomaden waren, mußte in den unzähligen natürlichen Höhlen wohnen die sich seitlich in den Erfhebungen auftaten. Der massive Fels des Umm el-Biyara - der gleiche, den die Griechen Petra, der Fels nannten und aus dem später der Name der Stadt entstand - diente als Festung bei feindlichen Angriffen, nicht durch Zufall sind auf seinem Gipfel unzählige Reste riesengroßer Zisternen gefunden worden. Dank der strategischen Lage der Siedlung, lebten die Nabatäer davon, die vorbeiziehenden Karawanen mit Wasser und Nahrungsmitteln zu versorgen, erhoben Zölle und Abgaben und trieben selbst Handel mit kostabren Waren. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. zogen die Nabatäer immer größeren Reichtum aus dem Handel mit Gewürzen, Silber, Weihrauch und Myrrhe. Auf dem Gipfel des Umm el- Biyara verschanzt, schaftten sie es mühevoll, 312 v. Chr. dem Eroberungsversuch durch Antigonos I. Monophthlmos standzuhalten und bekräftigten auf diese Weise ihre Unabhängigkeit. In den darauffolgenden eineinhalb Jahrhunderten schaffte Petra es, die Ziele der ausdehnungswürdigen Ptolemäer aus Ägypten und der Seleukiden aus Syrien zu enttäuschen und begann zu florieren.
Aufgrund fehlender schriftlicher Zeugnisse bleibt diese Epoche jedoch relativ im Dunkeln. Langsam wurden die Zelte durch gemauerte Wohnungen ersetzt, die sich längs des Bettes des Wadi Musa ansiedelten und aus der Siedlung entstand ein echtes Stadtzentrum. Der Untergang der hellenistischen Reiche fiel mit dem Aufstieg der nabatäischen Macht zusammen, die sich in der Zwischenzeit in Form einer soliden Monarchie organisiert hatte. Der erste bekannte Herrscher war Aretas, der im zweiten Makkabäer-Buch in Verbindung mit einem Ereignis aus dem jahre 168 v. Chr. genannt wird. Seine Nachfolger darunter Aretas II. (115 - 96 v. Chr.) und Obodas I. (96 - 86 v. Chr. ) expandierten vor allem auf Kosten des seleukidischen Reiches; 85 v. Chr. bestzte Aretas III. ( 86 - 62 v. Chr.) Damaskus. Im 1. Jahrhundert v. Chr. umfasste das nabatäische Handels netz bereits ein Reihe von Karawanenstationen, die weitläufig in dem Gebiet verteilt waren, von Hegra (heute Mada'in SalihinSaudi-Arabien) bis zu den Städten des Negev, Oboda, Mampsis und Sobota (heute Advat, Mamshit und Shivta in Israel). Das weitläufige gebiet, das damals das Nabatäer-Reich begründete, hatte in der Tat keine festen Grenzen, da diese zum großemn Teil von der militärischen Macht abhängig waren, die jeder Herrscher auf die angrenzenden Staaten auszuüben vermochte. Grob gesagt erstreckte es sich von den südlichen Gebieten des heutigen Syriens bis zum Golf von Aqaba einschließlich dem Negev, Sinai, Transjordanien und einem Teil Arabiens bis zur Stadt Hegra. Nabatäische Händler waren in den wichtigsten Hafenstädten des Orients und des Okzidents , sowie in Rom vertreten.
Die Beziehungen zur jüdischen Welt befanden sich in einem Friedenszustand, während die Nabatäer gegenüber der wachsenden römischen Macht lange Zeit ihre Unabhängigkeit behaupten konnten.
Petra - die Nabatäer nannten sie Reqmu oder Reqem - hatte in der Zwischenzeit begonnen, sich in dem breiten Becken zwischen den Felsmassiven des Umm e-Biyara und des Jebel el-Khuntha auszubreiten, dort, wo im Laufe des WadiMusa, des Wadi Mataha und des Wadi Turkmaniye in einem jahreszeitlich bedingten Sturzbach zusammenfließen, dem Wadi Siyyagh. Die Entscheidung, Petra als Hauptstadt zu erwählen, wurde aus Sicherheitsgründen getroffen, da sie durch ihre verborhgene Lage zwischen den Bergen und mit ihren wenigen leicht kontrollierbaren Zugängen einen idealen Zufluchtsort darstellte. Die ständig wachsenden Beziehungen mit wichtigen Handelszentren und der immer größer werdende Reichtum führte zu ihrem bemerkenswerten Kosmopolitismus, der vor allem in den unzähligen Bauwerken Ausdruck findet, die die Nabatäer-Könige in die Felswände einmeißeln ließen, welche das bewohnte Zentrum der Stadt umgaben.
Petra übernahm innerhalb weniger Jahrzehnte syrische, ägyptische und hellenistische Kunststile und verband diese an sich heterogenen Architektur- und Dekorationsstile in einer ganz eigenen Form. In der größten Blütezeit dürfte die Bevölkerung zwischen 30 - 40 000 Einwohner gezählt haben, die sich zum größten Teil dem Handel widmeten.
Für mehr als zweihundet Jahre, vom Beginn des 1. Jahrhundert v. Chr. an gerechnet, nahmen die Bauwerke ein immer imposanteres Aussehen an. Die Herrschaft von Aretas IV. ( 8 v. Chr. - 40 n. Chr.) war insbesondere für die Baukunst eine goldene Epoche: der Bau des so genannten Großen Tempels und viele andere Eingriffe in das städtische Gefüge waren dazu gedacht, aus Petra eine Hauptstadt zu machen, die dem Reichtum und dem Ruf des nabatäischen Volkes würdig war. Die große Blüte verbarg jedoch eine wesentliche militärische Schwäche. Bereits die römischen Bürgerkriege hatten eine bemerkenswerte Gefahr für die Stabilität Petras bedeutet: Aretas II., der 65 v. Chr. Jerusalem belagert hatte, war durch die römischen Legionen zum Rückzug gezwungen worden. Es kam noch schlimmer, denn ein Statthalter des römischen Generals hatte Petra belagert, allerdings war der Einnahmeversuch misslungen. Einzig um ihre Unabhängigkeit behalten zu können, hatten die Nabatäer eingewilligt, Abgaben an Rom zu bezahlen.
Die dadurch entstehenden Belastungen wurden noch beschwerlicher, nachdem Malichus I.(59 - 30 v. Chr.) sich mit den Parthern in ihrer unheilvollen Aktion gegen die Römer verbündet hatte. Gerade die Römer waren es, die die Macht der Nabatäer in den darauf folgenden Jahren weiterhin schwächten, da sie neue Handelswege durch Arabien legten und Petra dadurch immer weiter ins Abseits drängten. Das friedvolle und blühende Reich von Aretas IV. stellte also den Höhepunkt und gleichzeitig den "Schwanengesang" der nabatäischen Kultur dar. Der letzte Nabatäer-König Rabel II. (70 - 106 n. Chr.) entschied, vielleicht in einer Vorahnung der bevorstehenden Ereignisse, die Hauptstadt in den Norden, in das antke Bostra (heute Bosra) zu verlegen. In der Tat war das Geschichtsbild im Begriff, sich trotz der Blüte, derer sich das Reich noch erfreute, radikal zu verändern. Auf ihren ständigen Expansionszügen hatten die bewaffneten Römer Syrien, Judäa und Ägypten erobert und zwangen Petra in die Enge. Das Ende kam ganz plötzlich und wahrscheinlich ohne größeres Blutvergießen: 106 v. Chr. gab der Herrscher Trajan den Befehl, die Truppen in die Stadt einmarschieren zu lassen. Petra wurde der Provinz Arabien einverleibt. Die Besatzung durch die Römer verzögerte die Entwickluing Petras, bremste sie aber nicht, im Gegenteil, es wurde weiter gebaut. Trotzdem verflog ihre Bedeutung mit dem Aufblühen anderer Karawanenzentren, vor allem Gerasa und Palmyra.
Einige Jahrhunderte lang blieb die Felsenstadt mit Hartnäckigkeit weiterhin ein relativ aktives Handelszentrum und infolge der Neuordnung des Reiches, die 293 n. Chr. von Diokletian gefordert wurde, wurde sie Hauptstadt der Provinz Palaestina tertia. Mit der Ausbreitung des Christentums wurde sie zum Bischofssitz erwählt, und auch in der byzantinischen Epoche erfreute sie sich großer Bedeutung. Nach dem Erdbeben von 551 und der Eroberung der Region durch die Araber im Jahre 663, ging Petra vollständig unter, auch wenn sie im 12, Jahrhundert kurzzeitig von Kreuzrittern befestigt und verteidigt wurde, die sie Li Vaux Moise, das "Mosestal", nannten.
Das Petra der Nabatäer
Die nabatäische Hauptstadt erhebt sich einem Amphitheater gleich, eingeschlossen zwischen schroffen Wänden. Sie erstreckt sich ungefähr eineinhalb Kilometer in ost-westlicher Richtung und einen Kilometer in nord-südlicher Richtung. das meist ausgetrocknte Flußbett des Wadi Mussa durchquert dieses weite Tal und begrenzt mit seinen Zuflüßen zwei niedrige Felsplateaus, auf denen sich die eigentliche Stadt ausbreitete, die schließlich von Erdbeben und zerstörerischen Überschwemmungen ausgelöscht wurde. Es ist sicher, daß die Nabatäer sich hier aufgrund der leicht zu verteidigenden Lage des Ortes niederließen, alle Autoren der Antike - von Diodor über Strabon bis Plinius dem Älteren - waren sich darüber einig. Anfangs mußte Petra eine große Ansammlung von Zelten gewesen sein. Wenn Gefahr drohte, flüchteten sich die Einwohner auf die umliegenden Berge. Der erste Mauerring enstand erst im 1. Jahrhundert v. Chr. Aufgrund seiner bevorzugten geographischen Lage wurde Petra ein Zentrum gewinnbringenden Handels mit Aromen, Gewürzen und anderen Luxusprodukten und kam schnell zu ansehnlichem Reichtum. Stabile Wohnungen aus Steinen und Mörtel entstanden schon während des 3. jahrhundert v. Chr., als auch die ersten Felsmonumente entstanden. Auf die Frage, welche Funktion die Strukturen längs der Felswände um den Stadtkern hatten, wurde nun festgestellt, daß es sich bei vielen um Wohnungen handelte, die häufig aus einem großen zentralen Raum bestanden, der von einer Reihe kleiner Räume umgeben war. Nach den wenigen Beispielen der uns erhaltenen Wanddekorationen zu urteilen, waren die Räume mit Fresken in Form von Kasetten, architektonischen Perspektiven oder mit Rankenmotiven ausgeschmückt. Der Grund für die rasche Stadtentwicklung waren einige permanente Quellen in diesem Gebiet, die für die stetig wachsende Bevölkerung allerdings bald nicht mehr ausreichend waren. Die Nabatäer ersannen deshalb ein komplexes System aus Zisternen und Kanalisationen, die in das Gestein gehauen wurden, aus Aquädukten, in denen Rohrleitungen aus Ton verliefen, aus Dämmen und aus künstlichen Becken, in die das Regenwasser geleitet wurde. Dank ihrer hohen wasserbaulichen Fähigkeiten schafften sie es, die Bedürfnisse einer Metropole zu befriedigen, die auf 30 000 Einwohner (und vielleicht sogar mehr) anwuchs, und in einer Wüstengegend liegt, in der der Niederschlag pro Jahr 150 Millimeter nicht überschreitet. Im 1. Jahrhundert war die nabatäische Hauptstadt sehr reich und Mittelpunkt wichtiger Handeslstraßen. Mit dem Niedergang Griechenlands, begann die Stadt - auch militärisch - die Oberhand über ein weites Gebiet des Mittleren Orients zu bekommen und nahm gleichzeitig die verschiedensten kulturellen und künstlerischen Einflüße auf, in denen sie eine außergewöhnliche Finesse erlangten.
Die Einwohner Petras widmeten sich nicht nur dem Handel sondern auch der Weidewirtschaft, der Aufzucht von Dromedaren und dem Getreideanbau, für den sie große Terrassenanlagen auf den die Stadt umgebenden Höhenzügen anlegten. Bereits sesshaft geworden, waren die Nabatäer in einer Art Erbmonarchie organisiert, die die militärische und vielleicht auch die religiöse Macht innehatte, obwohl sie davon nicht sehr stark beinflußt war. Es hat den Anschein, als habe es nie große Rivalitäten zwischen Priestergruppen gegeben und als sei auch das Königshaus sehr stabil gewesen. Es kann durchaus bestätigt werden, daß der nabatäische Staat eine Art Demokratie war, was für jene Epoche realtiv unüblich war. Sicher ist, daß auch Frauen Zutritt zum Thron hatten, da uns die Namen einiger Königinnen überliefert sind. Die berühmteste war Shaquilat, Mutter von Rabel II. Die Frauen der Herrscher trugen auf jeden Fall den Königinnentitel und mußten eine bemerkenswerte Bedeutung gehabt haben, da sie neben ihren Gatten auf unzähligen Münzen dokumentiert sind. In der nabatäischen Gesellschaft brachte man gegenüber den Frauen großen Respekt auf. Sie hatten außerdem eine aktive Rolle. Das bestätigen auch einige Grabinschriften, aus denen man entnimmt, daß sie Land, Güter und Angestellte besitzen durften. Die Händler nahmen den obersten Platz in der Gesellschaftspyramide ein, aber auch Steinmetze, Künstler und Handwerker genossen ein gewisses Ansehen und man weiß, daß viele von ihnen ihren Beruf an die Nachkommen weitergaben. Man hat festgestellt, daß das tägliche Leben durch Gesetze geregelt und durch öffentliche Ämter überwacht und verwaltet wurde.
Die Nabatäer verehrten keine Götter in Menschengestalt. Erst im 1. Jahrhundert n. Chr. führte sie der Kontakt mit der abendländischen Welt dazu, figürliche Götterdarstellungen in ihr Repertoire aufzunehmen.
Der Hauptgott der Nabatäer war Dushara, der die Berge bewohnte und die Naturphänomene beherrschte. Er bestimmte den Jahreszyklus sowie Fruchtbarkeit, und zudem war er Beschützer des Königshauses. Später wurde Dushara mit Dionysos gleichgestellt. Al-Uzza war dagegen die Göttin schlechthin, Herrin über das Leben und die Liebe, und wurde deshalb später auch mit Aphrodite-Venus identifiziert.
Vom ägyptischen Pantheon übernahmen die Nabatäer den Kult der Göttin Isis.
FELSWOHNUNGEN IN PETRA
Die Architektonischen Modelle
Der Niedergang begann für Petra am 19. Mai im Jahr 363 n. Chr., als ein Erdbeben einen Teil des Wohngebietes dem Erdboden gleichmacht und viele monumentale Gebäude stark beschädigte. Dies hatte eine fortschreitende Entvölkerung der Stadt zur Folge. Da das Stadtgebiet schrumpfte (dazu trugen allerdings noch weitere Faktoren bei) wurde ein zweiter Mauerring errichtet, der sich innerhalb des älteren befand. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde Petra von weiteren Erdbewegungen heimgesucht, von denen sie sich nicht mehr erholen konnte. Zu Beginn der Kreuzzüge 1116 war die stolze Hauptstadt der Nabatäer bereits ein einziges Ruinenfeld. Deshalb ist es heute schwer vorstellbar, wie die "rosarote Stadt" einmal wirklich ausgesehen haben mag, mit dem inneren Tal das von Wegen durchzogen war und zu deren Seiten sich zehntausende weiß verputzte ein- oder zweistöckige Häuse befanden, die um einen Grünstreifen herum gruppiert waren. Insgesamt dürften sie nicht viel anders als der größte Teil der alten Flachdachwohnungen gewesen sein, die den Stadtkern vieler jordanischer Dörfer bilden.
Zur Zeit seines größten Reichtums, kurz nach der Annektierung durch das Römische Reich, hatte Petra ein prachtvolles Erscheinungsbild. Das Wadi Musa-Bett verlief damals an der vollständig gepflasterten Hauptstraße, die in der Nähe eines monumentalen Brunnes begann. Entlang dieser beidseitig von durchgehenden Säulenreihen flankierten Hauptverkehrsader befanden sich drei große, auf stufenförmigen Terrassen angelegte Märkte, die von Geschäften, zwei Tempeln, Palästen und prunkvollen öffentlicehn Gebäuden umgeben waren.
Jenseits eines majstätischen dreibogigen Tores dehnte sich ein weitläufiges heiliges Gebiet aus, dessen Höhepunkt ein Altar unter freiem Himmel und der recht gut erhaltenen Tempel Qasr el-Bint waren.
DIE KOLONNADENSTRASSE
Rekonstruktion des westlichen Teils der Kolonnadenstraße mit dreibogigem Tor - aus dem Buch - Jordnaien einst und jetzt
An der Einmündung in die Schlucht des Sik, dem Hauptzugang zur Stadt, machte ein großes Theater die Neuankömmlinge darauf aufmerksam, daß auch im nabatäischen Reich die Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides oder die Komödien von Aristophanes geschätzt wurden.
DAS THEATER
Aus Jordanien einst und jetzt
Auf den Gipfeln einiger umliegender Berge befanden sich Kultstätten und Befestigungsanlagen. Petra ähnelte den großen Städten, die damals der Stolz Kleinasiens und Palästinas waren, Ephesos, Side, Cesarea, aber gleichzeitig unterschied sie sich wesentlich von ihnen. Als geschickte Händler und vielreisendes Volk übernahmen die Nabatäer neue Ideen von all den Völkern, mit denen sie in Kontakt waren. Sie hatten die figürliche Ausdrucksweise in der Kunst anderer Völker zu ihrer eigenen gemacht und damit eine ganz besondere Kunst geschaffen, in der syrische, ägyptische, hellenistische und schließlich römische Elemente vollkommen frei vereint wurden.
Im Zentrum waren majestätische Heiligenstätten entstanden, die wie die klassischen Tempel erhaben konstruiert waren, die aber auffällige Abweichungen aufwiesen. Vor allem Qasr el-Bint mit seinem einzigartigen quadratischen Grundriß und den drei miteinander verbundenen Räumen, spiegelt die Eigenständigkeit wider, die die lokalen Erbauer gegenüber den Vorbildern immer zu bewahren wußten.
QASR EL-BINT
Der Tempel des Qasr el-Bint, Rekonstruktion der fassade - aus dem Buch "Jordanien einst und jetzt"
Aber auch die unzähligen noch gut erhaltenen Felsfassaden belegen diese heterodoxe Baukunst, und das nicht nur durch den massiven Einsatz des so genannten "nabatäischen Kapitells" oder "Hörnerkapitells", dei dem es sich um eine lokale Erfindung handelt.
AUFBAU EINER FASSADE
Man muß sich nur einmal das Palastgrab ansehen, um sich darübert bewußt zu werden, daß die "goldenen Proportionen" zwischen den einzelnen Konstruktionselementen vollkommen unerwartet sind.
Da heute von der Stadt der Lebenden fast nichts mehr übrig geblieben ist, wird die Aufmerksamkeit der Besucher von der "Stadt der Toten" angezogen, bzw. von den prächtigen Gräbern, die die Nabatäer in die teilweise mehr als 300 Meter hohen Gesteinswände meißelten. Diese große Aufmerksamkeit ist durchaus berechtigt, da gerade die Felsarchitektur die nabatäische Hauptstadt bereits in der Antike berühmt machte. Verteilt auf einem Gebiet von 900 Quadratkilometern und durch ein enges Wegenetz und in das Gestein gehauene Treppen verbunden, sind in Petra heute mehr als 800 dieser Felsmonumente dokumentiert, darunter Gräber, Tempel und Wohnungen. Unter diesen Felsstrukturen befinden sich außergewöhnliche Werke, die auch einen Vergleich mit den zeitgenösssichen griechischen und römischen Meisterwerken standhalten. Die einzelnen Typologien der Konstruktionen sind recht verschiedenartig. Einige Forscher sind der Auffassung, daß jede einen anderen kulturellen Einfluß bzw. eine unterschiedliche geschichtliche Epoche widerspiegelt. Andere sind dagegen der Meinung, daß die einzelnen Fassadentypen keiner chronologischen Aufeinanderfolge entsprechen, und daß die einfachen Formen zusammmen mit den stärker ausgearbeiteten bestehen blieben. Der besseren Übersicht halber sind die verschiedenen architektonischen Baustile der Nabatäer gewöhnlich nach einer typologischen Klassifikation eingeteilt., die hier im folgenden widergegen werden soll.
Die ersten von den Nabatäern benutzten Grabstätten, die auf das 4. -3. Jahrhundert v. Chr. zu datieren sind, waren die "Höhlengräber", die meist rechteckig sind und in das Gestein gemeißelt wurden. Sis sind verstreut überall zu finden. Etwas später dürften die "Brunnengräber" entstanden sein, unterirdische Grabkammern, die über eine Art Schacht betretbar waren und die durch Abdeckplatten verschlossen wurden. Relativ ähnlich sind die "Dromosgräber", in denen der Schacht durch einen horizontalen Gang ersetzt und die Grabfassade geglättet ist. Sie besteht aus einer von einfachen Lisenen eingerahmten Tür und einem angedeuteten Gebälk. Im 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden weitaus komplexere Grabmonumente, die "assyrischen Gräber". Es ist wahrscheinlich, daß die ersten eine glatte, recht einfache Fassade mit nur einer gestuften Zinnenreihe hatten. In ihrem unteren Teil befindet sich eine Tür, die manchmal von Halbsäulen eingerahmt war. Dieser Grabtyp war eine typisch nabatäische Anpassung an die im nahen Syrien verbreiteten Modell. Später wurde über der ersten Zinnenreihe eine zweite hinzugefügt. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte entwickelten sich anspruchvollere Modelle, die ägyptische Einflüße aufnahmen. In der Zwischenzeit war ein besonderer Kapitell-Typ erarbeitet worden, der deshalb als "nabatäisch" bezeichnet wird. Ergebnis dieser Entwicklung waren die "Hohlkehlengräber", deren Fassade aus einem krummlinigen Kranzgesims ähnlich wie beim "altägyptischen Karnies" besteht, die mit zwei großen treppenartigen Zinnen versehen sind (diese Gräber werden auch Treppengräber genannt). Der Giebel ist häufig zwischen Lisenen mit "nabatäischem Kapitell" eingeschlossen und über der Tür befindet sich das mehr oder weniger komplexe Gebälk. Eine elegante Abwandlung dieses Grabtyps stellt das "Grab mit doppeltem Gesims" dar, bei dem ein zweites Gesims klassischen Stils unter dem Hohlkehlengesims auftritt.
Die Attika zwischen den beiden Gesimsen kann mit kurzen Wandpfeilern mit "nabatäischem Kapitell" besetzt sein. Die Fassade ist meist durch zwei oder vier Lisenen unterteilt, die ein ausgearbeitetes Portal einrahmen, über dem sich meist ein Tympanon-Giebel mit Akroterien befindet.
FASSADENDETAIL
Fassade mit doppeltem Gesims. Dieser Fassadentyp hat viele Varianten, in die auch verschiedene architektonische Elemente hineinspielen, wie z.B. das hellenistische Giebelportal
Von der zweiten Hälfte des 1. Jahrhundert v. Chr. an wurden in Petra verbreitet architektonische Motive aus dem hellenistischen Abendland verwendet (z.B. der dorische Fries und das Korinthische Kapitell), die höchstwahrscheinlich von alexandrinischen Künstlern eingeführt wurden. Zu dieser Phase gehört auch die stolze Khazne, erstes Beispiel für den "klassischen nabatäischen Stil". Von diesem Zeitpunkt an manifestiert sich eine immer verbreiterte Verwendung struktruraler, ausschmückender Elemente, die nicht selten übereinander angebracht wurden. Der provinzielle Charakter der nabatäischen Kunst, die sich in einer vom Mittelmeerbecken recht abgelegenen Region in tiefster Wüste entwickelt hat, rechtfertigt jedoch das Fortbestehen autochthoner und in ihrer Ausschmückung bereits veralteter Elemente, wie die Rosetten und die sich heraldisch gegenüberstehenden Tiere. Seit Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. stellte sich neben der beachtlichen Bereicherung im figurativen Architekturrepertoire eine merkliche Suche nach theatralischer Großartigkeit ein. Die Felsfassaden nahmen kolossale Proportionen an und wiesen übereinandergestellte Säulenanordnungen auf, um Tempelansichten und Theaterkulissen nachzuahmen. Dieser Zeit sind das Korinthische Grab und das Palastgrab zuzuordnen, während Ed-Deir das Ergebnis eines einmaligen Versuchs zu sein scheint, die erreichte Eigenständigkeit des nabatäischen Stils gegenüber der hellenistischen Formalistik zu behaupten. Auf den "römisch klassischen Stil" nach 106 n. Chr. gehen schließlich einige Giebelgräber zurück, die deshalb der Fassade eines Tempels ähneln.
Gute Beispiele dafür sind das Grab des Römischen Soldaten und das Grab des Wadi en-Najr. Die Felsmonumente in Petra können als Ergebnis einer unglaublichen Energieverschwendung anmuten. Doch unter vielen Gesichtspunkten ist es weniger mühsam Räume in das Gestein zu meißeln als ähnliche Bauten erhaben zu errichten, da Wände und Decke automatisch halten. Durch genaue Beobachtungen am sog. Unvollendeten Grab war es möglich festzustellen, daß die Arbeiten von oben nach unten ausgeführt wurden. Nach Errichtung eines Holzgerüstes begradigten und ebneten die Arbeiter zuerst die Felswand mit Hämmern, Messern und Sägen. War die Grabkammer einmal ausgehoben, wurde die glatte äußere Oberflache mittels Lot und Schnur in Quadrate eingeteilt, auf die dann die Dispositionszeichnung der verschiedenen architektonischen Komponenten übertragen wurde. Man kann aller Wahrscheinlichkeit nach davon ausgehen, daß nach Fertigstellung jedes einzelnen Rekliefelementes zumindest die wichtigsten Fassaden mit einer dicken Stuckschicht verputzt wurden. Das brüchige Gestein erlaubte nämlich keine genaue Ausführung der dekorativen Details. Um den Stuck haltbar zu machen ,wurde in speziell dafür vorgesehene Auskehlungen ein hervorstehendes Element aus Holz eingefügt. Es ist erkennbar, daß der Verputz mit leuchtenden Farben bemalt war, was das Aussehen der damaligen Fassaden mit dem heutigen kaum mehr vergleichbar macht.
Die Wiederentdeckung Petras
Nach 1189, das Jahr in dem Li Vaux Moise von Saladin erobert wurde, der letzte Vorposten, der sch den muslimischen Heeren stellen mußte, verließen die Bewohner endgültig die Stadt Petra und der Okzident verlor jegliche Erinnerung an diese Stadt.
Nur einzelne Gelehrte wußten von dieser unfassbaren, in den Fels gehauenen Stadt, die von einigen römischen und arabischen, byzanthinischen und arabischen Autoren mit einem entmutigendem Mangel an Genauigkeit beschrieben wurde. Das Vergessen dauerte mehr als sechs Jahrhunderte, bis die "rosarote Stadt" 1812 von einem jungen Schweizer Forscher und Orientalisten wirderentdeckt wurde.
1784 in Lausanne geboren, kann Johann Ludwig Burckhardtals Beispiel einer Generation mutiger Reisender gelten, einer Mischung aus Gelehrten und Abenteurern, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts dazu beitragen, die geographischen Karten neu zu zeichnen und das Wissen um vergessene Orte zu verbreiten
JOHANN LUDWIG BURCKHARDT
Johann Ludwig Burckhardt, Schweizer Entdecker und Orientalist, der 1812 Petra entdeckte, war in seiner Verkleidung als arabischer Gelehrter so überzeugend, daß er 1817 bei seinem Tod in Kairo mit einem islamischen Ritual unter dem Pseudonym Ibrahim ibn Abdullah beigesetzt wurde. Sein schriftlicher Bericht über seine Abenteuer in der Felsstadt wurde 1829 posthum unter dem Titel Travels in Arabia veröffentlicht. Trotzdem hatte sich die Nachricht seiner Entdeckung bereits weit verbreitet.
Als Mitglied der Association for Promoting the Discovery of the Interior Parts of Africa, mit dem Sitz in London, die teilweise vom British Foreign Office kontrolliert wurde, wurde ihm die offizielle Aufgabe anvertraut, eine Expedition nach Timbuktu zu organisieren, um die Quelle des Flußes Niger zu erkunden. In Wirklichkeit war das British Foreign Office eher daran interessiert, Nachrichten über die politische und wirtschaftliche Situation und die Transportwege der Arabischen Halbinsel zu erfahren. So wurde Burkhardt dann unter einem "Deckmantel" nach Cambridge geschickt, um die arabische Sprache und die wichtigsten Grundlagen der Medizin und Astronomie zu lernen, letzteres war wichtig, um später eine Karte der Region anlegen zu können. Der junge Schweizer war in seiner Vorbereitung so gewissenhaft, daß er nicht nur auf der nackten Erde schlief und barfuß lief, sondern sich sogar beschneiden ließ. Nach ein paar Jahren die er zwischen Malta, Syrien und Palästina verbrachte, konnte seine Metamorphose als gelungen angesehen werden, Burkhardt war Scheich Ibraham Ibn Abdullah geworden, Schüler des Korans und der juristischen Grundlagen des Islams. Wenn ihn jemand nach der Bewandtnis seines eigenartigen Akzentes fragte, antwortete er, er stamme aus Indien und verfiel sogleich in helvetisch-germanische Kehllaute, die er als seine indo-arische Muttersprache ausgab.
Niemand hegte Zweifel an seiner Authenzität. In den ersten Monaten des Jahres 1812 befand er sich in Amman, um dann einige Wochen später in Schobek einzutreffen, wo sich die Ruinen einer Kreuzritterfestung erheben. Hier wurde ihm von einer "verlorenen Stadt" erzählt, die von sehr kriegerischen Beduinenstämmen bewohnt sei und die sich nur in geringer Entfernung befinden sollte. Da er wußte, daß die Grabstätte von Aaron auf dem Gipfel des Berges Hor lag, bzw. ganz in der Nähe der geheimnisvollen Stadt, bekundete Burkhardt vor dem Grab des verehrten Propheten eine Ziege opfern zu wollen und erbat dafür die Unterstützung eines Führers. Die List hatte Erfolg und obwohl er vor den atemberaubenden Felsmonumenten seinen Emotionen keinen freien Lauf lassen konnte, um nicht Verdacht aufkommen zu lassen, wußte er, daß er die traumhafte antike Stadt Petra wiedergefunden hatte.
Burckhardt hatte deshalb leider auch keine Zeit, eine genauere Erkundung der Ruinen durchzuführen, aber das Geheimnis der Beduinen war gelüftet. Von diesem Moment an, brachen unzählige Reisende aus dem Westen auf die Suche nach Abenteuern auf, um die Statd Petra zu besichtigen, dabei waren sie in die unglaublichsten "Verkleidungen" gehüllt, um nicht aufzufallen. In Wirklichkeit reisten sie unter dem Schutz einer Genehmigung, die ihnen gegen eine hohe Bezahlung die verschiedenen Scheichs, die die Gebiete regierten, zuteilten. Diese Fremdenfeindlichkeit und das große Mißtrauen waren mit der langen Isolierung in der die lokalen Stämme gelebt hatten sowie mit der Angst zu erklären, ihre jahrhundertelangen Privilegien über die Transitwege durch die tote Stadt zu verlieren, vor allem aber mit der Überzeugung, daß sich zwischen den Ruinen noch bisher unentdeckte Schätze verbergen würden. 1818, gerade sechs Jahre nach dem erlebnisreichen Abenteuer Burckhardts, kamen die beiden britischen Marineoffiiziere Charles Irby und James Mangles in Begleitung des Malers William Bankes nach Petra, die unter dem Schutz eines Erlasses des Sultans von Konstantinopel reisten, dessen Rechtsprechung auch für die Region Petra galt. Irby und Mangles hinterließen ein lebhaftes Zeugnis ihres Besuches. Der Anblick der Khazne beeindruckte sie so sehr, daß sie nicht wußten, womit sie das Gebäude vergleichen sollten und bezeichneten es deshalb als "ein auf der Welt einzigartiges Werk".
Die ersten verlässlichen Abbildungen von Petra sind dem französischen Grafen Leon de Laborde und seinem Reisebegleiter Louis Linant de Bellefonds zu verdanken. Beide Forschungsreisende erreichten die Nabatäer - Stadt im Jahre 1828, nachdem sie sich in Kairo kennengelernt hatten und beschlossen hatten, die abenteuerliche Expedition zu der wiederentdeckten Stadt zusammmen fortzusetzen.
ED DEIR
Laborde und Linant de Bellefonds waren die ersten Reisenden aus dem Westen, die El Deir mit ihren eigenen Augen sahen. Burckhardt wußte noch nicht einmal von dessen Existenz, während Irby und Mangles sich auf die Besivhtigung des oberen Teils aus der Ferne beschränken mußten, mit dem Fernglas. Obwohl die Proportionen und der Stil des Bauwerkes sie nicht beonders begeisterten, war Laborde stark von seinen Größenverhältnissen beeindruckt: "In gewachsenen Stein reliefiert, tritt es einem entgegen, einer kompakten Masse gleich, wie ein monolithisches Monument gewaltigen Ausmaßes, wie eine riesige Verzierung auf der Vorderseite des Berges".
Laborde, Sohn eines französischen Diplomaten, der über bemerkenswerte finanzielle Mittel verfügte, war damals 19 Jahre alt. Bellefonds, Sohn eines britischen Marineoffiziers, war 10 Jahre älter und hatte bereits einen hervorragenden Ruf als Entdecker, Zeichner, Kartograf und Kenner der arabischen Sprache und der arabischen Kultur.
KONSTRUKTIONSZEICHNUNG VON KHAZNE
Dieses Bild von Laborde stellt die erste zuverlässige Vermessung des Khazne dar. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der Autor nicht über die richtigen Vermessungsinstrumente verfügte, die zur Bewertung der effekltiven Höhe des Bauwerkes grundlegend wichtig sind, ist das Ergebnis wirklich bemerkenswert. Was die Rekonstruktion der Verzierungselemente betrifft, die Friese und die Statuengruppen, sagt Laborde selbst, daß dies nicht sehr beschwerlich war, da das Bauwerk gut erhalten war und nur weinige Besonderheiten verloren gegangen waren. In der Tat dürfte die Verzierung damals weit weniger verwittert gewesen sein als heute.
In der Tat reiste Linant bereits seit 10 Jahren von der Türkei nach Syrien, von Palästina nach Ägypten und von der Lybischen Wüste in den Sudan und studierte dabei die lokale Geografie und fertigte Karten an. Ihr Aufenthalt in Petra dauerte eine Woche und war von einer ungewöhnlichen Ruhe gezeichnet, da die lokalen Stämme gerade einige Wochen vorher durch eine Pest-Epedemie dezimiert worden waren. Trotz des hohen Risikos beschlossen die beiden jungen Reisenden, den größtmöglichen Vorteil aus der ungewöhnlichen Situation zu ziehen und fertigten mit großer Genauigkeit Zeichnungen von den wichtigsten Monumenten des Ortes an. Dabei unterließen sie es auch nicht , das innere Relief einiger Grabstätten zu zeichnen. Nachdem Linant und Laborde die in den Felsen gehauene Stadt besichtigt hatten, schlugen sie den Weg Richtung Akaba ein und folgten von dort der Karawanenstraße nach Ägypten. Am 20. April 1828 trennten sie sich jedoch, da Linant vorhatte, schnellstens nach Kairo aufzubrechen, sein Reisegefährte jedoch noch im Sinai zu bleiben gedachte.
DAS THEATER
Die vollständig in die Seite des Berges gemeißelte Cavea des Theaters erweckte Labordes Bewunderung für die Großartigkeit der Arbeiten und für den bemerkenswerten Erhaltungsgrad der Sitzreihen, während ihre besondere Lage inmitten einer Nekropole seinen romatischen Geist anregte. Er schreibt: "Merkwürdig die Geisteshaltung eines Volkes, das sich an den Gedanken des Todes gewöhnte, daß es ihm gegenüber unempfidlich wurde."
Wieder in die Heimat zurückgekehrt, gab Laborde - der später als Konservator der Antiquitäten des Louvre und schließlich Generaldirektor des französischen Nationalarchivs werden sollte - den Bericht seiner Expedition in Druck, die mit unzähligen Litografien versehen war, welche er und de Bellefonds aus den vor Ort angefertigten Zeichnungen entworfen hatte.
Der Bericht "Voyage de l'Arabie Petrèe" wurde 1830 veröffentlicht und kennzeichnete den Anfang des wissenschaftlichen Bewusstseins des Orients und insbesondere von Petra. Die Zeichnungen, die wir heute eher als naiv bezeichnen würden, begründeten eine erschöpfende Dokumantation der nabatäischen Architektur und die ausführlichen Bemerkungen, die neben den Abbildungen angebracht waren, waren reich an weiter vertiefenden Beobachtungen. Vor allem ist zu bemerken, daß Laborde der erste war, der die enge Verbindung zwischen vielen Fassaden der Stadt Petra und ägyptischen sowie assyrischen Monumenten feststellte. An anderen Bauwerken beobachtete er den hellenistisch-römischen Einfluß. Er war auch der erste, der die so genannte Unvollendete Grabstätte beschrieb, da er erkannte, wie wichtig diese zum Verständnis der von den früheren Felsbearbeitung, nämlich von oben nach unten, war. Der Band enthielt eine extrem detaillierte und präzise Karte des Ortes, dia dann auch in den darauffolgenden Jahren von vielen Reisenden benutzt werden sollte.
DAS KORINTHISCHE GRAB
In Übereinstimmung mit der heutigen Fassung definiert Laborde das so genannte Korinthische Grab als "schlechte Kopie des Khazne". Wenn auch absonderlich, unproportioniert und übervoll mit gebrochenen Linien, könne es nicht als gänzlich ungraziös bezecihnet werden. Dann verweilt der Franzose geradezu zur Linderung seines eigenen Urteils auf dem verwitterten Aussehen des Monuments, von den Wassern ausgewaschen und von Brombeerbüschen überwuchert, bedauert sein vernachläßigtes Aussehen und reflektiert über das elende Schicksal der menschlichen Werke.
Das gewaltige Werk Labordes verzauberte auch den jungen amerikanischen Rechtsanwalt John Lloyd Stephens,der sich auf einer Europareise befand und der später zusammen mit Frederick Catherwood als Entdecker der Maya-Kultur bekannt werden sollte. 1835 stieß er durch Zufall in Paris auf eine Ausgabe des Buches, das vor allem aufgrund der wunderbaren Abbildungen von Petra seine Aufmerksamkeit erregte. So verwarf der Amerikaner die Idee, in seine Heimat zurückzukehren., schiffte sich nach Ägypten ein und begann von dort aus durch den Sinai zu seinem Ziel weiterzureisen. In Kairo hatte er das Glück, genau jenen Louis Linant de Bellefonds zu treffen, der mitverantwortlich war an seiner Reise. Dieser lieferte ihm einen eindrucksvollen Bericht seiner Erfahrungen und gab ihm weiter wertvolle Hinweise mit auf den Weg.
Im Februar 1836 erreichte Stephens endlich die "rosarote Stadt", so alt wie die Hälfte des Zeitalters", wie sie später der Dichter John William Burgon beschreiben sollte. Es ist überflüssig zu berichten, daß auch der Amerikaner von dem sich darbietenden Eindruck überwältigt war: vor allem das Khazne, das Theater und Ed Deir sowie auch die enge Klamm des Sik erfüllten ihn mit unvergleichlicher Bewunderung. Wieder zurück in Amerika, gab Stephens sein Reisetagebuch Incidents of Travel in Egypt, Arabia Petraea, and the Holy Land in Druck, ein Bestseller, der Petra einem großen Publikum bekannt machte und Generationen von Lesern auf beiden Seiten des Atlantiks zum Träumen verleitete.
Drei Jahre später erhielt auch David Roberts die Erlaubnis, sich in Petra aufzuhalten, um dort die Bauwerke zu studieren, und brachte von seiner Reise eine erschöpfende zeichnerische Dokumentation mit.
DAVID ROBERTS
Dieses Portrait von David Roberts in orientalischen Kleidern wurde 1840 von Robert Scott Launder angefertigt. Die Kleider, das Schwert und der Gürtel gehörten zu den Souvenirs, die der bekannte Ansichtenzeichner während seiner langen Reise in Ägypten und im Heiligen Land gesammelt hatte. Roberts hielt sich vom 6. bis zum 11. März 1839 in Petra auf.
Der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Schotte befreite sich damit von seinen Ursprüngen und wurde einer der umjubelsten Künstler seiner Zeit. Als hervorragender Landschaftszeichner reiste er nach einigen Aufenthalten in Europa 1838 nach Ägypten und besuchte in den ersten Monaten des darauffolgenden Jahres die Sinai-Halbinsel, Palästina, Jerusalem, die Küsten des Libanon und Baalbek.
FASSADEN DES PALAST- UND KORINTHISCHEN GRABES
Am 6. März 1839, einen Monat nach seiner Abreise aus Kairo, trifft Davod Roberts endlich in Petra ein. Der nabatäischen Stadt, die in ihm tiefe Bewunderung hervorrief, widmete der Künstler einige seiner eindrucksvollsten Zeichnungen. Auf dieser Abblidung sind die Fassaden des Palastgrabes (rechts) und des Korinthischen Grabes (links) wiedergegeben.
Die Litographien, die er nach den auf dieser außergewöhnlichen Reise geschaffenen Zeichnungen anfertigen ließ und die zwischen 1842 und 1849 in London ausgestellt wurden, sicherten ihm einen Ruhm, der bis heute andauert.
Obwohl es sich um nur 14 Litografien handelt, so gehören seine Ansichten von Petra doch zu den eindrucksvollsten, die Künstler jemals von der Stadt angefertigt haben. Außerdem sind - ganz im Gegensatz zu den Zeichnungen von Laborde - die Proportionen kaum oder überhaupt nicht verzerrt und auch sonst absolut detailgetreu. Hier muß man allerdings erklärend hinzufügen, daß Roberts im Gegensatz zu seinen Vorgängern auf die Unterstützung des Wollaston-Prismas bzw. der so genannten Camera Lucida zählen konnte, ein Instrument, das wenige Jahre vorher erfunden worden war und damals bereits recht verbreitet war. Dieser einfache Apparat ermöglichte es anhand eines Prismas, das über ein Zeichenblatt gestellt wurde, die Umrisse eines beliebigen Objektes auf diesem Zeichenblatt wiedergespiegelt zu sehen, die auf diese Weise einfach durchgepaust werden konnten.
Glücklicherweise beschränkte sich dieser Künstler und Entdecker bei seinen Unternehmungen nicht nur auf die zeichnerische Wiedergabe des gesehenen, sondern vertraute auch einem Tagebuch die eigenen Gefühle und Gedanken an und vergaß dabei auch nicht, viele praktische Anmerkungen zu den besichtigten Orten zu notieren. Noch heute, nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten, ist es immer noch genauso fesselnd die Beschreibung dieses Abenteuers zu lesen.
Roberts kam am 6. März 1839 nach Petra und Dank der Verbürgung seiner lokalen Reiseführer und der Bezahlung eines hohen Zolls, wurden ihm fünf Tage Aufenthalt in einem Gebiet mit damals noch recht kriegerischen Volksstämmen gewährt. Der Anblick, der sich ihm darbot, war von so ungeheuerlicher Andersartigkeit, daß es ihm den Atem raubte und ohne seine Gefühle zu verbergen schrieb der schottische Künstler: "Ich bin immer überwältigter und verwirrter von dieser außergewöhnlichen Stadt.... jede Schlucht und sogar die Felsengipfel wurden bewohnbar gemacht. Das Tal ist übersät von Tempeln, öffentlchen Gebäuden, Triumphbogen und Brücken, die mit Ausnahme eines Bogen und eines Tempels, dessen Bogengang jedoch zerstört ist, bereits alle eingefallen sind. Der architektonische Stil unterscheidet sich von allen, die ich jemals gesehen habe, und an vielen Stellen kann man eine interessante Kombination des ägyptischen Stils mit dem römischen und griechischen feststellen. Der Bach fließt noch heute mitten durch die Stadt. Sträucher und wilde Blumen wachsen in prächtigem Überfluß: jeder Spalt zwischen den Felsen ist voll davon und in der Luft liegt der Duft von zartestem Wohlgeruch".
Kaum war das Lager aufgeschlagen, äußerte Roberts den Wunsch, das sicherlich berühmteste Denkmal Petras zu besuchen, das Khazne. Er gerät darüber in Verzückung: .... ich kann nicht sagen, ob ich von dem Anblick dieses Bauwerkes oder von seiner ungewöhnlichen Lage überraschter war. Es erhebt sich vollkommen unversehrt aus einer riesigen Felsspalte empüor und die rzarte Farbe des Felsens zusammen mit dem perfekten Erhalt des kelinsten Details vermitteln denEindruck, es sei kürzlich erst vollendet worden".
DAS KHAZNE
Auch der Sik erregte seine Aufmerksamkeit: "Wir haben den außergewöhnlichen Zugang Petras erkundet, der ungefähr eine Meile lang ist und sich zwischen hohen Felsen entlang schlängelt, zwischen denen das Tal eingeschlossen ist, und die so weit überstehen, daß es den Anschein hat,sie berührten sich... das war der aufsehenerregenste Zugang zur Stadt, der noch heute von den Beduinen benutzt wird."
DER SIK
Zwei Tage nach der Besichtigung des Khazne äußerte Roberts den Wunsch, ein anderes Wunder Petras mit eignen Augen sehen zu dürfen. Begleitet von einem Trupp bewaffneter Männer schlug er einen durch eine lange Schlucht führenden, sehr unebenen Weg ein, der sich schnell in eine steile Felswand verwandelte, und kam schließlich zu einem der weniger besichtigten Monumente der Nabatäer-Städte, das jedoch sehr eindrucksvoll ist: "Nachdem wir unsere Wanderung in einer steilen Schlucht fortgesetzt hatten und eine ungefähr eine Meile lange, zerfallene Freitreppe heraufgestiegen waren, erreichten wir ein Gebäude, das sich Ed-Deir nennt, oder das Kloster, und in die Felsmassen gehauen wurde." Der schottische Künstler war von dem Schauspiel, das sich ihm von jenem Felsvorsprung bot, der sich über das darunter liegende Tal vorbeugte, verzückt: "Von hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick, das Auge umfaßt die Talebene und den Jebel Harun, dessen Gipfel mit dem Sarg des Aaron gekrönt ist, und die gesamte Schlucht, die in die felsigen Bergspitzen von schwindelerregender Höhe eindringt, die alte Stadt breitet sich in seiner ganzen Weite längs des Tals aus." Dem großen Enthusiasmus zum Trotz war der Aufenthalt von Roberts in der Stadt Petra von einigen kleinen unliebsamen Zwischenfällen überschattet - unter anderem der Raub der Geschirre -, die am fünften Tag in einen räuberischen Überfall gipfelten.
AUSEINANDERSETZUNGEN MIT BEDUINEN
Roberts wird in Petra Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen einigen Beduinen, die er hier wiedergegeben hat. Einer der Männer war des Diebstahls beschuldigt worden. Zur Schlichtung der Angelegenheit wurde die maßgebende Meinung von drei Scheichs des Stammes erbeten. Das Felsmonument im Rücken der Gruppe ist das Urnengrab.
bei denen unter anderem einige Waffen und die dazugehörige Munition geraubt wurden. An diesem Punkt blieb ihm nur noch der Rückzug ünrig und Roberts brach seine Zelte ab und reiste nach Jerusalem.
Nach Roberts kamen jedes Jahr mehr Reisende in die "rosarote Stadt" , aber die erste offizielle Beschäftigung mit ihren Monumenten wurde erst 1898 von den beiden deutschen Gelehrten R. E. Brünow und A. von Domaszewski durchgeführt, die mehr als 800 verschiedene Feslstrukturen katalogisierten und jeder von ihnen eine Numerierung gab, die noch heute Gültigkeit besitzt. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte die Erforschung der nabatäischen Stadt vor allem durch deutsche Archäologen, auf die schließlich englische Forscher folgten, als 1921 das Transjordanische Emirat entstand. In der Zwischenzeit hatte eine systematische Erkundung des Gebietes stattgefunden, der die Ausarbeitung einer verlässlichen Karte über den Aufbau der Stadt folgte.
Die ersten Ausgrabungen wurden unter der Leitung einer englischen Gruppe erstmals 1929 vorgenommen. Seitdem hat es unzählige, archäologische Kampagnen gegeben, darunter jordanische, französische und amerikanische, die die schwierige Aufgabe haben, die Überreste zu bewahren und vor allem herauszufinden, was unter dem schimmernden Sand von Petra noch vergraben liegt.
In dieser Hinsicht bezeichnend ist die unglaubliche Entdeckung vom Dezember 1933 in einem an die byzantinische Basilika angrenzenden Raum.
Bereits 1992 und 1993 hatte das heilige Gebäude große Aufregung hervorgerufen als damals prächtige und gut erhaltene Mosaikböden ans Licht getreten waren. Doch niemand hätte sich vorstellen können, daß aus den Trümmern des Gebäudes eine große Anzahl von Papyrusrollen auftauchen würden, die zwar angekohlt und sehr zerbrechlich waren, aber unter Anwendung der richtigen Techniken durchaus noch lesbar waren. Eine vorausgehende Prüfung dieser Funde ergab, daß es sich um Inventare, Register und Auszüge aus dem Kataster handelt, die in griechischer Sprache verfaßt sind. Experten nahmen an, daß mindestens an die fünzig Dokumente in der näheren Zukunft übersetzt werden können, die uns wertvolle Informationen über die wirtschaftliche Beziehungen der Stadt Petra im 5. und 6. Jahrhundert liefern können.
Aus diesem Beispiel kann man also mit Leichtigkeit erkennen, daß in der Zukunft über die in den Fels gehauene Stadt noch viel geschrieben werden wird.




