Montevideo -Uruguay [29 KB]
ist die Hauptstadt Uruguays. Sie liegt am Mündungstrichter des Río de la Plata. Sie zählt rund 1,3 Mio. Einwohner und ist das wirtschaftliche, administrative und kulturelle Zentrum des Landes. Sie zählt zu den zehn sichersten Städten Lateinamerikas und ist zudem nach einer Studie die südamerikanische Stadt mit der höchsten Lebensqualität.
Montevideo gliedert sich in 59 Stadtteile (barrios). Viele dieser heutigen Stadtteile von Montevideo waren dabei zur Zeit ihrer Entstehung geographisch eigenständige Ansiedlungen, die jedoch durch das Wachstum der Stadt absorbiert wurden. Beispiele dafür stellen Pocitos oder Sayago dar. Andere bildeten sich wiederum um industrielle Pole, wie etwa die Salzfleischfabrik von Villa del Cerro oder die Gerbereien in Nuevo París. Schließlich gab es auch diejenigen die sich aus dem Bau großer Wohnanlagen entwickelten, wozu Euskal Erría, Malvín Norte, Parque Posadas und Prado zählen.
Den Namen erhielt Montevideo von dem gegenüber des Hafens gelegenen 132m hohen Stadthügel („Cerro“, Monte), welcher von den Guaraní Yvyty („Felsen“) genannt wurde. In den Aufzeichnungen von Magellan begegnet erstmals die Schreibweise Montevidi als Kombination der europäischen und der einheimischen Bezeichnung.
In den Bereich der Volksetymologie zu verweisen ist die Legende von dem Ausruf „Monte vi eu“ („ich sah einen Hügel“) eines unbekannten Seemannes, die Taufe des Berges als „Monte de San Ovidio“ durch Magellan sowie die angebliche Beschriftung „Monte VI D(e) E(ste a) O(este)“ („Berg 6 von Osten nach Westen“) auf alten Seekarten.
1724 kam der Gründungsprozess Montevideos an der Stelle der heutigen Ciudad Vieja durch die spanische Krone in Gange. Die Gründung Montevideos diente dabei primär der Abwehr der immer wieder von Brasilien aus in die Banda Oriental eindringenden Portugiesen und somit militärischen Zwecken. Auch die Sicherung der Schifffahrt im südlichen Atlantik und des Río de la Plata-Mündungseingangs spielte hierbei eine Rolle. Zudem war seit dem im Jahre 1714 stattgefundenen endgültigen Wechsel auf dem spanischen Thron von den Habsburgern zu den Bourbonen deren höheres wirtschaftliches Interesse motivbildend. Vorher waren bereits 1717 an den Gouverneur von Buenos Aires Zabala gerichtete königliche Anordnungen zur Anlage und Befestigung der Siedlung Montevideo y Maldonado nicht befolgt worden, da sich in Buenos Aires Widerstand ob eines damit entstehenden Konkurrenten am Río de la Plata entwickelte. Weiteren königlichen Aufforderungen in den Jahren 1718 und 1723 wurde dann schließlich nachgekommen. Als Stadt wurde Montevideo sodann offiziell am 24. Dezember 1726 durch Bruno Mauricio de Zabala – Gouverneur von Buenos Aires – gegründet. Ein Fort wurde an der Stelle des heutigen Plaza Zabala errichtet. Unter Beachtung der Leyes de Indias erfolgte nun nach Plan Petrarcas die Absteckung der ersten sechs Planquadrate (Cuadras/ Manzanas) mit einer Breite von jeweils 100 varas (entspricht 83,5 m) an der zur Bucht von Montevideo hingewandten Seite der Halbinsel. Ein Gebiet, das im Bereich der heutigen im Norden der Ciudad Vieja befindlichen Straßen Bartolomé Mitré und Solís bzw. Cerrito und Piedras gelegen ist. 1726 erfolgte durch Pedro Millán unter Beibehaltung dieser Maßeinheit die Einteilung weiterer 26 Manzanas. Die Anlage anhand des feststehenden städtebaulichen Entwurfs fand im Jahre 1741 ihren Abschluss.
Hinsichtlich der Bausubstanz jener Zeit ist festzuhalten, dass außer den Festungsanlagen und sakralen Zwecken dienenden Gebäuden bis auf wenige Ausnahmen keine aus Stein oder Holz bestehenden Bauwerke existierten. Dies hatte seinen Grund darin, dass von der in Abhängigkeit zu Buenos Aires stehenden Militärverwaltung der Einsatz jedweder dauerhafter Materialien als Bausubstanz untersagt worden war. Demzufolge bestanden die Bauwerke überwiegend aus luftgetrockneten Ziegeln und Häuten.
1739 fasste die spanische Krone aufgrund sich abzeichnender Konflikte mit Portugiesen und Engländern den Beschluss, die Stadt sowohl mit einem Befestigungswall einzufassen, als auch mit einer Zitadelle auf dem Landweg abzusichern. Dies führte zu Einschränkungen bei der weiteren Stadtentwicklung. Entgegen eines ursprünglich von Petarca gefassten Plans und des Interesses der montevideanischen Stadtverwaltung, wurde der Standort der Zitadelle innerhalb der bereits erschlossenen und besiedelten Manzanas gewählt. Dies hatte zur Folge, dass mit der um 1750 erfolgten Fertigstellung der Zitadelle und des Baus der nach Osten gerichteten Begrenzungsanlagen zum einen die Wasserversorgung außerhalb der Stadt lag. Zum anderen stand auch die flächenmäßige Begrenzung des Stadtgebietes im Gegensatz zur Bevölkerungsentwicklung Montevideos.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts folgte die Fertigstellung sowohl des Forts im Nordwesten der Halbinsel, als auch der zum offenen Meer hin gerichteten Brüstung, des Cubo del Sur und, von 1798 bis 1804, den 34 entlang des Hafens angebrachten, als Munitionslager genutzten Kasematten, die Las Bóvedas. Die Errichtung der Befestigungsanlagen hatte, neben Ansiedlung der indianische Bevölkerung außerhalb der Stadtmauern zur Folge, das sich nun bevorzugte Wohngebiete herausbildeten. Im eher windgeschützten Norden der Halbinsel im Bereich der calle 25 de Mayo wohnten die sozial besser gestellten Einwohner, wie etwa Großgrundbesitzer des näheren Umlands von Montevideo. Auch Handelsniederlassungen waren hier zu finden. Feste Baustoffe setzten sich beim Bau nun durch, was auch der zunehmenden wirtschaftlichen Unabhängigkeit durch die seitens Spaniens eingerichtete Gobernación de Montevideo geschuldet war. Der dünner besiedelte Süden bestand dagegen in der Wohnbebauung weiterhin aus aus Hütten einfachster Bausubstanz. Ferner setzte nun aufgrund des flächenmäßigen Platzmangels innerhalb der Befestigungsanlagen eine stärkere Parzellierung der Manzanas ein. Auch die Bauweise änderte sich insofern, als das die Bebauung direkt an der Straße begann und die meist im Inneren der Manzanas gelegenen Gärten weitere bauliche Erweiterungen ermöglichten.
In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts trat nun die ursprüngliche militärische Bedeutung Montevideos mehr und mehr zugunsten der Handels- und Wirtschaftsaktivitäten, verbunden mit der Expansion des Hafens, in den Hintergrund. So wird etwa für das Jahr 1771 berichtet, dass ein 25 Schiffe umfassender Konvoi 432.000 Rinderhäute ausführte. Ab 1777 beschleunigte sich dann der wirtschaftliche Aufstieg Montevideos, nachdem zuvor die Eroberung Colonia del Sacramentos durch den rio-platensischen Vizekönig zum Wegfall der portugiesischen Konkurrenz in der Region führte. Es wurde mit der Aduana Vieja in der calle Zabala eine ab 1778 in Betrieb befindliche Zolleinrichtung geschaffen. Zudem wurde seitens des spanischen Könighauses im Zuge weiterer Wirtschaftsliberalisierungen durch das Reglamento de Libre Comercio und der anschließenden Ernennung Montevidos zum Puerto Mayor de las Indias der Handel belebt.
Der Hafen Montevideos, der 1781 eine bald zu kleine Kaimauer erhielt, spielte nun für die Entwicklung der Stadt eine immer größere Rolle. Dies umso mehr, als Montevideo im Jahre 1791 innerhalb der südamerikanischen Kolonien das Sklavenhandel-Importmonopol zugesprochen wurde.
Die Hauptkirche an der Plaza de la Constitución wurde von 1790–1804 aus Backstein errichtet.
Im neuen Jahrhundert erfolgte 1802 zunächst die Errichtung des Leuchtturms von Montevideo auf dem Cerro.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts hatte die Stadt dann wiederholt durch Belagerungen und Bombardements durch England, Spanien, Portugal, Brasilien und Argentinien zu leiden. Dies führte zu einer Abschwächung des Wachstums und infolge der nun einsetzenden politischen Wirren verschlechterte sich die ökonomische Situation der Montevideaner. Während die Versuche Englands, Buenos Aires von Montevideo aus in den Jahren 1806 und 1807 zu erobern, scheiterten, stellte sich in Montevideo erst infolge der im Jahre 1817 gelungenen Besetzung der Stadt durch die Brasilianer zunächst eine gewisse Beruhigung der Lage ein. Der folgende, letztlich zur Unabhängigkeit im Jahre 1829 führende von den 33 Orientalen in die Wege geleitete Aufstand bestimmte die nächsten Jahre.
Die wirtschaftliche Blüte gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte nun auch eine dahingehende Veränderung des Stadtbildes bewirkt, das neben den bereits erwähnten Veränderungen bei den Baumaterialien nun auch der Bausstil einem Wandel unterzogen war. So folgte mit fortschreitender Parzellierung auch die Bebauung der ursprünglich vorhandenen Gärten und Freiflächen, wobei hier überwiegend Patiohäuser entstanden. Von den in dieser Zeit entstandenen Gebäuden existieren heute beispielsweise noch das Casa de los Ximénez und das Casa de Tomás Toribio. An der auf dem damals höchsten Punkt der Stadt gelegenen Plaza Mayor (Plaza Matriz/ Plaza Constitución) entstand in dieser Zeit das neue Cabildo im Jahre 1804 und zuvor bereits die 1790 errichtete Kathedrale. Ein weiteres Bauwerk dieser Zeit ist das Hospital Maciel.
Nach der Unabhängigkeit Uruguays wurde durch den am 25. August 1829 verfügten Abriss der montevideanischen Befestigungsanlagen infolge der damit entstehenden Expansionsmöglichkeiten ein neuer Abschnitt in der städtischen Entwicklung eingeläutet. Die Stadt wurde sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch bezüglich der Verwaltung zum Zentrum des unabhängigen Uruguays. José Maria Reyes wurde mit der stadtplanerischen Weiterentwicklung beauftragt, die sich nun von der ehemaligen Stadtmauer bis zum Gebiet der calle Ejido erstrecken sollte. Orientierend an der Scheitellinie der Halbinsel, auf der Montevideo liegt, bildete sodann die Avenida 18 de Julio die zentrale Achse der Erweiterung. Die Bebauung des neu erschlossenen Gebietes verlief jedoch zunächst infolge der politischen Unruhen schleppend. Ab 1843 war Montevideo infolge des seit 1839 andauernden Guerra Grande (1839–1851) dann einer Belagerung ausgesetzt. Auch nach Beendigung des Krieges lähmten die weiterhin bestehenden Konflikte die Entwicklung, doch erfolgten nach und nach Verbesserungen der Infrastruktur. Dies auch aufgrund einer ab 1860 erneut einsetzenden Immigrantenwelle. So wurde die 1824 erneuerte Mole im Hafen, die sich jedoch bald als zu klein für die mit immer größerem Tiefgang ausgestatteten Schiffe erwies, erneut für Schiffe mittleren Tiefgangs ausgebaut. Die Pflasterung der Straßen, die zunächst mit gasbetriebener und bis 1886 elektrifizierten Beleuchtung ausgestattet wurden, erfolgte. Die Ciudad Vieja erhielt eine Kanalisation und auch die Wasserversorgung wurde optimiert. Ab 1869 wurde zudem das Straßenbahnnetz ausgebaut. Ausgelöst unter anderem von einer Gelbfieberepidemie im Jahre 1857 begannen sich zudem die Siedlungsstrukturenb innerhalb des Stadtgebietes zu verändern. Besser gestellte Einwohner zogen aus der Altstadt in die neu erschlossenen Gebiete um die
Avenida 18 de Julio, wo von diesen große Anwesen errichtet wurden. In der Ciudad Vieja siedelten sich dagegen Banken, wie 1857 die Banco Comercial und weitere wirtschaftliche und kulturelle Einrichtungen an. Beispielhaft zu nennen sind etwa der Mercado del Puerto im Jahre 1868, ein Jahr zuvor die Administración de Correos oder aber auch das Teatro Solís, der Club Uruguay (1885) und das Gran Hotel Nacional (1888). Baustilistisch verbreitete sich infolge des zunehmenden Mietwohnungsbaus der sogenannte conventillo vor allem in den ärmeren, südlichen Manzanas der Altstadt als auch in den neu erschlossenen Gebieten.
Am 5. Juni 1888 war Montevideo auch von den Auswirkungen des Erdbebens am Río de la Plata betroffen, das eine Stärke von 5,5 auf der Richterskala aufwies. Dies war das erste und bislang einzige Mal in der Stadtgeschichte, dass ein solches Naturereignis registriert wurde.
Die Einwohnerzahl im Jahr 1884 betrug bereits 104.472, darunter zahlreiche Ausländer. In jener Zeit war Handel die einzige Erwerbsquelle der Stadt. Es bestand eine Rivalität mit Buenos Aires.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann durch ein französisches Unternehmen der bereits 1856 per Gesetz festgelegte Ausbau des Hafens, für den am 18. Juli 1901 der Grundstein gelegt wurde, nach vorausgegangener langwieriger Planung. Den 1889 ausgerufenen internationalen Wettbewerb zur Hafengestaltung entschied dabei eine Braunschweiger Firma zu ihren Gunsten. Im Zuge des Hafenausbaus wurde zudem die Rambla Portuaria neugestaltet.
Auch in den Anfangsjahren des 20.Jahrhunderts führte eine neue Immirgrantenwelle aus Europa und dem Landesinneren zu einem Bevölkerungswachstum und damit einer höheren Nachfrage nach Arbeitsplätzen in der Stadt, die durch die nun aufkommende Industrialisierung und den damit verbundenen Unternehmensgründungen (besonders in der Konsumgüterbranche) im Zusammenspiel mit einer nun stärker binnenmarktorientierten, importsubstituiv ausgerichteten Politik Uruguays aufgefangen wurde. Zwischen 1930 und 1955 fand etwa eine Verdreifachung der Unternehmenszahlen (7.000 auf 21.000), sowie eine Verdoppelung der in der Industrie beschäftigten Personen (68.000 auf 160.000) in Uruguay statt. Dies war erneut mit Auswirkungen auf die Siedlungsstrukturen Montevideos verbunden. So wurde in der Altstadt mehr und mehr die Wohnnutzung zugunsten wirtschaftlicher Einrichtungen aus dem Finanzsektor, wie etwa die Banco de la República, als auch später aus dem dem Hafen verbundenen Dienstleistungssektor (Im- und Exportgesellschaften, Wechselstuben, etc.) zurückgedrängt. Die Avenida 18 de Julio hingegen entwickelte sich durch Ausbreitung des Einzelhandels zur Haupteinkaufsstraße und ihre Umgebung wurde auch durch die Mittel-und Oberschicht Montevideos nun vermehrt zu Wohnzwecken genutzt. Die Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht dagegen bewohnten nun vielfach entweder Pensiones oder Innquilinatos oder zogen in die im Bereich der calle Reconquista seit 1945 errichteten Mietsblöcke.
Zeitgleich begann sich das Stadtbild dahingehend zu verändern, das die Gebäudehöhen, auch begünstigt durch im Jahre 1907 neu ergangene Bauvorschriften, zunahmen. Mit dem Bau, unter anderem der Börse (1940), des Hotel Victoria Plaza (1950) oder des Edificio Tupí (1963), büßte die Kathedrale ihre Sonderstellung als bis dahin das Stadtbild bestimmends Gebäude ein.
Während des Zweiten Weltkriegs suchte das deutsche Panzerschiff Admiral Graf Spee, das als Handelsstörer im Südatlantik unterwegs war, nach einem Gefecht mit britischen Kreuzern am 13. Dezember 1939 im neutralen Hafen von Montevideo Zuflucht. Vor die Wahl zwischen einem weiteren, aussichtslosen Seegefecht mit den Briten und einer Internierung durch Uruguay gestellt, versenkte die Mannschaft der Graf Spee am 17. Dezember 1939 vor Montevideo das Schiff selbst. Ein Denkmal mit dem gehobenen Anker des Schiffs hat heutzutage seinen Platz in einem allerdings nicht ohne weiteres öffentlich zugänglichen Teil des Hafens von Montevideo.
Als in den 1950er Jahren sich die wirtschaftliche Situation des Landes unter anderem durch sinkende Preise für Agrarprodukte, auf deren Export die uruguayische Wirtschaft überwiegend aufgebaut war, sich zunehmend verschlechterte, hate dies auch Folgen für die Stadt Montevideo. So nahm die Bautätigkeit im Stadtgebiet stark ab. Neue Gebäude wurden im Vergleich zu früheren Jahren in wesentlich geringerer Zahl errichtet und auch die vorhandene Bausubstanz verfiel zusehends. Dies hatte seinen Grund unter anderem auch in einem der Investitionsbereitschaft der Vermieter kontraproduktiv entgegenstehenden, 1947 eingeführten restriktiven Mieterschutz in Verbindung mit verstärkt aufkommender Inflation. Durch diesen wurde eine Anpassung der Mieten an die Inflationsrate verhindert.
Am 8. Januar 1979 war Montevideo Schauplatz der Unterzeichnung der Acta de Montevideo (Akte von Montevideo) im Zusammenhang mit der päpstlichen Vermittlung im Beagle-Konflikt.
In den 1980er Jahren besuchte Papst Johannes Paul II. dann selbst zweimal die Stadt. Der erste Besuch datiert aus dem April 1987. Hier hielt er eine große Messe in Tres Cruces. Der Zweite, der ihn auch in die Städte Salto, Florida und Melo führte, fand dann 1988 statt.
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José Gervasio Artigas
(* 19. Juni 1764 in Montevideo; † 23. September 1850 in Ibiray bei Asuncion (Paraguay) war ein uruguayischer General, Freiheitskämpfer und Politiker. Er ist in Uruguay ein Nationalheld und wird auch als „Vater der Unabhängigkeit Uruguays“ bezeichnet. Die Titel „Jefe de los Orientales“ (Führer der Östlichen) und „Protector de los Pueblos Libres“ (Beschützer der Freien Völker) erhielt er wegen seiner Verdienste um die Revolution im Vizekönigreich des Río de la Plata gegen die Kolonialherrschaft und die Bildung der Bundesstaaten.
Von der Kindheit bis zur Militärzeit
Artigas wurde in Montevideo als Sohn des Polizeioffiziers Martin José Artigas und seiner Frau Antonia Arnal Rodrígez geboren. Die Artigas waren Nachkommen der Inka-Herrscherfamilie Pachacuti. Sein Großvater war einer der ersten Siedler Montevideos. José Gervasio erhielt die Grundschulausbildung im Franziskanerkloster von St. Bernardino. Mit 12 Jahren ging er auf die familieneigenen Ländereien in die Banda Oriental. Er bekam dort engen Kontakt zu den Gauchos und lernte das Reiten und den Umgang mit Waffen. Auch beteiligte er sich an illegalen Tätigkeiten wie dem Schmuggel an der Grenze zu Brasilien und dem Viehdiebstahl. Er lebte im Norden des Landes mit Frau und Sohn am Río Negro in engem Kontakt zu den Ureinwohnern, den Charrúas. Mit dreiunddreißig Jahren, 1797, nahm er eine Amnestie in Anspruch und trat in das Korps von Blandengues ein, eine Miliz des Vizekönigreichs des Río de la Plata, deren Aufgabe es war, die Grenze zu Brasilien zu schützen. Im Korps traf Artigas auf einen aus Montevideo stammenden Afrikaner, Joaquín Lenzina, der in portugiesische Gefangenschaft geraten war. Artigas kaufte ihn aus der Sklaverei frei. Lenzina, bekannt als „der schwarze Ansina“, begleitete ihn sein Leben lang als sein bester Freund, Kriegskamerad und Chronist.
Teilnahme am Freiheitskampf
Artigas hatte wesentlichen Anteil an der Gründung der Stadt Batovy im Gebiet Misiones Orientales. Von 1806-1807 beteiligte er sich am spanischen Widerstand gegen die britische Invasion am Rio de la Plata. Für seinen Einsatz zur Befreiung von Montevideo und Buenos Aires wurde er zum Kapitän der Miliz und wenig später zum Adjudantmajor ernannt. Bei einer weiteren Schlacht kam Artigas in englische Gefangenschaft und sollte nach England verschifft werden. Wegen einer Verwundung wurde davon Abstand genommen. Wegen Napoleons Eingriff in die spanische Innenpolitik mit der Abdankung König Karls IV. war die spanische Macht in den Kolonien geschwächt. Im Vizekönigreich des Río de la Plata kam es am 25. Mai 1809 zum ersten Aufstand in der Stadt Chuquisaca. Am 25. Mai 1810 wurde Vizekönig Baltasar de Cisneros in Buenos Aires abgesetzt. An seine Stelle trat ein gewählter Rat als Folge der Mairevolution. Die spanische Regierung verlegte ihren Sitz nach Montevideo. Artigas stand noch in spanischen Diensten und sollte einen Volksaufstand in der Banda Oriental niederschlagen. Die örtlichen Anführer bereiteten ihm eine Niederlage. 1811 kam der neue Vizekönig Francisco Javier de Elío nach Montevideo; in Unkenntnis der tatsächlichen Kräfteverhältnisse erklärte er dem Rat in Buenos Aires am 13. Februar 1811 den Krieg. Bereits im August 1810 hatte der Sekretär des Rates, Mariano Moreno, unter anderen Artigas angeschrieben und ihm im Falle einer Desertierung weit gehende Vollmachten angeboten. Artigas ging darauf ein und wurde vom Rat als Oberstleutnant mit 150 Soldaten nach Banda Oriental geschickt, um einen Volksaufstand zu organisieren. Mit dem „Aufruf von Mercedes“ am 11. April 1811 ergriff Artigas die Befehlsgewalt der Revolution in der Banda Oriental. Am 18. Mai 1811 schlug er die Spanier in der Schlacht von Las Piedras und ließ sich in Montevideo zum „Primer Jefe de los Orientalis“ feiern. Nach Maroñas wurde 1812 der Nationalkongress einberufen. Dort rief Artigas die Provincia Oriental aus. Artigas unterschrieb für den Rat in Buenos Aires den Waffenstillstandsvertrag mit Vizekönig Elío. Dem Vertrag zufolge musste er aus der Banda Oriental und Montevideo seine Truppen zurückziehen.
Artigas ging mit seinen Anhängern an das westliche Ufer des Flusses Uruguay. In der uruguayischen Geschichtsschreibung wird dies als „östlicher Exodus“ bezeichnet. In der Provinz Misiones, nördlich der heutigen Stadt Concordia, legte Artigas im Januar 1812 mit 16.000 Personen, Ausrüstung und Vieh sein neues Lager an. Von dort hielt er Kontakt zu den Führern von Entre Rios und Corriente und schuf damit eine Basis für seinen Einfluss auf die Territorien im argentinischen Küstengebiet. Zu Beginn des Jahres 1812 endete der Waffenstillstand. Die Aufständischen unter Manuel de Sarratea, einem Konkurrenten von Artigas, besetzten Montevideo erneut. Erst nach dem Rückzug Sarrateas konnte Artigas in Montevideo einziehen.
Aus dem Lager von Artigas wurden Abgeordnete gewählt, die 1813 an der konstituierenden Versammlung in Buenos Aires teilnahmen. Sie erhielten von ihm Instruktionen, die Folgendes aussagten: Erklärung der Unabhängigkeit, zivile und religiöse Freiheit, eine föderative politische Ordnung, selbstständige Bundesstaaten, Buenos Aires sollte nicht der Sitz der Zentralregierung sein. Die Versammlung lehnte seine Vorschläge ab, weil sie aus einem Militärlager kamen und die Versammlung sich für souverän erklärte. General José Rondeau ließ neue Abgeordnete wählen, die gegen Artigas argumentieren sollten. Artigas zog sich verärgert zu seinen Anhängern am Fluss Uruguay zurück. Von dort führte er einige Feldzüge in das Innere der Banda Oriental und Entre Ríos. Eine gegen ihn gesandte Expedition schlug er in Entre Ríos. Darauf unterschrieb der Oberste Direktor der Vereinten Provinzen am 11. Februar 1814 eine Verordnung, in der Artigas zum „Verräter des Vaterlandes“ erklärt wurde. Es hieß darin im Artikel 1: Don Jose Artigas wird für ehrlos erklärt, seiner Ämter enthoben, er ist vogelfrei und ein Feind des Vaterlandes. Artikel 2: Er wird als Verräter am Vaterland verfolgt und im Falle des Widerstands getötet. Artikel 3: Alle Völker, die Gerichte, die militärischen Kommandeure und die Bürger in den vereinten Provinzen verfolgen den Verräter mit allen möglichen Mitteln. Jede Hilfe, die man ihm gibt, gilt als Hochverrat. Wer Artigas lebend oder tot übergibt, bekommt eine Belohnung von tausend Pesos.
Bürgerkrieg und Liga Federal
1814 organisierte sich die Liga der freien Völker und Montevideo entzog sich der Kontrolle der verbündeten Unitarier in Buenos Aires. In den folgenden Monaten entwickelte sich ein Bürgerkrieg zwischen den Anhängern von Artigas in Corrientes, Entre Rios und Provincia Oriental gegen die Führung der vereinten Provinzen. Artigas behielt die Oberhand. Eine Provinz nach der anderen löste sich aus der Vormundschaft der Unitarier in Montevideo. Sein neues Heerlager richtete Artigas im Mai 1815 in Purificación del Hervidero, in der Nähe der heutigen Stadt Salto, ein. Es verwandelte sich faktisch zur Hauptstadt der Liga Federal. Die Truppe von Artigas bestand aus ungefähr 1.500 Kämpfern. Es waren meistens Indios, die aus abgewirtschafteten jesuitischen Niederlassungen kamen, sehr anspruchslos und kampfbereit waren. Artiges rief am 29. Juni 1815 zum „Kongress der freien Völker“ in Concepción. Es sollten Probleme der politischen Organisation, des Handels, der Beziehungen mit dem Ausland, der Landwirtschaftspolitik und der Beziehung zu den übrigen Ländern des ehemaligen Vizekönigreiches behandelt werden. Auf diesem Kongress erklärten sich die Provinzen Banda Oriental, Córdoba, Corrientes, Misiones und Santa Fe „von aller fremden Macht“ unabhängig.
Exil
Artigas im Alter
Die Vereinigung brach 1816 zusammen, als die Portugiesen die Provinzen besetzten. Die Regierung in Buenos Aires sah tatenlos zu. Artigas wehrte sich vier Jahre lang militärisch und musste 1820 nach der verlorenen Schlacht von Tacuarembó nach Paraguay flüchten. Der dortige Diktator José Gaspar Rodríguez de Francia verbannte ihn nach Candelaria. Nach langem Exil, starb Artigas am 23. September 1850 in Ibiray bei Asunción, ohne Uruguay je wieder betreten zu haben.
Artigas
Palacio Salvo
Der Palacio Salvo ist ein Gebäude in Montevideo, Uruguay und liegt an der Kreuzung der Straße der Avenida 18 de Julio und der Plaza Independencia. Es wurde vom Architekten Mario Palanti entworfen und 1925 fertiggestellt. Mit einer Höhe von 100 m war es zu seiner Zeit das höchste Bauwerk in Südamerika. Der Palacio Salvo wurde auf der Stelle erbaut, wo vorher das Confiteria La Giralda stand. Dort schrieb Gerardo Matos Rodríguez 1917 sein Stück La Cumparsita, welches als Hymne des Tangos gilt.
Palacio Salvo
Der Obelisco a los Constituyentes de 1830
ist ein am 25. August 1938 eingeweihtes 40 Meter hohes Denkmal in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo. Er erinnert an die 1830 in Kraft getretene erste Verfassung des Staates Uruguay.
Der Obelisk befindet sich an der Ostseite des Bulevar Artigas direkt gegenüber der Einmündung der Avenida 18 de Julio. Er besteht aus Bronze und Granit und wurde vom uruguayischen Bildhauer José Luis Zorrilla de San Martín geschaffen.
Obelisco a los Constituyentes de 1830
La Carreta Monument to the early settlers
Plaz de la Armada
Impressionen von Montevideo
MS RADIANCE OF THE SEAS im Hafen von Montevideo
17:00 Uhr MS RADIANCE OF THE SEAS verläßt den Hafen von Montevideo/Uruguay und nimmt Kurs auf Puerto Madryn/Argentinien
Es liegen 630 Seemeilen vor uns
19:30 Uhr Headliner Showtime: The Gauchos
21:00 Uhr Abendessen
ca. 25°C - herrliches Wetter